XXXI. Internationaler Wettbewerb

Die niederländischen Unternehmen stehen in einem starken internationalen Wettbewerb. Um Kosten zu sparen, wurden in den vergangenen Jahren viele Produktionen ins Ausland verlagert, was einen Arbeitsplatzabbau in den Niederlanden zur Folge hatte, aber auch oftmals eine Sicherung der verbleibenden Arbeitsplätze bedeutete. Durch die Globalisierung der Produktionsbedingungen rücken Kosteneinsparungen, Automatisierung und die Steigerung der Unternehmensrentabilität immer stärker in den Mittelpunkt unternehmerischen Handelns. Sicher war dies auch schon früher so, allerdings erhöhte sich durch den globalen Wettbewerb und das Aufkommen großer internationaler Geldanleger (Hedge Fonds) der Druck auf effizientes Wirtschaften. Bei börsennotierten Unternehmen scheint die Gewinnmaximierung das alleinige Ziel geworden zu sein. Es gilt, sich auf Kerngeschäfte zu konzentrieren und gezielte Unternehmenszukäufe zu tätigen. Langfristige Unternehmensstrategien scheinen in den Hintergrund gerückt zu sein. Wichtig ist, was Rendite bringt und die Anleger zufrieden stimmt.

Das Börsenjahr 2006 stand im Zeichen der Hedge Fonds, der großen internationalen Geldanleger, die darauf aus sind, große Betriebe wie Ahold, ASML oder Stork auf Rendite zu trimmen. Sie kaufen große – mit Krediten finanzierte - Aktienpakete und setzen oftmals die Unternehmensleitungen unter Druck, unrentable Betriebsteile abzustoßen, um in den Kerngeschäften gewinnbringender zu arbeiten.

Fusionen

Das Kapital agiert global. Das Jahr 2007 war gekennzeichnet von zahlreichen internationalen Unternehmensfusionen und Zukäufen. So kaufte die amerikanische SAB Miller-Gruppe im November den traditionsreichen Bierbrauer Grolsch für 1,5 Milliarden Euro. Im März machte sich Schering-Plough über die Akzo-Tochter Organon her und kaufte das Unternehmen für elf Milliarden Euro. ABN Amro verlor seine Eigenständigkeit an ein europäisches Bankenkonsortium und Danone verleibte sich den Kindernahrungsmittelhersteller Numico für 12,3 Milliarden Euro ein. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Nein, ein Ausverkauf der niederländischen Wirtschaft finde nicht statt, sagte im September 2007 ein genervter Finanzminister Wouter Bos. Gleichwohl drängte sich der Eindruck auf: Die Fluggesellschaft KLM fusionierte mit Air France, Stork wurde von internationalen Investoren gekauft – auch ABN Amro. „Aber die Niederlande investieren noch immer viel mehr im Ausland als umgekehrt“, so Bos in einem Interview mit NRC Handelsblad. „Man hat aber offenbar vergessen, dass vor nicht langer Zeit ABN Amro die italienische Bank Antonveneta übernommen hat und Akzo in der Vergangenheit das schwedische Unternehmen Nobel“, so Bos. Die Entwicklung sei nicht neu: „Das Unternehmen Kruidvat ist seit 2002 in chinesischen Händen. Douwe Egberts? Schon seit 1978 in amerikanischem Besitz.“ Wer der Eigentümer der Unternehmen sei, spiele eine stets unwichtigere Rolle. 80 Prozent der börsennotierten Unternehmen in den Niederlanden gehören ausländischen Investoren und 90 Prozent des Umsatzes dieser Unternehmen werde im Ausland gemacht.


Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2009