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PharmaCampus der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Zeugnisübergabe und festliche Verabschiedung der Kandidatinnen und Kandidaten

Am 27. April fand die seit vielen Jahren in Münster zur guten Tradition gewordene Verabschiedung der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten nach bestandener zweiter pharmazeutischer Prüfung in festlichem Rahmen statt. Ein ökumenischer Dankgottesdienst in der Universitätskirche wurde durch viele Pharmazeutinnen und Pharmazeuten besucht. Anschließend traf man sich zum obligatorischen Gruppenfoto vor dem PharmaCampus. Mit viel lustigem Geschiebe und Gedränge wurde dieses praktische Problem gemeistert, wie schon so vieles in dem vergangenen Studium.

Der große Hörsaal erwies sich als weitgehend gefüllt, was die seit Jahren anhaltende Tendenz bestätigt, dass dieser Tag in Münster ein ganz spezieller Anlass der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten ist, der in großem Stil zusammen mit Familie und Freunden gefeiert wird. Prof. Dr. A. Hensel, Vorsitzender der Prüfungskommission, begrüßte alle Kandidaten und Gäste im Namen der WWU und wies auf die gute Abschlussbilanz der Münsteraner Pharmazie hin. Einige Eckdaten: schnelles Durchstudieren, innovative Lehrkonzepte mit dem problemorientierten Lernmodul PharMSchool, 2,2 als Durchschnittsnote im langjährigen Mittel und mit über 110 erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen pro Jahr eine sehr gute Gesamtabschlusszahl.

Das Grußwort des Studiendekans des Fachbereiches Chemie und Pharmazie, Prof. Dr. K. Müller, leitete über zum Festvortrag „Aus Fehlern lernen“, in dem Prof. Dr. Matthias Lehr (Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster) aktuelle Fallstricke in der medizinischen und pharmazeutischen Wissenschaft referierte. Neben den leider immer wieder vorkommenden traurigen Fällen vorsätzlichen Wissenschaftsbetruges sind aber auch unwissentliche Fehler in der Forschung immer wieder vorkommend, sei es durch unzureichende Messmethoden, ungenügende Methodenkenntnis oder einfach auch durch „böse Moleküle“, die auf Grund ihrer speziellen Chemie und Funktionalität Aussagen vortäuschen können, die nachfolgend ganze pharmazeutische Entwicklungen beeinflussen können. Aber: Fehler sind menschlich und immer möglich, wichtiger ist aus diesen Erfahrungen zu lernen und die so gemachten Erkenntnisse in der weiteren Forschung umzusetzen.

Das Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Herr Dr. H. Müller überbrachte anschließend die Grüße der Kammer, gratulierte allen Absolventinnen und Absolventen und zeigte auf, welche Möglichkeiten die Kammer - „ab jetzt Ihre Kammer“ - den angehenden Apothekerinnen und Apotheker bieten wird. In einer launigen Abschlussrede ließen die Studierenden das absolvierte Studium Revue passieren, wobei neben den anstrengenden Seiten der gemeinsamen Hochschulzeit auch die schönen Aspekte adressiert wurden. Der Höhepunkt der Feier war natürlich die Übergabe der Zeugnisse durch Prof. Hensel an die Kandidatinnen und Kandidaten. Der festliche akademische Akt klang aus bei einem Stehempfang bei Sekt und Popcorn, um dann in einer festlichen und langen Nacht beim Galadinner in entsprechender Atmosphäre zu enden. Herzlichen Glückwunsch an alle erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen!

Prof. Dr. A. Hensel, WWU Münster

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Seit einigen Jahren ist es an der WWU Münster ein guter Usus, dass im Rahmen der Zeugnisübergabe auch die Preise der „Verspohl Stiftung“ überreicht werden. Diese Stiftung, die sich aus der Initiative des langjährigen Universitätsprofessors für Pharmakologie Prof. Dr. E. Verspohl und seiner Gattin ergeben hat, zeichnet u.a. außergewöhnliche Studienleistungen, bedürftige oder sozial vorbildlich aktive Studierende aber auch besondere Dissertationsvorhaben einmal jährlich aus, wobei die konkreten Entscheidungen durch ein unabhängiges Kuratorium der Universität Münster getroffen werden. In diesem Jahr hatte der Stifter dem Kuratorium die Auslobung eines Stipendiums sowie von Dissertationspreisen vorgeschlagen.

Für Ihre wegweisenden Doktorarbeiten wurden Frau Shabnam S. Beydokthi (Arbeitskreis Prof. Dr. Hensel, Pharmazeutische Biologie und Phytochemie) und Frau Dr. Wilhelmine V. Weckenbrock (Arbeitskreis Prof. Dr. Jose, Pharmazeutische und Medizinische Chemie) durch Prof. Dr. Eugen J. Verspohl, ausgezeichnet. Der geteilte Dissertationspreis wurde für die beiden Projekte „Antiadhäsive Effekte pflanzlicher Extrakte und daraus isolierter Naturstoffe gegenüber uropathogenen E. coli“ und „Autodisplay eines vollständigen IgG-Antikörpers“ vergeben. Beide Preise waren mit 3000 € dotiert. Zusätzlich erhielt die Studierende Frau Waltemate eine fortgesetzte Unterstützung im Rahmen des Pro-Talent-Stipendiums (1800 €). Frau Beydokthi verbindet den Pflanzenschatz aus ihrem Heimatland Iran mit in vitro- und in vivo-Untersuchungen zur Hemmung der spezifischen Rezeptor-vermittelten bakteriellen Adhäsion uropathogener E. coli im Urogenitaltrakt und eröffnet damit neue therapeutische Möglichkeiten zur Infektionsbehandlung. Frau Dr. Weckenbrock gelang zum ersten Mal die Darstellung eines funktionalen, vollständigen Antikörpers auf der Oberfläche eines Gram-negativen Bakteriums; dieser Antikörper ist für die Diagnostik von Tumoren wichtig, da er gegen einen Tumormarker gerichtet ist. Die Methode eröffnet insgesamt ein Potential als Werkzeug zum bakteriellen Tumor Targeting. Philanthropische Stiftungen sind in Deutschland im Vergleich zu den USA eher selten. Der Stiftungsgründer wurde durch das Sponsoring an einer Staats-Schule bei der Einschulung einer der eigenen Töchter in San Francisco 1983 bezogen auf die hervorragende Ausstattung der Lehreinrichtungen nachhaltig beeindruckt, ferner auch die Erfahrung der Würdigung der eigenen, in 2 Jahren durchgeführten Doktorarbeit durch einen Preis der Universität Düsseldorf. So sollen auch die beiden verteilten Preise einen Anschub zum Weiterdenken und eine Weichenstellung für weiterreichende Entscheidungen der Ausgezeichneten vorgeben. Das vom Stiftungsgründer unabhängige Auswahl-Kuratorium unter dem bewährten Vorsitz von Prof. Langer (Pharmazeutische Technologie) hat nicht nur die Leistung, sondern auch zusätzlich soziales Engagement und weitere Aspekte der Preisträger mit in die Bewertung und Auswahl einbezogen.