Religiöse Vielfalt in Myanmar

Christlich-buddhistische Tagung in Yangon über Mission und religiöse Bildung

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans (Mitte hinten), Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel, Dr. Samuel Ngun Ling und Dr. Madlen Krüger (v.r.)
© Thawng Thang

Wissenschaftler des Exzellenzclusters haben in Myanmar ihre Forschungen über die religiöse und ethnische Vielfalt im Land fortgesetzt. Die zweite Konferenz des Projektes „Religiöser Pluralismus im Diskurs – Buddhisten und Christen in Myanmar und ihr Umgang mit religiöser Pluralität“, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert, befasste sich im Februar in der Stadt Yangon, früher Rangun genannt, mit Missionierung und religiöser Bildungsarbeit im Kontext der religiösen Vielfalt Myanmars. Der Religionswissenschaftler und Theologe Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel und der evangelische Theologe Prof. Dr. Hans-Peter Großhans vom Exzellenzcluster diskutierten das Thema mit christlichen und buddhistischen Kollegen. Organisiert wurde die Tagung von der Religionswissenschaftlerin Dr. Madlen Krüger in Kooperation mit dem „Myanmar Institute of Theology“ (MIT). Frau Krüger arbeitet an der Universität Münster und betreibt im Rahmen des DFG-Projekts die Feldforschung in Myanmar.

Buchcover
© Ling’s Family Publications

Die Ergebnisse der ersten Tagung in Yangon im Jahr 2015, die sich mit Einstellungen von Christen und Buddhisten zur religiösen Vielfalt befasste, sind jüngst als Buch erschienen. Der Sammelband „Buddhist and Christian Attitudes to Religious Diversity” ist im Verlag Ling‘s Family Publication in Myanmar erschienen und wurde bei der diesjährigen Veranstaltung präsentiert. „Das Buch fragt, wie Engführungen in der Wahrnehmung anderer Religionen, die eine Missachtung und Geringschätzung des religiös Anderen einschließen, überwunden werden können“, so Prof. Schmidt-Leukel. „Die Beiträge behandeln auch dornige Fragen, wie zum Beispiel die Schwierigkeiten im Verhältnis von Buddhismus, Christentum und Islam in Myanmar. Sie wurden bei der Tagung 2015 aus der Sicht der beteiligten Religionen zur Sprache gebracht und diskutiert.“

Weitergabe der Religion

„Mission und religiöse Erziehung stellen zwei Grundformen der Weitergabe der Religion dar“, führten die Wissenschaftler aus. „Wir haben erörtert, wie diese beiden Formen der Weitergabe von Christen und Buddhisten in Myanmar praktiziert werden, besonders im Hinblick auf die Vielfalt von Religionen im Land.“ Die Forscher untersuchten, wie Christen und Buddhisten die religiöse Vielfalt in ihrer Bildungsarbeit thematisieren und wie sie im öffentlichen Bildungssystem berücksichtigt wird.

Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel und Prof. Dr. Hans-Peter Großhans
© Thawng Thang

Das unter britischer Kolonialherrschaft als „Burma“ oder „Birma“ bekannte Land zwischen Thailand und Indien zeichnet sich durch eine große ethnische Vielfalt aus. Religiös gehört die Mehrheit der Bevölkerung dem sogenannten Theravāda-Buddhismus an.Knapp sieben Prozent gehören den Wissenschaftlern zufolge der christlichen, 3,6 Prozent der muslimischen und 2,6 Prozent der hinduistischen Minderheiten an, die jeweils stark mit bestimmten Ethnien verknüpft seien. So liegen im Stadtzentrum von Yangon gleich mehrere buddhistische Tempel, Hindutempel, Moscheen und Kirchen in unmittelbarer Nachbarschaft.

Umgang mit religiöser Pluralität

Die Wissenschaftler wollen in ihrem auf drei Jahre angelegten Projekt zentrale theologisch-religiöse Legitimierungsdiskurse unterschiedlicher Religionen in Myanmar identifizieren und analysieren. Auf dieser Basis werden die Auswirkungen dieser Vorstellungen für das Miteinander verschiedener Religionen im öffentlichen Raum sowie ihr Bezug zu weiteren sozio-kulturellen Faktoren untersucht. „Die Verschränkungen zwischen ethnischen und religiösen Zugehörigkeiten werden dabei ebenso berücksichtigt wie die geschichtlichen Kontinuitäten und Diskontinuitäten“, so die Forscher. Im Mittelpunkt des Projekts stehe die empirische Erhebung und Analyse der Perspektiven buddhistischer und christlicher Hochschuldozenten auf die theoretische Verarbeitung religiöser Pluralität in Myanmar. Diesen Teil der Studie führt die Religionswissenschaftlerin Dr. Madlen Krüger in Kooperation mit dem MIT durch, die an der Universität Bochum mit einer Arbeit über politischen Buddhismus promoviert wurde. (ill/vvm)

Hinweis: Großhans, Hans-Peter/ Ling, Samuel Ngun / Schmidt-Leukel, Perry (Hgg.): Buddhist and Christian Attitudes to Religious Diversity, Yangon: Ling’s Family Publications 2017.