Wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge

Wirtschaftliche Zusammenhänge sind manchmal von Bedeutung, wie es NedCar (Born) in Südlimburg zeigte. In vielen Fällen kommt clustering auch bei Anhäufung von Betrieben ohne wirtschaftliche Bindungen vor, einfach weil sie, voneinander unabhängig, den gleichen Standort gewählt haben. Soziale Zusammenhänge machen sich durch das Vorhandensein eines spezifischen – meistens eines urbanen – Umfeldes bemerkbar. Die alte Randstad, insbesondere Amsterdam, ist in diesem Sinne unschlagbar trotz nachteiliger Faktoren wie Kriminalität.

Ausbildung

Insbesondere technische Universitäten können bestimmte Wirtschaftsaktivitäten fördern. 1961 wurde die Technische Universität Twente mit dem Ziel gegründet, die technisch fortgeschrittenen Betriebe zu fördern und damit die Verluste durch Wegfall der Textilindustrie wettzumachen. Die Zusammensetzung des Arbeitsmarktes hängt mit der Art der betrieblichen Entwicklung zusammen. Sie lässt sich durch bestimmte Ausbildungsmöglichkeiten manchmal lenken, kann allerdings auch durch weitere Faktoren für bestimmte soziale Gruppen, und damit auch für bestimmte Arten von wirtschaftlicher Tätigkeit Anziehungskraft besitzen. Die Region um Arnheim ist ein Beispiel dafür, dass sich Betriebe höheren Standards auch ohne vorhandene Ausbildungsmöglichkeiten, etwa aufgrund eines guten Wohnumfelds, ansiedeln.

Geschichte

Das räumliche Muster wirtschaftlicher Tätigkeit um 1950 ist zum Teil noch vorhanden. Einerseits ist es ein Bild der Vergangenheit, andererseits ein Bild der Arbeitserfahrung. In den Niederlanden ist der geschichtliche Beitrag insbesondere mit der Landwirtschaft und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte verbunden. Die Käseverarbeitung in der Stadt Gouda ist noch immer ebensowie die Milchverarbeitung in Leeuwarden vertreten. In vielen Gebieten sind die damaligen Industrien bis zur Heimatkunde abgesunken, wie die Eisenverarbeitung an der Oude IJssel bei Doetinchem, der Steinkohlenbergbau in Südlimburg oder die Textilindustrie in Twente. Diese regionsspezifischen Industrien sind weitgehend aus der niederländischen Landschaft verschwunden, die neuen Tätigkeitsfelder können, aufgrund anderer Standortfaktoren, an vielen Stätten stattfinden. Diese neuen Regionen gestalten sich jetzt nach ganz anderen Prinzipien.

Netzwerke

Trotz verstärkter Mobilität ist die Nähe zueinander manchmal eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Zusammenarbeit. Netzwerke, d.h. formelle und informelle Verbindungen und Verflechtungen zwischen Personen und Institutionen aufgrund gemeinsamer Zielsetzungen, gefördert vom gemeinsamen Vertrauen mit dem Ziel wirtschaftlichen Fortschritt zu erreichen, sind in dieser Weise von ausschlaggebender Bedeutung. Selbstverständlich reichen solche Netzwerke auch außerhalb der Cluster. Der Aufbau neuer Betriebszentren, wie z.B. des Rembrandturms beim Amstelbahnhof in Amsterdam, sind Beispiele dafür, dass Betriebsclustern mit ausgezeichneten Möglichkeiten zum Aufbau von wirtschaftsfördernden Netzwerken in besonderer Weise von räumlicher Nähe gefördert werden.

Die alten Standortfaktoren “Rohstoff” und “Energiequelle” sind weitgehend abgebaut. In Südlimburg hat der Steinkohlenbergbau keinerlei Bedeutung mehr für eine Anhäufung von wirtschaftlicher Tätigkeit. Doch auch an Stellen, wo heute noch Energiequellen sprudeln, wie zum Beispiel das Erdgas nordöstlich der Stadt Groningen bei Slochteren, finden wir sie nicht.


Autor: Jan Smit
Erstellt: Januar 2004