Liturgische Chöre, politische Kollektive. Interdisziplinäre Perspektiven auf den Chor als affektive Gemeinschaft

Tagung am Germanistischen Institut / Interessierte herzlich willkommen

In der gegenwärtigen Chor-Forschung besteht Einigkeit darüber, dass mit der dramatis persona über die Ermöglichungsbedingungen einer Gemeinschaft zu reflektieren ist. Die Polis-Verfassung im Griechenland des 5. Jh. v. Chr. beruht auf einer groß angelegten, im Ritus wurzelnden Chorkultur. Diese Perspektive lässt sich um eine bisher kaum berücksichtigte Linie erweitern: die Liturgie, deren fester Bestandteil der Gesangschor seit der Spätantike ist. Das griechische leitourgía, ‚Staats-, Dienstleistung’, sowohl als Dienst am Volk als auch als Dienst des Volks zu Ehren Gottes, setzt im Kern ein aktives, teilnehmendes Gemeinwesen voraus und gründet bzw. erneuert es gleichermaßen. Zur Diskussion steht die Frage, welchen konstitutiven Anteil das spezifisch Chorische an der Stiftung einer communitas hat: Ist ein Chor oder eine chorische Formation in besonderer Weise geeignet, Affekte zu evozieren und zu lenken? Welche kommunikativen Praktiken, medialen Inszenierungen, rhetorischen Strategien, musikalischen Figuren und räumlichen oder institutionellen Dispositionen sind dabei am Werk? Wie sind diese zu historisieren? Und inwiefern greifen sie dabei insbesondere auf liturgische Strukturen zurück?

Anliegen der Kurztagung ist es, diesen Aspekten aus den jeweiligen fachwissenschaftlichen Perspektiven Raum zu geben und in der gemeinsamen Diskussion interdisziplinär zu vernetzen.

Interessierte sind herzlich willkommen!

Weitere Infos zur Veranstaltung

Rubrik
Tagungen und Kongresse
Zeitraum
10.-11.10.2019
Reihe
Ort
Germanistisches Institut, Lesesaal der Institutsbibliothek, Schlossplatz 34, 48143 Münster
Eintritt
frei
Anmeldung
nicht erforderlich