XXVI. Fallbeispiel Nimwegen - Wer jetzt kein Haus hat...


... der baut sich in Nimwegen so schnell auch keines mehr. Die Preise auf dem Immobilienmarkt sind „dramatisch“. „Für 200 000 Euro kriegt man nicht viel. Vielleicht ein Reihenhäuschen im Außenstadtbezirk, wenn man Glück hat.“ Über den Immobilienmarkt in Nimwegen gibt sich Peter Sinia keinen Illusionen mehr hin: „Die Situation ist dramatisch“, sagt der Sprecher der Rabobank, der  im Frühjahr 2007 mit Sorge die jüngsten Zahlen der landesweiten Maklervereinigung NVM zur Kenntnis genommen hat. Die Immobilienpreise stiegen in Nimwegen im letzten Jahr mit 7,8 Prozent - das ist landesweit spitze.

„Wir können nur hoffen, dass in den kommenden Jahren mehr gebaut wird. Zurzeit gibt es eine riesige Nachfrage und ein sehr geringes Immobilienangebot“, sagt Peter Sinia. Als Folge sind die Immobilienpreise in der Waalstadt ins fast Unbezahlbare gestiegen. „Für junge Menschen ist es sehr schwer geworden, sich ein Haus zu leisten. Das geht nur, wenn beide verdienen und keine Kinder da sind.“ Im Durchschnitt kostet ein Reihenhaus mit 90 Quadratmetern Wohnfläche in Nimwegen 231 000 Euro. „Frei stehende Einfamilienhäuser liegen um die 400 000 Euro“, gibt Sinia an. Bei vier Prozent Zinsen macht das 1333 Euro monatliche Belastung - ohne Tilgung.

Getilgt wird in den Niederlanden von den meisten Immobilienbesitzern schon lange nicht mehr. „Viele zahlen nur die Zinsen und rechnen damit, dass ihre Immobilie im Wert steigt und sie diese dann später verkaufen können“, erklärt Sinia. „Ich selbst habe mir vor fünf Jahren ein Haus gekauft, das jetzt schon 80 000 Euro im Wert gestiegen ist.“

Verschärfte Regeln bei der Hypothekenvergabe

Wer eine Immobilie besitzt, ist zurzeit ein gemachter Mann. Wer keine besitzt, hat schlechte Karten. Die niederländischen Banken verschärften zu Beginn des Jahres die Regeln bei der Hypothekvergabe. „Wir haben gemerkt, dass viele Menschen in der Vergangenheit sehr unvernünftig finanziert haben. Teilweise wurde der gestiegene Marktwert des Hauses für Reisen oder Augen ausgegeben.

Die Situation hat sich verschärft. Die Neubaugebiete zwischen Nimwegen und Arnheim wurden wegen einer Umweltprüfung still gelegt. „Wir gehen aber davon aus, dass in diesem Jahr wieder gebaut wird. Es muss gebaut werden“, so Sinia.

Die Stimmung unter den Nimwegern ist geladen: „Die Situation frustriert natürlich. Wenn man doppelt verdient und sich trotzdem nichts leisten kann, dann hat man schnell den Papp auf“, erzählt Sinia. Hoffentlich keine Kinder auf dem Wohnungsmarkt sieht es noch düsterer aus, da herrschten „DDR-Verhältnisse“. „Wer etwas sucht, der muss sich durchschnittlich sieben bis acht Jahre gedulden“, erzählt Chantal Joosten von der Wohnungsbaukooperation Standvast.

Die meisten Wohnungen in Nimwegen gehören einer Wohnungsbaukooperation an, die sich im Dachverband Entree zusammengeschlossen haben. Unter www.entree.nu können sich die Interessenten einschreiben und Ausschau halten. „Selektiert wird nur nach Länge der Wartezeit“, sagt Joosten. Familien, Behinderte oder Alte genießen keinen Vorrang. Wer eine Wohnung ergattert hat, der darf mit saftigen Mieten rechnen. Für 70 bis 80 Quadratmeter sind schnell 700 Euro fällig - kalt.

Droht eine Immobilienkrise?

Die Situation auf dem Immobilienmarkt ist in Städten wie Arnheim oder Venlo vergleichbar. Nach Zahlen des NVM können sich in den östlichen Ballungsräumen nur Haushalte (ohne Kinder) mit einem Bruttoeinkommen über 30 164 Euro ein Reihenhaus leisten. Wer in den westlichen Ballungszentren um Amsterdam, Utrecht, Den Haag und Rotterdam lebt, der muss deutlich mehr verdienen. Noch stellt sich in den Niederlanden keiner die Frage, wie lange das noch gut gehen kann. Schließlich sind viele Häuser deutlich überbewertet.

„Von einer Immobilienkrise wie in Amerika ist hier noch nicht die Rede“, sagt Sinia. Solange das Zinsniveau niedrig ist, lässt sich vieles mit Ach und Krach finanzieren. „Wenn die Zinsen allerdings steigen, dann wird es problematisch.“

Um gerade junge Menschen nicht ins offene Messer laufen zu lassen, vergeben niederländische Banken nur noch Hypotheken, die das Vierfache des Bruttojahreseinkommen nicht übersteigen. „Und selbst das ist für manche schon eine große Belastung. Vor allem für Familien mit zwei Kindern“, sagt Sinia. Seit acht Jahren legen in Nimwegen die Immobilienpreise jedes Jahr um fünf Prozent zu, die Löhne sind hingegen zurückgeblieben.


Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2009