„Freiheit ja – Einsamkeit nein“

Gastbeitrag von PD Dr. Klaus Große Kracht, Mentor an der Graduiertenschule des Exzellenzclusters

PD Dr. Klaus Große Kracht
PD Dr. Klaus Große Kracht
© WWU/MünsterView

Für das Mitarbeiterportal der Uni Münster hat der Historiker PD Dr. Klaus Große Kracht, Mentor der Graduiertenschule des Exzellenzclusters, einen Gastbeitrag über die Nachwuchsförderung am Exzellenzcluster verfasst. Weitere Beiträge zum Thema "Nachwuchsförderung an der WWU" finden sich in einem Dossier auf der Uni-Website. (sca)

PD Dr. Klaus Große Kracht über die Nachwuchsförderung am Exzellenzcluster

Wie ist die WWU Ihrer Meinung nach in der Nachwuchsförderung aufgestellt?

"Einsamkeit und Freiheit": Von diesem Humboldtschen Ideal der individuellen, nur sich selbst verpflichteten Forschung träumen nicht wenige wissenschaftliche Beschäftigte an Hochschulen und Universitäten. Vor lauter Managementaufgaben und drittmittelfinanzierter Verbundforschung ist die Zeit zur freien, selbstgenügsamen Arbeit inzwischen knapp geworden. Vor allem in den Kulturwissenschaften ist der nostalgische Rückblick auf die Zeit der Promotion, als man sich ausschließlich einer – seiner – Sache widmen konnte, weit verbreitet. Aber seien wir mal ehrlich: Wer hat sie nicht erlebt, die Schattenseiten des stillen Promovierens am heimischen Schreibtisch? Die Herausforderung der Selbstdisziplin, das Scheitern an selbstgesetzten Arbeitszielen, der mangelnde Austausch mit anderen?

Insofern ist es sehr zu begrüßen, dass in den letzten Jahrzehnten das Modell der strukturierten Doktorandenausbildung immer mehr zum Standard guter Nachwuchsförderung geworden ist – so auch in der Graduiertenschule des Exzellenzclusters ‚Religion und Politik‘ an der WWU. Die Promovierenden des Clusters finden hier eine Plattform zum gemeinsamen Austausch in wissenschaftlichen Fragen, in konkreten Angelegenheiten der Arbeitsorganisation sowie nicht zuletzt zur persönlichen Begegnung. In vier – jeweils durch einen Wissenschaftler bzw. eine Wissenschaftlerin auf PostDoc-Ebene angeleiteten – Mentoring-Gruppen können auch jene Probleme angesprochen werden, für die die übliche Projektpräsentation in Kolloquien und Workshops nicht den richtigen Rahmen darstellt. Dadurch können Ängste und Selbstzweifel abgebaut und eine individuelle Begleitung über die gesamte Projektlaufzeit sichergestellt werden. Die interdisziplinäre Zusammensetzung der Mentoring-Gruppen fördert zudem den kritisch-kollegialen Blick über den Tellerrand des eigenen Projektes: Freiheit ja, Einsamkeit aber bitte nicht.