Podium über islamische Theologie

Experten warnen vor zu hohen Erwartungen an das neue Hochschulfach

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Vertreter aus Politik und Wissenschaft diskutierten beim Orientalistentag über islamische Theologie.

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Über islamische Theologie als neue Hochschul-Disziplin in Deutschland haben Vertreter aus Politik und Wissenschaft in Münster beim Deutschen Orientalistentag diskutiert. Der Evangelische Nachrichtendienst (epd) berichtete über die Debatte. Es folgt der Originalbericht.

Von Andreas Gorzewski, epd

Auf dem Podium warnte der muslimische Religionspädagoge Mouhanad Khorchide vor zu hohen Erwartungen an das Studienfach. Öffentlichkeit und muslimische Gemeinschaften stellten unterschiedliche Anforderungen. So verlangten Politik und Medien laufend Stellungnahmen zu islamischen Themen, obwohl die Studienzentren „noch in der Selbstfindungsphase“ seien, sagte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster. Dort diskutierten seit Montag etwa 1.300 Orientforscher aus aller Welt über neue Entwicklungen und Forschungen. Veranstalter des alle drei bis fünf Jahre stattfindenden Kongresses war die Deutsche Morgenländische Gesellschaft.

Khorchide äußerte sich optimistisch über die Zukunftsaussichten des Fachs islamische Theologie. Für das bevorstehende Studienjahr hätten sich in Münster bislang 700 Interessenten beworben. Rolf Geserick vom Bundesforschungsministerium mahnte, die Arbeit der neuen Studienzentren nach zwei Jahren noch nicht „letztinstanzlich“ zu bewerten. Es gebe beim Aufbau der akademischen Studiengänge Stolpersteine und je nach Standort andere Voraussetzungen.

Der Bund fördert die Etablierung von vier Einzel- und Doppelstandorten für islamische Theologie in Tübingen, Münster-Osnabrück, Frankfurt am Main-Gießen und Nürnberg-Erlangen. Der Frankfurter Professor Mark Chalil Bodenstein betonte, die Berufsaussichten seien für viele Absolventen der neuen Studiengänge noch unklar. Bislang bilde noch keine Hochschule Imame aus. „Da müssen sich die Moscheevereine einfallen lassen, wie sie Imame ausbilden wollen und sagen, was die Hochschulen beitragen können“, sagte der akademische Leiter für Islamische Studien in Frankfurt. Deshalb biete sich neben einer Arbeit in der Forschung nur die Ausbildung zum Religionslehrer an.

Kritik an der Einflussmöglichkeit einiger Beiräte für islamische Studien auf die neuen Studiengänge äußerte die muslimische Theologin und Religionspädagogin Rabeya Müller. Sie bemängelte, dass mancherorts von Studenten ein Nachweis über rechte Lebensführung und über regelmäßige Moscheebesuche verlangt werde. Die Lehrstühle sollten sich gegen eine Bevormundung ihrer Studenten wenden, forderte Müller, die selbst dem Beirat für Islamische Studien an der Universität Nürnberg-Erlangen angehört. Je nach Universität hätten diese Beiräte unterschiedlichen Einfluss. Die derzeitige Entwicklung der neuen Fächer hat laut Müller langfristige Konsequenzen. „Das ist richtungsweisend, wie sich der Islam in den nächsten 50 Jahren in der Bundesrepublik entwickeln wird“, betonte die Religionspädagogin.

Die Berufung von Professoren und die Erstellung von Lehrplänen ist in der Theologie allgemein von der Zustimmung der jeweiligen Religionsgemeinschaften abhängig. Da die Anerkennung islamischer Organisationen als Religionsgemeinschaft in den meisten Bundesländern noch fehlt, sollen Beiräte vorerst diese Funktion übernehmen. In diesen Beiräten sitzen Vertreter islamischer Verbände. In einer anderen Diskussionsrunde des Orientalistentages wies die Islamwissenschaftlerin Monika Zbidi darauf hin, dass sich unter Muslimen in Europa und Nordamerika seit einigen Jahren ein religiös begründetes Umweltbewusstsein entwickle. „Die islamische Umweltbewegung befindet sich noch an ihrem Anfang“, sagte die Erlanger Forscherin am Donnerstagabend. Noch sei dies eine Nischenbewegung, aber im Internet und in sozialen Netzwerken werde massiv dafür geworben. „Ein guter Muslim ist ein Öko-Muslim“, zitierte Zbidi aus einer Kampagne im Internet.

Mit freundlicher Genehmigung des Evangelischen Pressedienstes (epd).