Religiöse Neutralität und Geschlechterordnung

Jurist Bijan Fateh-Moghadam spricht in der Ringvorlesung über Burka-Verbote

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Dr. Bijan Fateh-Moghadam

© Julia Holtkötter

Über die Bedeutung europäischer „Burka-Verbote" für die Grundsätze säkularer Demokratien spricht der Rechtswissenschaftler Dr. Bijan Fateh-Moghadam am Dienstag, 7. Februar, in der Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Uni Münster. Er wird Argumente analysieren, die für das Verbot der Vollverschleierung im öffentlichen Raum vorgebracht werden. So werde etwa in paternalistischer Weise von einer „Befreiung der islamischen Frau“ gesprochen. Der Rechtssoziologe analysiert in seinem Vortrag Veränderungen im Verhältnis von Religion und Recht und fragt, ob nach den Anschlägen am 11. September 2001 Grundsätze säkularer Demokratien wie Religionsfreiheit und staatliche Neutralität ins Wanken geraten sind.

Der öffentliche Vortrag trägt den Titel „Religiöse Neutralität und Geschlechterordnung – Europäische Burka-Verbote zwischen Gender-Mainstreaming und Rechtspaternalismus“. Er ist um 18.15 Uhr im Hörsaal F2 des Fürstenberghauses am Domplatz 20-22 in Münster zu hören.

In Frankreich und Belgien ist es seit dem vergangenen Jahr gesetzlich untersagt, sich mit einem Gesichtsschleier wie Burka oder Niqab an öffentlichen Orten aufzuhalten. Zuwiderhandlungen können mit Geldbußen, in Belgien sogar mit bis zu sieben Tagen Freiheitsstrafe geahndet werden. In den Niederlanden hat die Regierung auf Initiative des Vorsitzenden der rechtspopulistischen Freiheitspartei (PVV), Geert Wilders, im Herbst 2011 ein „Burka-Verbot“ beschlossen, das im Laufe dieses Jahres im Parlament verabschiedet werden soll.

Rechtswissenschaftler Fateh-Moghadam forscht am Exzellenzcluster im Projekt A3 „Normenbegründung im pluralistischen Staat“. Mit seinem Vortrag endet die Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“. Sie befasste sich im Wintersemester 2011/2012 unter dem Titel „Als Mann und Frau schuf er sie“ mit dem Verhältnis von Religion und Geschlecht. Aus der Sicht verschiedener Fächer und Epochen ging sie der Frage nach, wie Religionen die Geschlechterordnung beeinflussten. Zu Wort kamen Historiker, Soziologen, Theologen, Juristen, Ethnologen und Literaturwissenschaftler. (ska/vvm)


Ringvorlesung „,Als Mann und Frau schuf er sie.‘ Religion und Geschlecht“

Wintersemester 2011/2012
dienstags 18.15 bis 19.45 Uhr
Hörsaal F2 im Fürstenberghaus
Domplatz 20-22
48143 Münster