Herausforderungen für die Wissenschaft in der EU

Althistoriker Peter Funke über Europas antike Wurzeln– Deutsch-italienisches Symposium anlässlich 60 Jahre Römische Verträge

Prof. Dr. Peter Funke
© Julia Holtkötter

Über Herausforderungen und Chancen für die Wissenschaft in der Europäischen Union (EU) haben prominente Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft Deutschlands und Italiens in Rom diskutiert. Anlass war der 60. Geburtstag der Römischen Verträge. Der Althistoriker Prof. Dr. Peter Funke vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster moderierte auf dem deutsch-italienischen Symposium das Podium „Athen, Rom, Jerusalem. Europas antike Wurzeln oder antike Wurzeln für Europa?“. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) veranstaltete die Tagung vom 13. bis 14. Juli gemeinsam mit dem binationalen Wissenschafts- und Kulturzentrum Villa Vigoni und weiteren Partnern. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft in Rom und trug den Titel „Die Europäische Union – Herausforderungen und Chancen für die europäische Wissenschaftsgemeinschaft“.

„In der Antike gab es keinen kulturellen oder gar politischen Begriff von Europa. Kein Grieche und kein Römer wäre damals je auf den Gedanken gekommen, im heutigen Sinne ‚europäisch‘ zu denken und zu handeln“, sagte Prof. Funke in der Einführung zum Podiumsgespräch am ersten Veranstaltungstag. Europa sei für die antiken Menschen allenfalls eine geographische Bezugsgröße gewesen. „Streng genommen ist die Frage nach europäischen Wurzeln in der Antike also abschlägig zu beantworten“, sagte der Althistoriker. Anders verhalte es sich aber, wenn man nach antiken Wurzeln für Europa suche: „Mit der Suche nach den konstitutiven Faktoren einer spezifisch europäischen Gedächtniskultur im antiken Griechenland wird dann auch die Frage nach dem griechisch-römischen Erbe wieder relevant.“

Diskussion über antike Grundlagen für ein zukünftiges Europa

Das zweitägige Symposium fand anlässlich des 60. Jubiläumsjahres der Unterzeichnung der Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft („Römische Verträge“) statt. Zwölf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schlossen sich sechs Länder vertraglich enger zusammen: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. Die Unterzeichnung der Verträge gilt als Gründungsdatum der späteren Europäischen Union (EU).

Die von Prof. Funke moderierte Diskussion befasste sich damit, wie europäisch die griechisch-römische Antike war, ob jede Zeit ihr „eigenes“ Europa habe und wie die antiken Grundlagen für ein neu zu gestaltendes Europa aussehen könnten. Es diskutierten der Leitende Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts Rom PD Dr. Ortwin Daily, die geschäftsführende Direktorin der Bibliotheca Hertziana in Rom, Prof. Dr. Tanja Michalsky, der Direktor der British School at Rome, Prof. Dr. Christopher Smith, sowie der ehemalige Leiter der Scuola Normale Superiore in Pisa Prof. Dr. Salvatore Settis.

Weitere Vorträge und Gespräche

Am zweiten Veranstaltungstag sprachen die Präsidenten der DFG und der Villa Vigoni, Prof. Dr. Peter Strohschneider und der frühere Botschafter Michael H. Gerdts, sowie die Historikerin Prof. Dr. Corinna Unger vom Europäischen Hochschulinstitut Florenz. Ihr Vortrag trug den Titel „Wissenschaft und Forschung als Motoren der europäischen Integration“. Die Juristin und Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, Prof. Dr. Angelika Nußberger von der Universität zu Köln, sprach über die „EU als Rechts- und Wertegemeinschaft“ und die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Simona Piattoni von der Universität Trient untersuchte Demokratie und Forschung im „Mehrebenensystem der EU“.

Das Thema des abschließenden Podiumsgesprächs lautete „Eine vernetzte europäische Wissenschaftsgemeinschaft: Pfeiler einer pluralistischen Europäischen Union“. Es diskutierten die Direktorin des Center for European Integration Prof. Dr. Tanja Börzel, der Richter des italienischen Verfassungsgerichtshofs Prof. Dr. Giuliano Amato und die Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland am Heiligen Stuhl, Annette Schavan. (DFG/dak/vvm)