XIX. Weichenstellung für die Zukunft

Die niederländische Wirtschaft erholt sich – das jedenfalls stellte das Centraal Planbureau (CPB) 2014 in seiner Prognose fest. Immerhin 0,75 Prozent Wirtschaftswachstum in den Niederlanden wurden von Ökonomen für das Jahr errechnet. Im Jahr 2015 soll das Wachstum mit 1,25 Prozent weiter steigen. Haben die niederländischen Politiker also alles richtig gemacht und das kleine Land sicher durch die große Krise gesteuert? Immerhin sank auch das errechnete Haushaltsdefizit für dieses Jahr auf 2,9 Prozent; für 2015 geht das CPB sogar von nur noch 2,2 Prozent aus. Damit bleibt die Niederlande unter der von Brüssel vorgeschriebenen Norm von drei Prozent. Außerdem stellte das Planbureau ein Wachstum beim Export niederländischer Waren fest; auch der Konsum auf dem Binnenmarkt habe zugelegt. Trotzdem glauben nicht alle, dass die bisherigen Reformen genügen.

„Was die Niederlande brauchen, sind einschneidende Reformen auf dem Arbeitsmarkt und bei den Sozialversicherungen“, sagte Menzo Willems, EU-Korrespondent bei der Tageszeitung De Telegraaf zur deutschen Wirtschaftswoche. „Es wird auf jeden Rücksicht genommen. Deshalb wird es schmerzhafte Reformen wie die Hartz-IV-Gesetze bei uns nicht geben.“[1] Doch Willems bezweifelt, dass die weniger durchgreifenden Reformen des Mondriaan-Sozialpakts reichen, um die Niederlande für den Weltmarkt wettbewerbsfähig zu machen. Noch ist nichts entschieden. Die Zahlen des CPB sprechen für sich, doch ob dem kleinen Aufschwung ein großer folgt und die Konjunktur schon bald wieder kräftig anzieht, steht noch in den Sternen. Auch das CPB räumte ein, auch die niederländische Arbeitsgeber müssten erst noch Vertrauen in die positive Konjunkturentwicklung gewinnen, bevor sie neue Mitarbeiter einstellen würden. Daher werden die Arbeitslosenzahlen erst 2015 sinken, allerdings werde es immer noch bei einer Arbeitslosenquote von sieben Prozent bleiben.

Korrigierte Zahlen und die Probleme mit Prognosen

Das Jahr 2014 fing nicht gut an: Im ersten Quartal war die niederländische Wirtschaft um 1,4 Prozent geschrumpft – vor allem weil auf Grund des milden Winters weniger Gas verbraucht wurde als angenommen. Doch das CPB bleibt optimistisch: Die meisten Anzeichen wiesen auf eine Erholung der Wirtschaft hin. Im Gegensatz dazu gehen die einheimischen Kreditinstitute ABN AMRO und De Nederlandsche Bank (DNB) für das Jahr 2014 von einem niedrigeren Wirtschaftswachstum von nur 0,5 bzw. 0,2 Prozent aus. Noch im September 2013 hatte auch das CPB seine Vorhersage für das Wachstum des kommenden Jahr korrigiert – und reduziert. Nach der damaligen Aussage hätte die exportabhängige Wirtschaft 2014 nur um 0,5 Prozent statt der bisher erwarteten 0,75 Prozent zulegen sollen.[2] Grund für die schlechten Zahlen seien Einsparungen in Milliardenhöhe und Steuererhöhungen. Die Niederlande hätten nach der damaligen Einschätzung des CPB auch 2014 die EU-Defizitobergrenze von drei Prozent überschreiten müssen: Von einer Neuverschuldung von 3,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes gingen die Ökonomen aus. Prognosen bleiben eben schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.


[1] Rathmann, Tim: Stürmische Zeiten in Holland, in: wirtschaftswoche.de vom 5. Juni 2013, Onlineversion.
[2] Fliegner, Angelika: Wirtschaft: Neueste Zahlen zeichnen düsteres Bild für die Niederlande, in: NiederlandeNet vom 16. September 2013, Onlineversion.

Autorin: Friederike Lorenz
Erstellt: Oktober 2014