XXX. Verschuldung

Gestiegene Immobilienpreise, Steuergeschenke und kreditfreudige Banken sind Gift für das Portmonnee des Häuslebauers. Der durchschnittliche junge niederländische Eigentümer steckt anno 2006 bis über beide Ohren in den Schulden. Er hat Ende der 90er Jahre ein eigenes Haus in Höhe von 236.000 Euro gekauft und eine deutlich höhere Hypothek abgeschlossen, um Notar, anfallende Immobiliensteuer und eventuelle Umbauten finanzieren zu können. Oft sind zwei Gehälter nötig, um für die Zinsen aufzukommen. Ein Drittel beider Gehälter geht für das Haus drauf.

Die Schuld braucht nicht getilgt zu werden, und oft wird über eine Aktienhypothek finanziert. Ein durchschnittlicher Häuslebauer, wie er von der Nederlandsche Bank typisiert wird, kauft in jungen Jahren  ein Haus, schließt dafür stets höhere Hypotheken ab und nimmt hohe Risiken in Kauf. Drei Viertel aller Hypotheken sind eine so genannte „Tophypothek“, bei der der geliehene Geldbetrag höher ist als der Kaufpreis des Hauses. Von den 640 Milliarden Euro an ausstehenden Hypotheken sind weniger als ein Zehntel mit der traditionellen linearen oder Annuitätenhypothek finanziert, bei der nach dreißig Jahren das Haus abbezahlt ist.

Steuerlich günstige Aktienhypotheken machen 20 Prozent aus. 40 Prozent aller Hypotheken werden nicht getilgt – am Ende der Laufzeit ist die Schuld genauso hoch, wie zu Beginn. Die Hauseigentümer gehen davon aus, dass der Wert des Hauses gleich bleibt oder sogar leicht steigt, um die Hypothek abzuzahlen. Sonst bleiben sie auf einer Restschuld sitzen. Aber häufig steigt der Wert des Hauses nicht. Gerade bei jungen Hauseigentümern tun sich Probleme auf. Sie kaufen ein Haus, trennen sich später und müssen ihr Eigentum für einen geringeren Preis verkaufen.

Private Unternehmerrisiken

Banken geben in den Niederlanden sehr leicht Kredite. Oft über das Sechsfache vom Einkommen des Kreditnehmers. Gerne setzen sie bei Doppelverdienern ein ganzes Gehalt für die Zahlung der Hypothekzinsen an. Und die Kunden gehen darauf ein: Ein Haus für 450.000 Euro lässt sich mit netto 1000 Euro im Monat finanzieren. Niederländer leben auch im Privatleben mit Unternehmerrisiken.

Seit den 90er Jahren hat mehr als  ein Drittel aller Hausbesitzer ihren höheren Immobilienwert (overwaarde) versilbert, also eine Hypothek auf das Haus für Umbau, Reisen, Autos und Waschmaschinen aufgenommen. 1997 begann das große Geldausgeben. Stets mehr Leute leisteten sich von der „overwaarde“ Luxusgüter: Kauften sich ein Auto, machten eine Reise, lebten auf großem Fuß.

Das hat Folgen auch für das normale Konto. Das Bureau Kredit Registratie meldet, dass die Zahl der Menschen mit Zahlungsrückständen „erschreckend“ hoch ist. Zwischen 2002 und 2006 stieg die Zahl der Kredite um 26 Prozent von 16.157 auf 21.907. Das CBS meldet, dass die Privatkunden 2006 ihre Konten insgesamt um acht Milliarden Euro überzogen haben, das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Auch insgesamt hat die Schuldenlast der privaten Haushalte 2006 um 53 Milliarden auf 640 Milliarden Euro deutlich zugenommen. Fast 80 Prozent der Zunahme gehen auf das Konto von Hypotheken.


Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2009