„Keine präzisen Ergebnisse zur Religion zu erwarten“

Ein religionssoziologischer Kommentar zur Volkszählung 2011

Gastbeitrag-nils-friedrichs

Nils Friedrichs

© Julia Holtkötter

Die aktuelle Volkszählung wird nach Aussage des Religionssoziologen Nils Friedrichs keine präzisen Ergebnisse zur religiösen Landschaft in Deutschland bringen. Weil der Fragebogen nicht deutlich zwischen Religion und Weltanschauung trenne, würden die Ergebnisse verzerrt, schreibt Friedrichs in einem Beitrag für die Website www.religion-und-politik.de des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). „Die Verfasser des Zensus übersehen auch, dass die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft eine andere Qualität besitzt als ein religiöses Bekenntnis. Wer einer Glaubensgemeinschaft angehört, muss sich nicht zwangsläufig auch zu ihr bekennen.“

Der Beitrag:

Anfuehrungszeichen

 

Mehr als 80.000 Interviewer klingeln seit Anfang Mai an deutschen Haustüren und verteilen Fragebögen an rund 26 Millionen Menschen. Die erste Volkszählung seit 1987 fragt auch nach der Religion beziehungsweise Weltanschauung der Bürger. Im Gegensatz zu den vergangenen Volkszählungen wird die Religion im Jahr 2011 jedoch nicht allein über die Frage nach der formalen religiösen Zugehörigkeit erhoben: Zunächst geben alle Befragten bei Frage 7 des Bogens ihren offiziellen Mitgliedschaftsstatus an: Sie kreuzen zum Beispiel römisch-katholische, evangelische Kirche, evangelische Freikirchen, Orthodoxe Kirchen oder Jüdische Gemeinden an und springen danach zu Frage 9. Nur wer sein Kreuz hinter die Antwort „Keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft“ setzt, wird zu Frage 8 weitergeleitet: „Zu welcher der folgenden Religionen, Glaubensrichtungen oder Weltanschauungen bekennen Sie sich?“ Die Beantwortung dieser Bekenntnisfrage ist freiwillig.

Einen solchen Filter verwenden Statistiker gewöhnlich dann, wenn sie einen Aspekt näher untersuchen wollen, der eigentlich nur bei einer spezifischen Gruppe erfragt werden kann. Das Bundesamt für Statistik will mit der Bekenntnisfrage also mehr über die religiöse Zugehörigkeit derjenigen erfahren, die keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft angehören. Es erhofft sich verlässliche Daten zu den Befragten, deren Religionsgemeinschaft nicht den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts besitzt. Frage 8 bietet deshalb auch als Antwortmöglichkeiten neben dem Christen- und Judentum verschiedene Ausrichtungen des Islams sowie Buddhismus und Hinduismus an sowie „sonstige“ oder „keine“ Religion, Glaubensrichtung oder Weltanschauung an.

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