XIII. Das Wirtschaftsprogramm für 2008 bis 2011

In die Zukunft schauen, das würden auch Politiker gerne. Wie viel einfacher ließe sich regieren,  wenn man wüsste, in welchem Umfang die Wirtschaft wächst, welche Probleme die Zukunft bestimmen. Das niederländische Centraal Planbureau (CPB) hat einen Blick in die Zukunft gewagt. In einem für die Regierung erarbeiteten Papier versuchen Ökonomen ein Bild der Volkswirtschaft bis 2011 zu entwerfen.  Natürlich ist das schwierig, gerade in Zeiten stark voneinander abhängige Weltmärkte. Die „Macro-Economische Verkenning 2008–2011“ ist daher auch mit aller Vorsicht zu genießen.

Das CPB erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2008 bis 2011 um jährlich zwei Prozent wächst. Dieses Ergebnis könne vor allem durch die Steigerung der Arbeitsproduktivität erzielt werden. Die Ökonomen des CPB gehen davon aus, dass die Produktivität durch kapitalintensive Investitionen um 1,5 Prozent jährlich zunehmen wird. Das zuletzt starke Beschäftigungswachstum wird sich hingegen abschwächen. Das Arbeitsangebot nimmt jedes Jahr nur noch um 0,5 Prozent zu und „die Arbeitslosigkeit wird 2011 bei 4,25 Prozent liegen“, so das CPB.

Aufgrund der kaum zu ermittelnden weltwirtschaftlichen Situation für die kommenden Jahre bleiben die Vorhersagen des CPB verhalten und orientieren sich stark an den heutigen Entwicklungen. So glauben die Ökonomen, dass sich die Kaufkraft der Privathaushalte bis 2011 jährlich um ein Prozent erhöhen wird. Rentner müssen mit einer geringeren Kaufkraftzunahme rechnen: jährlich um 0,5 Prozent.

Kräftig zulegen werden die Löhne. Das CPB geht davon aus, dass die Tariflöhne jedes Jahr um 3,25 Prozent steigen werden. „Die zu erwartenden Spannungen auf dem Arbeitsmarkt und die Produktivitätssteigerungen haben einen lohntreibenden Effekt.“ Die Arbeitseinkommensquote bleibe bis 2011 bei 79 Prozent konstant zum Jahr 2007.

Der Staat wird in den kommenden vier Jahren mehr Geld ausgeben müssen. Zusätzliches Geld geht in die Bildung (bis 2011 zirka eine Milliarde Euro), die Kinderbetreuung wird 0,7 Milliarden Euro zusätzlich kosten, für die Sicherheit gibt der Staat 0,55 Milliarden Euro mehr aus und auch die Rückerstattungen für die Krankenversicherung werden steigen, so das CPB, als Folge stark steigender Krankenversicherungsbeiträge.

Bei den Sozialleistungen wird sich ein stark heterogenes Bild abzeichnen. So wird die Zahl der Rentner bis 2011 um 250.000 steigen, die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger hingegen um 22.000 abnehmen. Auch müsse der Staat weniger Geld für Arbeitsunfähige ausgeben. Das CPB rechnet damit, dass es in vier Jahren 20.000 weniger sein werden.

Um das alles zu finanzieren, wird die Steuer- und Abgabenlast steigen, bis 2011 um zirka sieben Milliarden Euro. Das meiste Geld wird für die steigenden Krankenversicherungsbeiträge erhoben werden müssen. Die höheren indirekten Steuern, wie Umsatz- oder Umweltsteuern, werden durch geringere direkte Steuern und das geringere Arbeitslosengeld aufgefangen.

Das Centraal Planbureau rechnet damit, dass sich das staatliche Minus von 0,3 Prozent des BIP bis 2011 in einen Überschuss von 1,1 Prozent des BIP wandeln wird.


Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2008