„Spiritualität in der Ich-Gesellschaft“

Vorstellung einer neuen Studie zu Religion und Spiritualität in der Schweiz

Plakat Vortrag und Buchvorstellung „Religion und Spiritualität in der Ich-Gesellschaft. Vier Gestalten des (Un-)Glaubens“

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© CRM

Eine Untersuchung zur Religion und Spiritualität in der Schweiz stellt der Religionssoziologe und Leiter der Studie, Prof. Dr. Jörg Stolz von der Universität Lausanne, in einer Veranstaltung des Centrums für Religion und Moderne (CRM) und der Arbeitsgruppe „Religionssoziologie“ des Exzellenzclusters vor. Zu den Autoren des Buches „Religion und Spiritualität in der Ich-Gesellschaft“ gehören auch die katholische Theologin Prof. Dr. Judith Könemann vom Exzellenzcluster und CRM-Vorstand sowie Religionssoziologe Dr. Michael Krüggeler vom CRM.

Die Buchvorstellung findet am Mittwoch, 4. Februar, ab 16:15 Uhr im Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters, Johannisstraße 4, im Raum JO 101 statt. Anschließend sind Interessierte zu einem Workshop mit dem Referenten sowie den Mitautoren Prof. Könemann und Dr. Krüggeler eingeladen.

Die Studie „Religion und Spiritualität in der Ich-Gesellschaft“ zieht eine Bilanz mit Blick auf die Wahrnehmung und Bewertung von Religion in der Bevölkerung der Schweiz. Die Untersuchung steht in der Tradition vergleichbarer Studien seit 1989, deren erste unter dem Titel „Jede/r ein Sonderfall“ stark beachtet wurde. Sie basiert auf einer vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen des Nationalfondsprojekts 58 „Religionen, Staat und Gesellschaft“ durchgeführten, repräsentativen sowie quantitativen und qualitativen Untersuchung zur Religion und Spiritualität in der Schweiz.

Noch klarer und unmissverständlicher als die zwei Vorgängerstudien weist die neue Untersuchung den Autoren zufolge auf einen Umbruch in der Religionslandschaft hin. Was mit der Aufklärung und der auf sie folgenden Religionskritik vorgespurt worden sei, erreiche nun in radikalisierter Form die breite Masse der Bevölkerung. Prof. Könemann: „Die nun veröffentlichte Auswertung und Kommentierung der neuesten Erhebung führt zur Erkenntnis, dass die Religiosität in unserer Gesellschaft sich mit Hilfe von vier ‚Typen‘ oder ‚Gestalten des (Un-)Glaubens‘ charakterisieren lässt: Institutionelle, Alternative, Distanzierte und Säkulare.“

Der Band trägt den Untertitel „Vier Gestalten des (Un-)Glaubens“ und ist im Theologischen Verlag Zürich in der Reihe „Beiträge zur Pastoralsoziologie“ erschienen. Während noch bis in die 1950er Jahre von der Schweiz als „christlichem Land“ gesprochen werden konnte, wie Prof. Könemann sagt, und die Konfessionsdifferenzen ein wichtiger sozialer Marker waren, der die Wahrnehmung der Menschen stark beeinflusste, werde Religion im neuen Regime der Ich-Gesellschaft von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung in ganz neuer Weise betrachtet. „Religionen unterstehen aus dieser Sicht ganz generell dem Primat der Gesellschaft und des Individuums. Sie haben nicht selbst Ansprüche zu stellen, sondern müssen der Gesellschaft und dem Individuum dienen. Falls sie dies nicht tun oder gar schädliche Auswirkungen zeigen (z.B. zu Extremismus, Fanatismus, Intoleranz neigen), werden sie abgelehnt.“ Diese Wahrnehmung und Bewertung von Religion(en) fordere die Kirchen heraus, so die Wissenschaftlerin. „Auch wenn sie sich entscheiden, sich nicht an den Gesetzmäßigkeiten und Beurteilungsmaßstäben der Ich-Gesellschaft zu orientieren, müssen sie zur Kenntnis nehmen, dass sie von einer Mehrheit der Bevölkerung daran gemessen werden.“  (han/vvm)


Öffentlicher Vortrag und Buchvorstellung „Religion und Spiritualität in der Ich-Gesellschaft. Vier Gestalten des (Un-)Glaubens“, 4. Februar 2015, 16:15 Uhr
Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters
Raum JO 101
Johannisstraße 4
48143 Münster

Hinweis: Stolz, Jörg/ Könemann, Judith/ Schneuwly Purdie, Mallory/ Englberger, Thomas/ Krüggeler, Michael: Religion und Spiritualität in der Ich-Gesellschaft. Vier Gestalten des (Un-)Glaubens (Beiträge zur Pastoralsoziologie, Bd. 16, Zürich: Theologischer Verlag Zürich 2014, 281 Seiten, ISBN 978-3-290-20078-7, 32,30 Euro