Zivilreligion in den USA

Internationaler Workshop über zivilreligiöse Elemente in der US-Politik

Plakat des Workshops „Civil Religion in the United States“

Plakat

© Lipton sale, wikipedia

Das Konzept der Zivilreligion in den USA steht im Mittelpunkt eines internationalen Workshops des Exzellenzclusters. „In den USA ist Religion trotz der strikten Trennung von Staat und Kirche allgegenwärtig“, sagt Historikerin Prof. Dr. Heike Bungert. In Kooperation mit dem Centrum für Religion und Moderne (CRM) organisiert sie gemeinsam mit Historikerin Dr. des. Jana Weiß einen Workshop, der am 20. Juni im Graduate Center der Uni Münster stattfindet. Die Referenten spüren in ihren Beiträgen zivilreligiösen Elementen in der politischen Kultur der USA nach. Dabei loten sie die Grenzen und Möglichkeiten des analytischen Konzeptes der Zivilreligion aus.

Das theoretische Modell der Zivilreligion beschrieb erstmals der Soziologe Robert N. Bellah (1927-2013) in seinem 1967 veröffentlichten Essay „Civil Religion in America“. Im Anschluss an Bellah’s einflussreiche Schrift verstehen die Veranstalterinnen des Workshops Zivilreligion als fluides Konzept. „Es verfügt über ein religiöses ‚System‘ mit eigenem Symbolvorrat, das Sinn- und Letztbegründungsfragen der Nation in einen transzendenten diskursiven Ordnungsrahmen setzt“, so die Historikerinnen. Im Workshop werden die legitimierenden, gemeinschaftsstiftenden und kritisch-prophetischen Funktionen zivilreligiöser Elemente anhand vier exemplarischer Forschungsfelder untersucht. Dabei geht es zum einen um Rituale bei Jubiläen und Sportveranstaltungen. Ein weiterer Vortrag beschäftigt sich mit zivilreligiösen Einstellungen in Krisenzeiten am Beispiel des Irak-Krieges. Ebenso beleuchtet die Veranstaltung die Rolle der Zivilreligion für ethnische Gruppen wie die Lateinamerikaner und Indianer sowie für religiöse Gruppen wie die Evangelikalen und Atheisten. Der Workshop beginnt am 20. Juni um 8.45 Uhr im Seminarraum im Erdgeschoss des WWU Graduate Centers am Schlossplatz 6.

Zu den internationalen Referenten des Workshops zählen der Historiker Dr. Raymond Haberski von der amerikanischen Marian University und der Politikwissenschaftler Dr. Morten Brænder von der dänischen Aarhus Universitet. Prof. Dr. Heike Bungert leitet am Exzellenzcluster das Projekt C2-3 Transzendente Gemeinschaftsstiftung in einer multireligiösen Gesellschaft: Die USA 1945-2005. (exc/mit/bhe)

Workshop “Civil Religion in the United States”, 20. Juni 2014, 8.45 Uhr
WWU Graduate Center
Seminarraum im EG
Schlossplatz 6
48149 Münster

Programm

Freitag, 20. Juni 2014

08:45–09:00 Welcome/ Reception
09:00–10:30 Section I: Rituals
Civil Religion in U.S. National Anniversaries, 1957–1970 Heike Bungert (Münster)
Plural Visions for Plural Publics: Sport and Civil Religion in Contemporary America (and Beyond?) Anthony Santoro   (Heidelberg)
10:30–11:15 Section II: War
Sacrificial Ideology in Civil and Military Religion Morten Brænder (Aarhus)
11:45–13:15 Section III: Ethnic Groups
A Latino Civil Religion? Exploring the Use of Scriptural Arguments by Latino Evangelical Leaders in the U.S. Ulrike Stedtnitz (Münster)
A ‘National Day of Mourning’: Thanksgiving, Civil Religion, and Native Americans Jana Weiß (Münster)
15:00–16:30 Section IV: Religious Groups
Civil Religion and Atheism in the U.S. Petra Klug (Leipzig)
Worshipping Washington: Evangelical (Dis)Enchantment with Civil Religion Anja-Maria Bassimir (Mainz)
17:00–18:30 Keynote Address: Robert Bellah’s Lament: The Struggle to Define Civil Religion in Theory and Practice Raymond Haberski (Indianapolis)