Umgang mit Heterogenität

„Das ist mein Weg, welches ist dein Weg? DEN Weg gibt es nicht.“ Friedrich Nietzche

Jeder Lernende hat seine individuellen Interessen und Fähigkeiten. Der Umgang mit heterogenen Lernbedürfnissen gestaltet sich als eine der größten Herausforderungen für (angehende) Lehrkräfte.

MitarbeiterInnen des Instituts für Didaktik der Physik entwickeln Materialien und Fortbildungsformate für die Lehre an Schulen und Universität. Dabei werden verschiedene Facetten der Heterogenität betrachtet:

  • Gemeinsamer Unterricht und Inklusion
  • Diagnose Individuelle Förderung
  • Sprachsensibler Fachunterricht

Mit der Ratifizierung der UN Behindertenrechtskonvention (2009) ist das gemeinsame Lernen im Sinne eines inklusiven Schulsystems in Deutschland rechtsverbindlich geworden. Der Begriff der Inklusion wird hierbei stark differenziert und diskutiert. Neben einem engen Inklusionsbegriff der das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogische Unterstützung beschreibt, steht ein weiter Inklusionsbegriff für die Sensibilisierung und den bewussten Umgang neben sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen mit weiteren Differenzdimensionen im Unterricht, wie bspw. Geschlecht, sozio-ökonomischer Status und Migration.

Infolgedessen legt das Institut für Didaktik der Physik einen Forschungsschwerpunkt seiner Arbeit im Bereich des gemeinsamen Lernens im inklusiven Schulsystem. Es gibt verschiedene Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die einen inklusiven Physikunterricht zunächst qualitativ untersuchen und die gewonnen Erkenntnisse in die Entwicklung konkreter Lernumgebungen fließen lassen. Forschungsschwerpunkt bildet die Konstruktion von Differenzen durch einen gemeinsamen Physikunterricht und somit die Frage nach den Herausforderungen und Grenzen eines gemeinsamen Lernens im Physikunterricht. Hierbei wird unter anderem das gemeinsame Lernen am Experiment in den Vordergrund gestellt. Auf Grundlage dieser und weiterer Erkenntnisse werden Lernumgebungen entwickelt, die zunächst im Sinne eines engen Inklusionsbegriffs für verschiedene sonderpädagogische Unterstützungsbedarfe hier am Institut für Didaktik der Physik getestet und evaluiert werden.

  • Fühner, Larissa & Pusch, Alexander (2019). Wie fliegt eine Wasserbombe am weitesten? Handlungsorientiertes Experimentieren an einer Wasserbombenschleuder. In: Naturwissenschaft im Unterricht Physik, 170, S. 21-25.
  • Fühner, Larissa & Pusch, Alexander (2019). Was macht ein Arbeitsblatt inklusionsspezifisch? Tipps und Hinweise zur Überarbeitung von Arbeitsblättern. In: Naturwissenschaft im Unterricht Physik 170,  S. 40-43.
  • Fühner, Larissa & Heinicke, Susanne (2019). Unterricht unter der Lupe. Beobachtungen und Empfehlungen zu inklusivem Physikunterricht. In: Naturwissenschaft im Unterricht Physik, 170, S. 10 -16.

Diagnose und individuelle Förderung

Diagnose und individuelle Förderung haben innerhalb des Schulunterrichts einen hohen Stellenwert. Lehrkräfte müssen den Lern- und Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler diagnostizieren, um darauf aufbauend eine individuelle Förderung der Lernenden zu gewährleisten. Das Institut für Didaktik der Physik liefert in verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten Beiträge zu diesem Themenfeld. Dazu gehören u.a. die Entwicklung von Self-Assessments und individualisierten E-Learning-Angeboten, Forschungen zur individuellen Förderung von Lernenden durch Verwendung mit Audio-Digitalen-Stiften in naturwissenschaftlichen Lernprozessen sowie (video-)reflektierte Praxiserfahrung mittels Unterrichtsminiaturen in einem Lehr-Lern-Labor-Format. Als einen wichtigen Teilaspekt im Umgang mit Heterogenität forschen wir auch im Bereich der Inklusion.

Sprachsensibler Physikunterricht 

Das Lernen von Fachsprache spielt auch im Physikunterricht eine erhebliche Rolle und beeinflusst maßgeblich das Verstehen physikalischer Konzepte. Die Kompetenz sprachsensiblen Unterrichtens verlangt von Lehrkräften den souveränen Umgang mit Fachinhalten und deren Verbalisierung. Diese Kompetenz besteht aus vielen einzelnen Bausteinen und erfordert die Betrachtung verschiedenster Thematiken. In diesem Rahmen forschen und lehren wir u.a. zu den folgenden Inhalten im Kontext des Physikunterrichts:

  • Umgang mit Alltagssprache, Fachsprache, Bildungssprache im NaWi- und Physikunterricht
  • sprachsensible Unterrichtsmaterialgestaltung und Unterrichtsplanung
  • Einfluss der Herkunftssprache auf die Zielsprache und auf den Erwerb der Fachsprache
  • Fachsprachliches Lernen mithilfe von Visualisierungen und kreativer Tafelarbeit
  • Lesen & Leseförderung im Physikunterricht
  • Einfluss von Layout und didaktischer Typografie auf die Verständlichkeit von Bildungsmedien

Schülervorstellungen 

„Der wichtigste Faktor, der das Lernen beeinflusst, ist, was der Lernende schon weiß“, so formuliert Ausubel (1968). Nach konstrukivistischer Sichtweise baut unser Lernen auf unserem bereits vorhandenen Vorwissen auf. Für den Unterricht ist es daher von zentraler Bedeutung, gewisse vorunterrichtliche Konzepte der Lernenden (auch: Schülervorstellungen) mit in die Planung einzubeziehen und zu berücksichtigen. Dies gilt insbesondere auch für die naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer, in denen die von der Alltagserfahrung geprägten lebensweltlichen Vorstellungen oftmals mit den Strukturen und Beschreibungen der Naturwissenschaften kollidieren. Physikdidaktische Forschung beschäftigt sich daher mit den vorunterrichtlichen Vorstellungen von Lernenden bezüglich der verschiedenen Themengebiete der Schulphysik.

Die Arbeitsgruppe des IDP beschäftigt sich mit Schülervorstellungen unter anderem in den folgenden Bereichen:

  • Umgang mit Messdaten
  • Radioaktivität
  • Naturphänomene
  • Atomphysik

Sowie mit Interesse bezüglich verschiedener Themengebiete:

  • Kontextinteresse von Mädchen und Jungen