Jan Drees
Jan Drees

Systeme als Strukturmerkmal im Prosawerk von Hartmut Lange

Hartmut Lange ist der vermutlich wichtigste deutschsprachige Novellist der Gegenwart. Früh erfolg-reich als Theaterautor und Dramaturg in der DDR der 60er Jahre und später in die BRD gezogen, hat er dort nach Theater- und Fernseharbeiten in den 70er Jahren die Wende vom Dramatiker zum Prosaisten vollzogen. Seitdem gehört Lange mit seinen seit Anfang der 1980er Jahre zahlreich veröffentlichten Novellen und Erzählungen zu den herausragenden Erzählern seiner Generation – von Kollegen hochgeschätzt, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und neuerdings auch im Feuilleton geradezu hymnisch besprochen. Dennoch ist Hartmut Lange ein Schriftsteller, der aus dem Verborgenen ins Verborgene hinein schreibt: sein erzählerisch komplexes und philosophisch tiefgründiges Werk wird sowohl in der breiteren Öffentlichkeit als auch in der Wissenschaft überraschend wenig beachtet. Dass bis heute keine einzige Monographie zu Langes Erzählwerk vorliegt, legt ein erstaunliches Desiderat gegenwärtiger Novellenforschung in der Germanistik offen. Dies mag auch daran liegen, dass Langes Erzählungen um alltägliche Katastrophen der Unauffälligkeit scheinbar ganz leicht erzählt sind und nahezu unbemerkbar auf die Abgründe des Alltags, des Lebens und der Dichtung zusteuern. Zur Komplexität von Langes Erzählkunst gehört zudem ihr immer wieder nur hintergründig aufscheinendes Netzwerk vielfältiger Bezüge, die neben der Referenz auf Ovid, Blaise Pascal, Hegel, Schopenhauer, Marx, Nietzsche und Heidegger stilistisch etwa auf Heinrich von Kleist, auf Franz Kafka und auf Thomas Mann verweisen. Das grundierende Weltbild in Langes Erzählwerk, anfangs auf Hegels Geschichtsdialektik, auf Sozialismus und Marxismus bauend, hat sich in der Werkentwicklung dabei radikal gewandelt und ist einer melancholischen, massenkritischen Haltung gewichen. Zentrales Motiv seiner Literatur ist das Dasein als Sein zum Tode – mit allen dahingehenden (ontologischen) Konsequenzen. Schrecken, Furcht und Angst denkt Lange in seiner Literatur, aber auch in seinen philosophischen Beiträgen heute vor allem in Bezug zu Blaise Pascal, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche und Martin Heidegger. Meine Studie wird mit den Mitteln von Luhmanns Systemtheorie das gesamte Prosawerk Hartmut Langes untersuchen, und im Speziellen eingehen auf Themen wie: „ Angst, Furcht, Schrecken: Philosophische Systeme als autopoietisches Prinzip“, „Langes Literatur als Beobachtung der Gesellschaft“ oder auch „Langes Schreiben im esoterischen Adyton“.

Fach: Germanistik
Betreuer: Prof. Dr. Andreas Blödorn, Prof. Dr. Moritz Baßler, Prof. Dr. Günter Blamberger

Kontakt

Weitere Informationen: www.jandrees.de

  • Akademischer Werdegang

    2013 Lehrauftrag „Literaturkritik“ an der Universität Münster (WS)
    2013 Vortrag „Literaturkritik von Platon bis Poetry Genius“ an der Universität Köln (SS)
    2012 Lehrauftrag am Gymnasium Bayreuther Straße (Wuppertal) für ein Literatur-Film-Projekt der „Filmothek NRW“. Projektdauer: 80 Stunden (WS)
    2012 Beginn Promotionsstudium, Universität Münster
    2011 Lehrauftrag „Creative-Writing“ an der Universität Düsseldorf (SS)
    2011 „Gegenwartsliteratur“-Seminar an der Universität Wuppertal (WS)
    2009 Abschluss Magisterarbeit Germanistik in Düsseldorf bei Prof. Dr. Peter Matussek mit einer
    systemtheoretischen Analyse von Rainald Goetz‘ „Irre“ (summa cum laude)
    2008 Radio-Sprecherschulung des WDR
    2007 Vortrag „Popliteratur seit 1996“ an der Universität Växjö/Schweden (WS)
    2007 Vortrag „Wuppertal in der Literatur“ beim Katholischen Bildungswerk Wuppertal (WS)
    2004 Begabtenzugang in Düsseldorf: Germanistik, Kommunikations- und Medienwissenschaft
    2002 Seminare an der Berliner Journalistenschule und an der Henri-Nannen-Schule
    2001 - 2002 BBDO-Redakteurs- und Pressesprecherausbildung in Düsseldorf
    Mitgliedschaften

    Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft, Lübeck

    Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, Wuppertal

  • Publikationen (Auswahl)

    2013 „Teneriffa“ (Erzählung), Berlin, SuKuLTuR
    2013 „Filmische Raumkonstruktionen als binärer Code in deutschsprachiger Gegenwartsliteratur der Nuller-Jahre“ (Aufsatz) In: Kargl, Elisabeth (Hg.) Nantes, Germanica #53
    2012 „Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler: Mit der Untergrundbahn zum Himmel“ (Aufsatz) In: Barth, J. / Neumann, S.(Hgg.): "Auf meines Herzens Bühne - 100 Jahre Else Lasker- Schülers Schauspiel Die Wupper“, S.179-188.
    2010 „Rainald Goetz - Irre als System“ (Monographie), Wien, Arco Verlag.
    2011 „Kassettendeck - Soundtrack einer Generation“ (Sachbuch), Frankfurt, Eichborn
    2007 „Staring at the Sun“ (Remix-Version), Frankfurt, Eichborn
    2006 „Letzte Tage, jetzt“ (Roman + Hörbuch) Frankfurt, Eichborn

  • Journalistische Tätigkeiten

    2013 Literaturkolumnist/-rezensent auf jetzt.de/Süddeutsche Zeitung
    seit 2011 Freier Literatur-Musik-Rezensent: raveline bzw. FAZE
    seit 2009 Freier Autor Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, WamS (Feuilleton)
    2007 - 2013 PR-Autor: Schwerpunktartikel zum Thema Literatur / Kultur im "Change"-Magazin der Bertelsmann-Stiftung
    seit 2007 Freier Autor bei WDR 1LIVE, WDR 3, WDR 5, Funkhaus Europa, Schwerpunkt Literatur
    2005 - 2008 Freier Rezensent „Magazin Bücher“
    2002 - 2007 Freier Journalist für die Westdeutsche Zeitung (Theater, Literatur, Jazz, Clubleben)
    2001 Projektberater PetersenNaumannFilm in Hamburg
    2000 Texter n.a.s.a.2.0 in Hamburg
    1995 - 2000 Freier Journalist für die Westdeutsche Zeitung (Lokalsport)