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© WWU - Daniel Bonaventura

Physiker der Universität Münster an internationalem Beschleunigerzentrum FAIR beteiligt

Die nordrhein-westfälische Landesregierung unterstützt den Forschungsverbund NRW-FAIR mit rund 16,5 Millionen Euro für vier Jahre. Das Netzwerk von Teilchenphysikerinnen und -physikern gestaltet die Arbeit am „Facility for Antiproton and Ion Research“ (FAIR) in Darmstadt maßgeblich mit und bereitet zwei Großexperimente an dieser neuen Teilchenbeschleunigeranlage vor, die 2026 an den Start gehen soll. Die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster ist einer von fünf geförderten Standorten des Netzwerks.

In Darmstadt entsteht zurzeit eines der weltweit größten Forschungsvorhaben: das internationale Beschleunigerzentrum FAIR. Mit FAIR wird Materie im Labor erzeugt und erforscht, die sonst nur im Universum vorkommt. Auf diese Weise wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblicke in den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums erhalten. An dem Projekt sind die Professoren Dr. Anton Andronic, Dr. Alfons Khoukaz und Dr. Christian Klein-Bösing vom Institut für Kernphysik der WWU sowie Prof. Dr. Jochen Heitger vom Institut für Theoretische Physik beteiligt. Sie befassen sich mit der Frage, wie sich die elementaren Bausteine der Materie – die Quarks – zu den Bestandteilen von Atomkernen zusammensetzen oder exotische Teilchen bilden. Außerdem untersuchen sie die Eigenschaften von extrem dichter Materie, wie sie in den Kernen von Neutronensternen vorkommt. Die münsterschen Wissenschaftler erwarten insgesamt rund 2,3 Millionen Euro von der Landesregierung.

© D.Bonaventura/IKP

Prof. Olness (Dallas, USA) verbringt Forschungssemester am ITP

Von Februar bis April 2022 hat das Institut für Theoretische Physik der Universität Münster die Ehre, den renommierten Professor Frederick Olness von der Southern Methodist University in Dallas, Texas, für ein Forschungssemester zu empfangen. Prof. Olness ist theoretischer Teilchenphysiker und einer der führenden Experten für die Struktur von Protonen und Kernen. Am 7. April wird er im ersten Fachbereichskolloquium des Sommersemesters seine Forschungen vorstellen, die er in Zusammenarbeit mit seinen Münsteraner Kollegen durchgeführt hat. Zusammen mit der Gruppe von Prof. Klasen und anderen Mitgliedern der nCTEQ-Kollaboration entwickelt er eine neue Reihe von Partonverteilungsfunktionen in Atomkernen, die auf der Fülle von Präzisionsdaten der JLab-, RHIC- und LHC-Experimente basieren.
 

Das ungleichmäßige Universum
© NASA's Goddard Space Flight Center

Das ungleichmäßige Universum

Forscher untersuchen kosmische Expansion mit Methoden aus der Physik von Vielteilchensystemen / Veröffentlichung in "Physical Review Letters"

In kosmologischen Rechnungen wird fast immer angenommen, dass die Materie im Universum gleichmäßig verteilt ist. Das liegt daran, dass die Berechnungen zu kompliziert würden, würde man die Position jedes einzelnen Sterns einbauen. In Wirklichkeit ist das Universum nicht gleichmäßig. An manchen Stellen befinden sich Sterne und Planeten, an anderen herrscht Leere. Die Physiker Michael te Vrugt und Prof. Dr. Raphael Wittkowski vom Institut für Theoretische Physik und vom Center for Soft Nanoscience (SoN) der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster haben jetzt mit der Physikerin Dr. Sabine Hossenfelder vom Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) ein neues Modell für dieses Problem entwickelt. Ausgangspunkt ist der Mori-Zwanzig-Formalismus, eine Methode zur Beschreibung von Systemen aus sehr vielen Teilchen mit einer kleinen Anzahl von Messgrößen. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Physical Review Letters veröffentlicht.

Zum Hintergrund: Die von Albert Einstein entwickelte Allgemeine Relativitätstheorie (ART) ist eine der erfolgreichsten Theorien der modernen Physik. Zwei der letzten fünf Physiknobelpreise betrafen dieses Gebiet: 2017 für die Messung von Gravitationswellen, 2020 für die Entdeckung eines schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße. Eine der wichtigsten Anwendungen der ART ist die Beschreibung der kosmischen Expansion, also der Ausdehnung des Universums seit dem Urknall. Die Geschwindigkeit dieser Ausdehnung wird von der Menge an Energie im Universum bestimmt. Neben der sichtbaren Materie spielen hier – zumindest gemäß dem aktuell in der Kosmologie verwendeten „Lambda-CDM-Modell“ – vor allem die dunkle Materie und dunkle Energie eine Rolle.

„Streng genommen, ist es mathematisch falsch, den Mittelwert der Energiedichte des Universums in die Gleichungen der ART einzusetzen“, betont Sabine Hossenfelder. Die Frage ist nun, wie „schlimm“ dieser Fehler ist. Manche Experten halten ihn für irrelevant, andere sehen darin die Lösung für das Rätsel der dunklen Energie, deren physikalische Natur bislang unbekannt ist. Eine ungleichmäßige Verteilung der Masse im Universum kann sich auf die kosmische Expansionsgeschwindigkeit auswirken.

„Der Mori-Zwanzig-Formalismus wird bereits in sehr vielen Forschungsgebieten von der Biophysik bis zur Teilchenphysik erfolgreich eingesetzt, daher bot er auch für dieses astrophysikalische Problem einen vielversprechenden Ansatz“, erklärt Raphael Wittkowski. Das Team verallgemeinerte diesen Formalismus, sodass er auf die ART angewendet werden konnte, und leitete so ein Modell für die kosmische Expansion unter Berücksichtigung kosmischer Ungleichmäßigkeiten her.

Das Modell macht eine konkrete Vorhersage für die Auswirkung dieser sogenannten Inhomogenitäten auf die Geschwindigkeit der Ausdehnung des Universums. Diese weicht leicht von der Vorhersage des Lambda-CDM-Modells ab und bietet daher eine Möglichkeit, das neue Modell experimentell zu testen. „Aktuell sind die astronomischen Daten nicht genau genug, um diese Abweichung zu messen, aber die großen Fortschritte etwa bei der Messung von Gravitationswellen bieten Anlass zur Hoffnung, dass sich das ändert“, sagt Michael te Vrugt. „Außerdem lässt sich die neue Variante des Mori-Zwanzig-Formalismus auch auf andere astrophysikalische Probleme anwenden, die Arbeit ist also nicht nur für die Kosmologie relevant.“

 

Finanzierung

Michael te Vrugt wird durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Sabine Hossenfelder erhält finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, HO 2601/8-1). Die Arbeitsgruppe Wittkowski wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, WI 4170/3-1) finanziert.

Originalpublikation

M. te Vrugt, S. Hossenfelder, R. Wittkowski (2021). Mori-Zwanzig formalism for general relativity: a new approach to the averaging problem. Physical Review Letters 127, 231101. DOI: 10.1103/PhysRevLett.127.231101

20.07.2021
Millionenförderung für Physiker der Universität Münster
© WWU

Millionenförderung für Physiker der Universität Münster

Wissenschaftler der Kern- und Teilchenphysik erhalten 3,3 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung

Wissenschaftler der Institute für Kernphysik und für Theoretische Physik an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster erhalten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Förderung in Höhe von 3,3 Millionen Euro. Damit unterstützt das Ministerium in den kommenden drei Jahren verschiedene Arbeiten zur Erforschung der Grundbausteine der Materie und des Universums, die die Forscherteams in Großprojekten an Teilchenbeschleunigern durchführen.

Wissenschaftler der beteiligten Gruppen bereiten Experimente für die neue Großforschungseinrichtung „FAIR“ (Facility for Antiproton and Ion Research) vor, wo zukünftig auch Experimente mit Antimateriestrahlen durchgeführt werden. Am Europäischen Forschungszentrum CERN in Genf experimentieren Wissenschaftler am dortigen Teilchenbeschleuniger „Large Hadron Collider“ (LHC). Hierfür werden an der WWU theoretische Vorhersagen für neue Teilchen und Präzisionsrechnungen durchgeführt.

Die münsterschen Physiker hatten für ihre Forschung der vergangenen zweieinhalb Jahre bereits 2,2 Millionen Euro vom BMBF erhalten. Die Zuwendung für die einzelnen Projekte wurde nun in der aktuellen Förderphase erhöht. Außerdem beinhaltet die aktuelle Förderung im Rahmen des „Aktionsplan ErUM-Pro“ ein zusätzliches Projekt. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen über den Austausch mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Einblicke in Forschungsthemen der Physik zu geben. So möchten die Münsteraner das Interesse für die Wissenschaft fördern und Nachwuchs für die Grundlagenforschung an Großgeräten gewinnen.

Mit „ErUM-Pro“ fördert das BMBF die Vernetzung von Hochschulen mit innovativen Großgeräten, an denen Deutschland beteiligt ist. Es unterstützt beispielsweise Projekte mit Teleskopen, Röntgenlasern und Teilchenbeschleunigen. Das BMBF bindet die Hochschulen zudem in die Weiterentwicklung der Forschungsinfrastrukturen ein, um neue Ideen, Technologien und Anwendungen zu fördern.

Infineon Thomas Seidel
© privat

Herausragende Masterarbeit am Fachbereich Physik ausgezeichnet

"Infineon-Master-Award 2021" geht an Thomas Seidel

Für seine herausragende Masterarbeit zur nichtlinearen Laserdynamik hat Thomas Seidel den mit 1.500 Euro dotierten „Infineon-Master-Award“ erhalten, den der Fachbereich Physik der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster jährlich mit der Infineon Technologies AG verleiht. „Seine Resultate gehen weit über den Rahmen einer Masterarbeit hinaus“, betont Dr. Svetlana Gurevich vom Institut für Theoretische Physik, in deren Arbeitsgruppe Thomas Seidel seine Masterarbeit anfertigte. „Die Arbeit ist wissenschaftlich originell und von sehr hoher Qualität, die Ergebnisse sind sowohl für theoretisch als auch experimentell arbeitende Gruppen auf dem Gebiet der nichtlinearen Laserphysik von großer Bedeutung.“

© WWU - Melissa Pernice / HHU - Christoph Kawan

Detektivarbeit in der theoretischen Physik - Forscher veröffentlichen Übersichtsartikel zur Physik wechselwirkender Teilchen

Wissenschaftliche Artikel in der Physik sind meistens sehr kurz und befassen sich in der Regel mit einem sehr eng begrenzten Thema. Ein kürzlich von Physikern der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) veröffentlichter Artikel bildet eine bemerkenswerte Ausnahme: Er hat eine Länge von 127 Seiten, zitiert insgesamt 1075 Quellen und behandelt von Biophysik bis Quantenmechanik ein breites Spektrum von Teilgebieten der Physik.

Bei dem Artikel, den die Physiker Michael te Vrugt und Prof. Dr. Raphael Wittkowski vom Institut für Theoretische Physik und Center for Soft Nanoscience der Universität Münster gemeinsam mit Prof. Dr. Hartmut Löwen vom Institut für Theoretische Physik II der Universität Düsseldorf verfasst haben, handelt es sich um einen Übersichtsartikel. Das Ziel von solchen auch als Review-Artikel bezeichneten Arbeiten ist es, eine Einführung in ein bestimmtes Themengebiet zu geben und den aktuellen Forschungsstand in diesem Bereich für andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenzufassen und zu bewerten. „In unserem Fall handelt es sich um eine in sehr vielen Bereichen eingesetzte Theorie – die sogenannte dynamische Dichtefunktionaltheorie (DDFT). Da wir alle Aspekte des Themas behandeln, wurde der Artikel sehr lang und vielfältig“, erklärt Letztautor Raphael Wittkowski.

Sfb Isoquant
© WWU/ITP

Teilchenphysiker der WWU an Sonderforschungsbereich ISOQUANT beteiligt

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt den Münsteraner Teilchenphysikern Prof. Dr. Anton Andronic, Prof. Dr. Michael Klasen und PD Dr. Karol Kovarik für vier Jahre rund 300.000 Euro zur Beteiligung am Heidelberger SFB 1225 "Isolierte Quantensysteme und Universalität unter extremen Bedingungen". Extreme Bedingungen herrschen in vielen physikalischen Systemen, inbesondere bei Kollisionen schwerer Kerne am Large Hadron Collider (LHC) am CERN in Genf, wo ähnliche Temperaturen wie im frühen Universum beobachtet werden.

Die Wissenschaftler vom Institut für Theoretische Physik und Institut für Kernphysik wollen in diesem System ab 1. Juli 2020 mit Hilfe schwerer Quarks Phasenübergänge in der starken Wechselwirkung untersuchen. "Uns interessieren besonders der anfängliche Übergang von kalter Kernmaterie in das heiße Quark-Gluon-Plasma und das abschließende Ausfrieren der Quarks und Gluonen in Hadronen. Bindungszustände von Charm- und Bottom-Quarks können hierzu wichtige neue Informationen liefern", erklärt Prof. Dr. Michael Klasen, einer der Hauptantragsteller. "Hierzu hat der LHC schon viele präzise Daten erzeugt, die wir nun in globale theoretische Analysen einbauen wollen", ergänzt Pit Duwentäster, der zu diesem Thema seine Doktorarbeit schreiben wird.

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Ausbreitungen von Infektionskrankheiten verstehen

Infolge des weltweiten Ausbruchs der Krankheit COVID-19, verursacht durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit mit Hochdruck an der Erforschung von Infektionskrankheiten. Dies betrifft nicht nur Virologen, sondern auch Physiker, die mathematische Modelle zur Beschreibung der Ausbreitung von Epidemien entwickeln. Solche Modelle sind wichtig, um die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit zu testen – etwa Gesichtsmasken, Schließungen von öffentlichen Gebäuden und Geschäften, oder das bekannte "Social Distancing", also das Abstand halten zur Vermeidung von Ansteckungen. Oftmals dienen die Modelle als Grundlage für politische Entscheidungen und stärken die Legitimation ergriffener Maßnahmen.

Die Physiker Michael te Vrugt, Jens Bickmann und Prof. Dr. Raphael Wittkowski vom Institut für Theoretische Physik und Center for Soft Nanoscience der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) haben ein neues Modell zur Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten entwickelt. Die Arbeitsgruppe von Raphael Wittkowski beschäftigt sich mit Statistischer Physik, also der Beschreibung von Systemen, die aus sehr vielen Teilchen bestehen. Dabei nutzen die Physiker unter anderem "dynamische Dichtefunktionaltheorie" (DDFT), eine in den 1990er-Jahren entwickelte Methode, welche die Beschreibung von wechselwirkenden Teilchen ermöglicht.

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Herausragende Masterarbeit am Fachbereich Physik ausgezeichnet

Für seine herausragende Masterarbeit zur statistischen Physik von Nichtgleichgewichtssystemen erhält Michael te Vrugt den mit 1500 Euro dotierten „Infineon-Master-Award“, den der Fachbereich Physik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) mit der Infineon Technologies AG verleiht. „Die Arbeit ist eine exzellente wissenschaftliche Leistung“, sagt Prof. Dr. Raphael Wittkowski vom Institut für Theoretische Physik, in dessen Arbeitsgruppe die Masterarbeit angefertigt wurde. „In Umfang, Qualität und Erkenntnisgewinn ähnelt sie einer Doktorarbeit.“

„Die statistische Physik untersucht Systeme aus sehr vielen Teilchen, basierend auf deren mikroskopischen Eigenschaften“, erläutert Michael te Vrugt. Das Thema seiner Arbeit ist eine spezielle Methode der statistischen Physik, der so genannte Mori-Zwanzig-Formalismus. Aus der Masterarbeit sind bereits drei Publikationen hervorgegangen, von denen eine schon vor Abgabe der Masterarbeit in der Fachzeitschrift „Physical Review“ erschien. Michael te Vrugt präsentierte seine Ergebnisse auch auf der StatPhys in Buenos Aires (Argentinien), der weltweit wichtigsten Konferenz für statistische Physik. Der Preisträger setzt seine wissenschaftliche Laufbahn zurzeit mit einer Promotion am Institut für Theoretische Physik der WWU in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Raphael Wittkowski fort. Aktuell forscht er dort unter anderem zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Vier Millionen Euro Fördergelder für Teilchenphysiker der Universität Münster

Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt Ausbau von Graduiertenkolleg zur Doktorandenausbildung
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Dunkle Materie im Universum ist eines der rätselhaftesten Phänomene, dem Forscher weltweit auf die Spur kommen wollen. Als sich vor gut vier Jahren Experimentalphysiker und Theoretiker der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) hierfür im Graduiertenkolleg „Starke und schwache Wechselwirkung – von Hadronen zu Dunkler Materie“ zusammenschlossen, war das eine Premiere für Münster. Die Kooperation ist längst ein Erfolg und geht nun mit Fördergeldern von mehr als vier Millionen Euro in die Verlängerung: Am Montag, 11. November, erhielten die Wissenschaftler des Forschungsschwerpunkts Teilchenphysik offiziell grünes Licht von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das Programm weitere viereinhalb Jahre fortsetzen zu können.

„Das ist eine besondere Auszeichnung für unser ganzes Team“, betont der zukünftige Sprecher des Graduiertenkollegs, Prof. Dr. Michael Klasen vom Institut für Theoretische Physik. Besonders freut er sich, dass die DFG bei den begehrten Forschungsgeldern für die WWU-Wissenschaftler noch etwas drauflegt. „Dass wir in Zukunft sogar noch mehr Doktorandinnen und Doktoranden fördern können, ist eine sichtbare Anerkennung unserer bisherigen Arbeit.“ Die wurde in der ersten Phase von seinem Kollegen Prof. Dr. Christian Weinheimer vom Institut für Kernphysik geleitet. Auch bei ihm ist die Freude groß: „Unsere sehr gute Forschungsarbeit und die anspruchsvolle Doktorandenausbildung haben überzeugt“, erklärt er. „Eine inhaltliche Klammer des Graduiertenkollegs ist die Frage, wie unser Universum entstanden ist.“

Die WWU-Forscher haben hier vor allem jene Kräfte im Blick, die zwischen den kleinsten Bausteinen der Materie wirken. Dabei geht es auch um Hadronen, die auf subatomarer Ebene von der sogenannten starken Wechselwirkung zusammengehalten werden. In der ersten Förderperiode war auch noch der Rektor der WWU, Prof. Dr. Johannes Wessels, als Experimentalphysiker intensiv beteiligt. „Ich freue mich, dass die zukunftsweisende Kooperation von Theorie und Experiment durch die DFG weiter Zuspruch erfährt“, unterstreicht er. Insgesamt gibt es an der WWU derzeit fünf von der DFG geförderte Graduiertenkollegs.

In der Teilchenphysik sind die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen und der mehrwöchige Wechsel zwischen Theorie und Experiment Kernbestandteile des Ausbildungskonzepts. Daran beteiligen sich auch internationale Partnerorganisationen wie das europäische Kernforschungszentrum CERN in Genf, Universitäten in den USA und Frankreich sowie in der IT-Branche erfolgreiche Absolventen. Die internationale Strahlkraft des Graduiertenkollegs zeigt sich unter anderem darin, dass ehemalige Mitglieder inzwischen in Stanford, Peking oder Genua forschen.

Infineon-Promotionspreis 2019 geht an Sarah Trinschek

Physikerin untersuchte den Einfluss physikalischer Effekte auf die Ausbreitung von Bakterienkolonien
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Sarah Trinschek erhält für ihre Doktorarbeit an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) den mit 2.500 Euro dotierten Infineon-Promotionspreis 2019. Die Physikerin aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Uwe Thiele, Institut für Theoretische Physik, widmete sich in Zusammenarbeit mit Dr. Karin John von der französischen Université Grenoble-Alpes der Frage, wie physikalische Effekte das Wachstum und die Ausbreitung von Bakterienkolonien beeinflussen. Der Infineon-Promotionspreis wird jährlich vom Fachbereich Physik der WWU und der Infineon AG vergeben.

Die Bildung von Bakterienkolonien an Grenzflächen, also an den Flächen zwischen zwei Phasen, führt bei vielen industriellen und medizintechnischen Anwendungen zu Problemen. In ihrer Doktorarbeit entwickelte und analysierte Sarah Trinschek Modelle, mit denen der Einfluss physikochemischer Kräfte und Prozesse auf die Ausbreitung der Kolonien untersucht werden kann. Solche Kräfte und Prozesse können beispielsweise die Osmose, also der Strom von Molekülen durch eine semipermeable Membran, die Oberflächenspannung oder die Benetzbarkeit der Oberfläche sein.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit bestätigen, dass passive physikalische Effekte Bakterien dabei helfen, sich erfolgreich an Grenzflächen auszubreiten: Zum einen bewirken Bakterien durch die Abgabe von bestimmten chemischen Stoffen, den Polymeren, dass nährstoffreiche Flüssigkeit in die Kolonie einströmt. Zum anderen führt die bakterielle Produktion von oberflächenaktiven Molekülen, sogenannten Bio-Tensiden, zu hydrodynamischen Flüssen, die die Ausbreitung der Kolonie begünstigen. Das neu geschaffene Verständnis dieser Mechanismen kann genutzt werden, um bessere Strategien zur Verhinderung des Koloniewachstums zu entwickeln.

Die Preisverleihung findet am Freitag, 12. Juli, während der Promotionsfeier des Fachbereichs Physik statt. Beginn der Feier ist um 15 Uhr im Hörsaal HS2 im Gebäude IG I, Wilhelm-Klemm-Straße 10.

Links zu dieser Meldung: Infineon-Master-Award und Infineon-Promotionpreis für herausragende Forschung in der Physik

Einheit und Vielfalt in den Wissenschaften

Neuer Sammelband im Verlag de Gruyter erschienen
Seidel Klasen
© WWU/ITP

Wissenschaftler sind in der Regel Experten auf eng umgrenzten Spezialgebieten. Dennoch spielt die Interdisziplinarität heute eine wesentliche Rolle für den wissenschaftlichen Fortschritt und nicht zuletzt bei der Einwerbung von Forschungsgeldern. Was aber verbindet die Wissenschaften - jenseits der Institution Universität - inhaltlich, sprachlich und methodisch miteinander? Inwieweit lassen sich komplexe Phänomene auf einfache reduzieren, und was zeichnet Wissenschaft überhaupt als solche aus?

Diesen Fragen gehen Michael Klasen vom Institut für Theoretische Physik und Markus Seidel vom Zentrum für Wissenschaftstheorie der Universität Münster in dem von ihnen herausgegebenen Buch "Einheit und Vielfalt in den Wissenschaften" nach. Es umfasst unter anderem Beiträge bekannter Wissenschaftler wie dem Philosophen Paul Hoyningen-Huene, dem Physiker Hermann Haken und dem Psychologen Wolfgang Tschacher. Biochemie und Soziologie, Mathematik und Germanistik kommen ebenso zu Wort wie die Theologie – letztere mit der sie stets begleitenden Frage, ob sie ihren Platz im Kreis der Wissenschaften überhaupt zu Recht beansprucht.

Hier gelangen Sie zu dem Artikel in der wissen I leben

Prof. Heitger in den Wissenschaftlichen Rat des NIC berufen

Prof. Heitger in den Wissenschaftlichen Rat des NIC berufen
© WWU/ITP

Prof. Dr. Jochen Heitger ist für die Amtszeit 2020-2022 in den Wissenschaftlichen Rat des John von Neumann-Institutes für Computing
(NIC) in Jülich gewählt worden. Dieses wichtige, überregional und interdisziplinär zusammengesetzte Gremium ist aus ausgewiesenen Fachleuten auf den Arbeitsgebieten des NIC zusammengesetzt.

Es berät das NIC-Direktorium in Fragen der Leitungsbesetzung sowie der Forschungsfelder der Forschungsgruppen, der Fortentwicklung der Rechnerausstattung und anderer Ressourcen für das NIC und stellt außerdem die Regeln für die Rechenzeitvergabe auf.

Herausragende Masterarbeit am Fachbereich Physik ausgezeichnet

"Infineon-Master-Award 2018" geht an Simon May
Herausragende Masterarbeit am Fachbereich Physik ausgezeichnet
© Simon May

Für seine herausragende Masterarbeit zu neuen Theorien dunkler Materie erhält Simon May den mit 1500 Euro dotierten „Infineon-Master-Award“, den der Fachbereich Physik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster gemeinsam mit der Infineon Technologies AG verleiht. "Die Arbeit entspricht von Inhalt und Form, thematischer Breite, fachlicher Tiefe, Präzision und Klarheit der Darstellung eher dem Niveau einer Doktorarbeit", sagt Prof. Dr. Michael Klasen, Direktor des Instituts für Theoretische Physik, in dessen Forschungsgruppe die Arbeit angefertigt wurde.

Den ganzen Text finden Sie unter: https://www.uni-muenster.de/news

Zwei WWU-Forscher neu im Jungen Kolleg

NRW-Akademie nimmt Naturwissenschaftler Manuel van Gemmeren und Raphael Wittkowski auf
Zwei WWU-Forscher neu im Jungen Kolleg
© AKW NRW - Andreas Endermann

Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste (AWK NRW) hat zwei Nachwuchswissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) ins Junge Kolleg aufgenommen. Der Physiker Dr. Raphael Wittkowski und der Chemiker Dr. Manuel van Gemmeren gehören damit zu landesweit 12 neuen Mitgliedern im NRW-Kolleg.

NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen unterstrich während der Feierstunde in Düsseldorf die Bedeutung des Gremiums: "Das Junge Kolleg der Akademie ermöglicht Nachwuchsförderung auf hohem Niveau und bietet die Chance einer engeren Vernetzung der verschiedenen Wissenschaften und Künste über Orte, Fachtraditionen und Themen hinweg." Für die WWU nahm Prof. Dr. Monika Stoll, Prorektorin für Forschung, an der Ehrung teil.

Den ganzen Text finden Sie unter: https://www.uni-muenster.de/news

Humboldt-Forschungspreis für Prof. Dr. Christophe Royon

Alexander-von-Humboldt-Stiftung ermöglicht dem Experten für Teilchenphysik einen einjährigen Forschungsaufenthalt
Prof. Dr. Christophe Royon
© WWU

Zwei international anerkannten Wissenschaftlern ermöglicht die Alexander-von-Humboldt-Stiftung einen je einjährigen Forschungsaufenthalt an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Physiker Prof. Dr. Christophe Royon von der University of Kansas in Lawrence, USA, und Pflanzen-Biotechnologe Prof. Dr. Gurvan Michel von der Station Biologique in Roscoff, Frankreich, erhalten jeweils einen Forschungspreis der Stiftung.

Christophe Royon ist ein weltweit führender Experte für die hochenergetische Streuung bestimmter Elementarteilchen – Quarks und Gluonen – und die Dynamik ihrer Wechselwirkungen. Er erhält auf Vorschlag von Prof. Dr. Michael Klasen vom Institut für Theoretische Physik der WWU, mit dem er nun intensiv zusammenarbeiten wird, einen mit 60.000 Euro dotierten Humboldt-Forschungspreis. Der Preis wird an herausragende Wissenschaftler auf dem Höhepunkt ihrer Karriere vergeben. Eine Kooperation mit dem münsterschen Graduiertenkolleg „Starke und schwache Wechselwirkung – von Hadronen zu Dunkler Materie“ ist im Rahmen des Aufenthalts ebenfalls geplant.

Neues Physik-Schwerpunktprogramm von DFG bewilligt / Federführung an der WWU

Physiker Prof. Dr. Uwe Thiele koordiniert Vorhaben "Dynamische Benetzung flexibler, adaptiver und schaltbarer Oberflächen"
Simulation der AG Thiele
© Simulation: AG Thiele

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ein neues Schwerpunktprogramm (SPP) bewilligt, das von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) aus geleitet wird: Der Physiker Prof. Dr. Uwe Thiele vom Institut für Theoretische Physik koordiniert das Projekt „Dynamische Benetzung flexibler, adaptiver und schaltbarer Oberflächen“. Insgesamt richtete die DFG jetzt 14 neue Schwerpunktprogramme ein. Jedes SPP hat eine Laufzeit von zunächst drei Jahren ab 2019 und erhält etwa fünf bis sechs Millionen Euro.

Den ganzen Text finden Sie unter: https://www.uni-muenster.de/news

Internationale Teilchenphysiker-Tagung zu Partonschauern und Resummation

Wenn an Beschleunigern wie dem LHC in Genf Protonen und Kerne beinahe mit Lichtgeschwindigkeit aufeinander treffen, zerplatzen sie mitunter in Tausende von kleinsten Elementarteilchen. Die theoretische Beschreibung solcher Ereignisse mit sogenannten Partonschauern und Resummationsmethoden ist hoch komplex und Thema einer Tagung, die Jun.-Prof. Dr. Anna Kulesza und Prof. Dr. Michael Klasen vom Institut für Theoretische Physik der Universität Münster vom 10. bis 12. Juni 2014 in der Johannisstraße 4 organisieren. Erwartet werden über 40 Experten aus den USA, Großbritannien und zahlreichen anderen europäischen Ländern.

Workshop „Nonlinear Dynamics of Structure Formation at Interfaces“

The scope of the workshop, organized by Prof. U. Thiele (Institute of Theoretical Physics), Prof. A. Heuer (Institute of Physical Chemistry) and Dr. O. Kamps (Center for Nonlinear Science) is to foster the exchange of recent results and ideas related to the dynamics of and at interfaces and surfaces that are investigated in a variety of (interdisciplinary) fields in the natural sciences and applied mathematics. As in many cases the resulting structures result from spontaneous self-organisation, a specific aim is to identify universal features related to the nonlinear character of the underlying processes, to place the individual systems and phenomena into the wider context of the understanding of out-of-equilibrium phenomena. Ample opportunities for exchange (including discussions after each talk and a poster session) shall allow early-stage and distinguished scientists to discuss challenges and open problems across fields and to identify ways to coordinate future efforts. For more information about the workshop, see: https://www.uni-muenster.de/CeNoS/Veranstaltungen/Tagungen/Archiv/NDSFI15/

Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt neues Graduiertenkolleg an der WWU in der Teilchenphysik

Gruppenfoto der Beteiligten des GraduiertenkollegsGruppenfoto der Beteiligten des Graduiertenkollegs
© WWU/Peter Grewer

Dass alle Teilchenphysiker der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zusammen ein großes Projekt geplant haben, ist eine Premiere. Die aufwendige Vorbereitung ist jetzt von Erfolg gekrönt: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligte das gemeinsame Graduiertenkolleg „Starke und schwache Wechselwirkung – von Hadronen zu Dunkler Materie“, in dem theoretische und experimentelle Kern-, Teilchen- und Astroteilchenphysiker zusammenarbeiten. Das Projekt wird mit insgesamt 3,4 Millionen Euro für zunächst viereinhalb Jahre gefördert. Insgesamt richtet die DFG 17 neue Graduiertenkollegs ein, wie am 11. Mai 2015 bekannt wurde.

„Wir freuen uns sehr über die Bewilligung. Wir decken mit dem Graduiertenkolleg ein breites inhaltliches Spektrum ab und verzahnen Theorie und Experiment bei dieser Thematik in bislang nicht da gewesener Weise. Dass die DFG nun grünes Licht gegeben hat, bestätigt die Qualität unseres Konzepts“, unterstreicht Experimentalphysiker Prof. Dr. Christian Weinheimer vom Institut für Kernphysik, Sprecher des Graduiertenkollegs. Prof. Dr. Michael Klasen vom Institut für Theoretische Physik, stellvertretender Sprecher, ergänzt: „Auch die Doktorandenausbildung im Graduiertenkolleg wird anspruchsvoller als gewöhnlich. Die Promotionsstudierenden müssen ein breites Interesse für Theorie und Experiment mitbringen und während ihrer Doktorarbeit eine Zeit lang auf dem jeweils anderen Gebiet arbeiten.“ Die insgesamt elf geförderten Promotionsstellen werden international ausgeschrieben.