Konzept

Die „Leseschule NRW“ umfasst alle Bausteine, die eine Schule einsetzen kann, die sich als Leseschule versteht. Das Gesamtkonzept ist dabei in zwei verschiedene Bereiche, den Bereich des Textverständnisses, der die Diagnostik und die methodische Förderung von Lesestrategien und Fluency beinhaltet, und den Bereich der literarischen Bildung unterteilt. Beide Bereiche sind eng miteinander verbunden und bedingen sich wechselseitig, sie sollten jedoch für eine gezielte Förderung systematisch voneinander unterschieden werden.

Die Module der Fortbildung orientieren sich an den einzelnen Bausteinen des Gesamtkonzepts der „Leseschule NRW“ und bilden diese ab, wobei sie unterschiedlich differenziert ausgestaltet sind.

 

  • Modul 1: Literarische Bildung: Bibliothek / Leseanimation

    Unter Leseanimation versteht man Verfahren und Praktiken, die der Steigerung der Lesemotivation und Lesefreude dienen, aber auch ästhetische Rezeptionskompetenz im Prozess kultureller Kohärenzbildung anbahnen. Öffentliche Bibliotheken sind dabei ideale Partner, die nicht nur über die notwendige Expertise zur Auswahl qualitativ hochwertiger Medien, die altersgemäße Lesevorlieben und thematische Interessen berücksichtigen, verfügen, sondern auch didaktisch und methodisch gut durchdachte leseanimierende Aktionen anbieten. Die Einbindung der Kooperationsaktivitäten in schuleigene Curricula und Lese(förder)konzepte schafft optimale Voraussetzungen zur Entwicklung und Förderung von Lesefreude und Lesekompetenz und ist somit ein Beitrag zur Schul- und Unterrichtsentwicklung und individuellen Förderung.

    Einführung in leseanimierende Verfahren in Kooperation mit der Bibliothek

    Die Fortbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer lernen in diesem Modul Verfahren kennen, mit denen Schule in Kooperation mit der Bibliothek die Lesemotivation und Lesefreude der Schülerinnen und Schüler steigern kann. Dazu gehören lesekulturelle Arrangements, wie Bilderbuchkinos, Kreativwerkstätten zu ausgewählten Kinderbüchern und Autorenlesungen. In einem weiteren Schritt werden mit Blick auf organisatorische, strukturelle und personelle Ressourcen Gelingensbedingungen für die Ausgestaltung der Kooperation mit Bibliotheken erörtert und Konzeptionen für die Implementierung der Kooperation in schulinterne Curricula und Lesekonzepte vorgestellt.

  • Modul 2: Textverständnis: Methodentraining / Fluency

    Flüssiges Lesen ist die unabdingbare Voraussetzung für das Textverständnis. Erst wenn die basalen Lesefertigkeiten auf Buchstaben-, Wort- und Satzebene, also die Automatisierung der Dekodierprozesse, eine angemessene Lesegeschwindigkeit und die Fähigkeit zur sinngemäßen Betonung, genügend ausgebildet sind, werden kognitive Ressourcen frei, um Textinhalte zu verstehen.

    Einführung in Verfahren zur Steigerung der Leseflüssigkeit

    Neben theoretischen Grundlagen zu dem Zusammenhang von Leseflüssigkeit und Textverständnis lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Viel- und dem Lautleseverfahren zwei Methoden zur Verbesserung des flüssigen Lesens kennen. Darüber hinaus wird das Prinzip von Sichtwortschatzübungen erläutert und es werden Übungen zur Förderung der Lesegeläufigkeit vorgestellt.

  • Modul 3: Textverständnis: Methodentraining / Strategien

    Lesestrategien sind Instrumente, die für die Planung, Steuerung und Verläufe von Textverständnis eingesetzt werden. Sie sind immer in einem Verbund systematisch zusammengefasst und haben die Aufgabe, Informationen eines Textes zugänglich zu machen. Gute Leser sind gute Strategieanwender, die sich bei jedem neuen Text entscheiden, welche Lesestrategien aus ihrem Repertoire zielführend zum Einsatz kommen. Als Ziele eines Lesestrategietrainings lassen sich festhalten, dass die Schülerinnen und Schüler verschiedene Lesestrategien kennenlernen und deren Verwendung so intensiv einüben, dass diese automatisiert benutzt werden können.

    Einführung in die Anwendung eines Strategietrainings zur Förderung des Textverstehens

    Neben einer Erläuterung der Grundlagen strategischen Lernens, die deutlich macht, warum Lesestrategien in Form eines Trainings eingeübt werde sollten, werden Lesestrategien in ihren Klassifizierungen sowie Trainingsprogramme zur Förderung des Textverständnisses vorgestellt. Zudem werden Methoden der Vermittlung erprobt und Materialien zur Übung der einzelnen Strategien bereitgestellt, anhand derer gezeigt wird, wie Arbeitsblätter didaktisch gestaltet sein müssen, um Lesestrategien erfolgreich vermitteln und trainieren zu können.

  • Modul 4: Textverständnis: Diagnostik

    Der Einsatz diagnostischer Verfahren im Kontext von Programmen zur Förderung des Textverständnisses ist von großer Bedeutung, denn die Identifizierung von Schülerinnen und Schülern mit Problemen beim Lesen und Defiziten im Hinblick auf das Textverständnis gelingt Lehrerinnen und Lehrern ohne den Einsatz solcher Verfahren zu selten. Erst auf der Basis eines ausreichenden Kenntnisstandes über die Fähigkeiten, aber auch die Schwierigkeiten und Probleme der Schülerinnen und Schüler können gezielt Trainingsprogramme ausgewählt und Maßnahmen zur Förderung von Lesekompetenz ergriffen werden.

    Einführung in Verfahren der Diagnostik zur Feststellung der Lesekompetenz

    Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird die Bedeutung der Diagnose von Kompetenzen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler als notwendiger Bestandteil von Förder- und Trainingsprogrammen vermittelt. Sie lernen verschiedene diagnostische Verfahren und Instrumente zur Erhebung der Lesekompetenz kennen, wobei standardisierte Testverfahren und die Klärung, welche Fähigkeiten auf welche Weise und mit welcher Zielsetzung getestet werden sollen, im Zentrum stehen.

  • Modul 5: Leseschulcurriculum

    Die Etablierung der verschiedenen Bausteine der „Leseschule NRW“ an einer Schule sollten Teil des Schulprogramms sein, damit getroffene Vereinbarungen zur Durchführung einzelner Maßnahmen eine größere Verbindlichkeit bekommen. Da Leseförderung in allen Jahrgangsstufen und allen Fächern eine zentrale Rolle spielt, empfiehlt es sich, das ganze Kollegium einzubinden, um Lesekompetenz fächerübergreifend und systematisch zu entwickeln und in fachlichen Konzepten und Curricula zu verankern.

    Umsetzbarkeit der verschiedenen Bausteine zur Leseförderung in ein Schulprogramm

    In diesem Modul wird die Entwicklung eines Leseschulcurriculums praktisch erprobt und reflektiert. Dabei werden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern konkrete Maßnahmen und strategische Vorgehensweisen aufgezeigt, die dabei behilflich sein können, eine eigenverantwortliche Verständigung über Ziele, Verantwortlichkeit und Zusammenarbeit im schulischen Kontext bezüglich eines Konzeptes zur Leseförderung zu erzielen. Ein solches Konzept bildet die konkrete Umsetzbarkeit von Leseförderung an der Schule auf der Grundlage von einzelnen Bausteinen ab, wie sie das Konzept einer „Leseschule NRW“ vorsieht.