Das „zweite Rom“

Byzantinist Prof. Makris zur religiösen und kulturellen Ausstrahlung Konstantinopels

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Prof. Dr. Georgios Makris

© bhe

Über die religiöse und kulturelle Ausstrahlung der spätantiken Kaiserstadt Konstantinopel hat Byzantinist Prof. Dr. Georgios Makris von der WWU in der öffentlichen Ringvorlesung „Heilige Orte“ gesprochen. Der Vortrag mit dem Titel „Byzanz – Konstantinopel – Istanbul“  zeigte die wechselhafte Geschichte der Hagia Sophia und Zäsuren in der Entwicklung der Stadt, etwa die Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204 durch den 4. Kreuzzug und die osmanische Eroberung im Jahr 1453.

„Konstantin der Große bestimmte als Alleinherrscher im Jahr 324 nach Christus die Stadt Byzantion am südwestlichen Ausgang des Bosporos zum neuen Zentrum des Römischen Reichs“, so Prof. Makris. „Konstantinopel, oft als das zweite oder neue Rom bezeichnet, war geboren.“ Damit habe Konstantin einen Plan vollzogen, den bereits Pompeius, Caesar und Marcus Antonius im 1. Jahrhundert vor Christus gefasst hätten, nämlich das Reichszentrum in den Osten zu verlegen.

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Kuppel der Hagia Sophia

© G. Makris

„Ihre strategische und wirtschaftliche Bedeutung erlangte die Stadt jedoch erst durch Konstantin“, sagte der Wissenschaftler. Eine gewaltige Bautätigkeit seitens Konstantins und seiner Nachfolger machte die Neugründung dem Byzantinisten zufolge bald zu einer „wahren Kaiserstadt“ mit zunehmend sakralem Charakter, der ihr auch das Prädikat „Neues Jerusalem“ einbrachte. Der Bau der „Großen Kirche“, der Hagia Sophia, durch Kaiser Justinian (527-565) sei dabei ein Höhepunkt gewesen. Der Sakralbau diente seit der osmanischen Eroberung 1453 als Moschee und beherbergt seit 1934 ein Museum.

Prof. Dr. Georgios Makris lehrt Neugriechische und Byzantinische Philologie am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der WWU Münster. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der spätbyzantinischen Zeit, die Hagiographica und die volkssprachliche Literatur der spät- und postbyzantinischen Zeit.

Ringvorlesung „Heilige Orte“

Plakat der Ringvorlesung

Plakat der Ringvorlesung

© Klearchos Kapoutsis

In der Ringvorlesung „Heilige Orte“ untersuchen namhafte Forscher im Wintersemester die historischen Ursprünge und Wandlungen religiöser Stätten wie Delphi, Jerusalem, Medina, Rom und Byzanz. Die Reihe geht auch den politischen und wirtschaftlichen Interessen sowie den Erinnerungskulturen nach, die sich mit den antiken Orten bis heute verbinden. Heilige Stätten entstanden oft an markanten Stellen in der Natur, an Quellen, auf Bergen oder in der Wüste. Religiöse Gemeinschaften verknüpften damit mythische Erzählungen und magische Rituale. Die Vorträge, die auch den Totenkult der Pharaonen, entlegene Orte von Mönchen und Einsiedlern und die ältesten Heiligtümer der Menschheit wie das Bergheiligtum Göbekli Tepe behandeln, eröffnen verschiedene Perspektiven auf die Religionsgeschichte der Menschheit. Zu Wort kommen Vertreter unterschiedlicher Fächer wie der Altorientalistik, Ur- und Frühgeschichte, Ägyptologie, Alten Geschichte, Klassischen Archäologie und Philologie, Bibelwissenschaften und Byzantinistik sowie Religions- und Islamwissenschaften.

Die Vorträge sind dienstags von 18.15 bis 19.45 Uhr im Hörsaal F1 des Fürstenberghauses am Domplatz 20-22 in Münster zu hören. Den nächsten Vortrag am 21. Januar hält Religionswissenschaftler Prof. Dr. Hans G. Kippenberg aus Bremen zum Thema „Heilige Orte der Antike in der Gegenwart“. (bhe/vvm)

Wintersemester 2013/2014
dienstags 18.15 bis 19.45 Uhr
Hörsaal F1 im Fürstenberghaus
Domplatz 20-22
48143 Münster