Papstpilger (Foto: Marino Barbato)
Mariano Barbato im Gespräch mit Benedikt XVI.

Projekt 'Die Legionen des Papstes. Eine Fallstudie sozialer und politischer Transformation'

Wie viele Legionen hat der Papst?" Potenziert durch die Medien erzeugen Pilgerströme nach Rom und zum selbst pilgernden Papst die soziologische Grundlage für den politischen Wiederaufstieg des Heiligen Stuhls. Der Politikwissenschaftler Mariano Barbato analysiert in seiner Fallstudie anhand von Papstpilgern und Pilgerpäpsten transnationale Identitätskonstruktionen und politische Handlungsfähigkeit in den Transformationen der (post)säkularen Moderne analysieren.

Pilgern ist eine soziale Praxis, die Gläubige sichtbar werden lässt und die Umwandlung geistlicher in politische Macht ermöglicht: die Pilger sind die sichtbar paradierenden Legionen des Papstes. Pilgerschaft ist eine besondere Parade, weil es eine Identitätskonstruktion auf der Basis von Erfahrung, Diskurs und Vorstellung erlaubt. 'Die Legionen des Papstes' zeigt wie eine religiöse Form der Pilgerschaft durch das Papsttum erfunden wurde, um eine neue Vorstellung gläubiger Gemeinschaft zu schaffen. Durch die Erfahrung der Pilgerschaft und die Narrative, die für wahr gehalten und während und nach einer solchen Pilgererfahrung interpretiert und vermittelt werden, wird die Identität von Individuen und Gemeinschaften stabilisiert und gestärkt und kann wieder- oder neuerfunden werden. Potenziert durch die Medien erzeugen Pilgerströme nach Rom und zum selbst pilgernden Papst die soziologische Grundlage für den politischen Wiederaufstieg des Heiligen Stuhls in der Weltpolitik.

Die Fallstudie im Feld der Politischen Soziologie der Internationalen Beziehungen analysiert an den Pilgerlegionen des Papstes transnationale Identitätskonstruktionen und politische Handlungsfähigkeit in den Transformationen der (post)säkularen Moderne. Das Projekt folgt dabei einer konstruktivistischen Agenda und geht davon aus, dass Handlungsfähigkeit, Praxis und Identität zentrale Transformationsfaktoren darstellen. Die Rolle der Religion ist eingebettet in das breitere Thema politischer Zugehörigkeit und der Frage, wie eine soziale Praxis Ideen in Macht verwandeln kann. Die Rolle einer religiösen Gemeinschaft in einer säkularen Umgebung, hier des Papsttums in Europa, dient als kritischer Testfall für Akteursqualität und Handlungsfähigkeit. Pilgerpäpste (Päpste, die die Welt bereisen) und Papstpilger (die Besuchermassen beim Papst in Rom oder auf seinen Reisen) werden analysiert, um zu zeigen wie Massenmobilisierung zum Wiederaufstieg einer ehemaligen Großmacht als transnationaler Akteur in einer post-nationalen Gesellschaft beitragen kann. Die Ergebnisse beleuchten Transformationen von Ordnungsstrukturen und die Frage nach der Handlungsfähigkeit in diesen Transformationen. 'Die Legionen des Papstes' untersucht wie Pilger die öffentliche und politische Beständigkeit einer religiösen Gemeinschaft im Prozess der Modernisierung sichern und wie sie öffentliche Diskurse und politische Entscheidungen beeinflussen können.

PD Dr. Mariano Barbato hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München Politikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte sowie Philosophie studiert und dort auch promoviert. Er war DFG-Postdoc in Bamberg und Max Weber Fellow am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Nach seiner Habilitation an der Universität Passau war er unter anderem DAAD-Langzeitdozent an der Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj-Napoca (Rumänien) und Gründungsdirektor des dortigen Zentrums für Europawissenschaften und Internationale Beziehungen (ZEWI). Er ist Privatdozent an der Universität Passau. Im Juli 2015 wurde ihm von der DFG ein Heisenbergstipendium zur Bearbeitung seines Projekts 'Die Legionen des Papstes' am Centrum für Religion und Moderne der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bewilligt.

Johannes Löffler hat an der Universität Leipzig Sozialwissenschaften und Philosophie (B.A.) sowie Politikwissenschaft (M.A.) studiert. Als Hilfskraft am Geisteswissenschaftlichen Zentrum (GWZ) der Universität Leipzig war er als Übungsleiter für den Bachelor-Studiengang Politikwissenschaft verantwortlich und begleitete unter anderem das universitäre Forschungsprojekt 'Lost in Translation', dessen Ergebnisse er in Form seiner Abschlussarbeit verschriftlichte. Seit August 2016 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centrum für Religion und Moderne (CRM) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster für das DFG-Projekt 'Die Legionen des Papstes' tätig.