Das WirtschaftsSystem


II. Randstad und der Rest


Das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Niederlande ist die so genannte Randstad: die drei Provinzen Utrecht, Nord- und Südholland. In der Randstad wohnen 44 Prozent der niederländischen Bevölkerung, dicht gedrängt um die großen Zentren Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht. Im Haager Stadtteil Transvaal etwa leben 26.000 Menschen auf einem Quadratkilometer. Wer in der Randstad  wohnt, der lebt im Mittelpunkt des Geschehens. Die Hälfte aller Arbeitsplätze, gute 3,7 Millionen, befinden sich hier. Und knapp die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts wird in der Randstad erwirtschaftet: 238 Milliarden Euro. Die Randstad ist das wirtschaftliche Herz der Niederlande und hat es im internationalen Vergleich hinter London, Paris, Rhein-Ruhr und Mailand auf den fünften Platz geschafft.

Wachstum und Konzentration

Seit 1995 wächst die Region wirtschaftlich stärker als der Rest des Landes. Das Wachstum wurde vor allem im Dienstleistungssektor generiert. Der Anteil der kommerziellen Dienstleistungen an der Wirtschaftsleistung Amsterdams beträgt fast 68 Prozent, so das Städtebauministerium VROM. Folglich sind in den vergangenen zehn Jahren auch im nördlichen Teil der Randstad mehr Arbeitsplätze entstanden als in der südlicheren Region um Rotterdam.

Schaut man sich die Randstad genauer an, so erkennt man, dass sich die Dienstleistungsbranchen in einigen Städten konzentriert haben. So gibt es in Utrecht und Amsterdam viele Unternehmen, die finanzielle Dienstleistungen anbieten: Banken, Versicherungen, Beratungsfirmen, juristische Dienstleister. In Utrecht gibt es viele Computerdienstleister und Informationstechnologie. Die Logistik- und Kommunikationsbranche konzentriert sich in Amsterdam um den großen Flughafen Schiphol und um den Rotterdamer Hafen finden sich vor allem große Logistik- und Transportunternehmen. Der Regierungssitz Den Haag bleibt traditionell ein Standort für Verwaltungen, Verbände und Lobbyorganisationen.

Auch auf kulturellem Gebiet ist die Randstad führend: 60 Prozent aller Museumsbesuche werden hier gemacht, die Hälfte aller Universitäten ist hier angesiedelt.

Nachteile

Aber wer in der Randstad lebt, der lebt auch mit allabendlichen Staus auf den Autobahnen,  einer hohen Kriminalität und hohen Immobilienpreisen. In einem Großteil der Randstad kosten Eigentumswohnungen zwischen 145.000 und 245.000 Euro. Durchschnittlich bezahlt man in den Niederlanden 133.000 Euro. Zu den teuersten Gegenden zählen Bloemendaal,  Wassenaar und „het Gooi“ (Laren, Blaricum).

Die Randstad hat einen hohen Urbanisierungsgrad. 21,5 Prozent der Oberfläche sind zugebaut: Häuser, Betriebe, Straßen. Alles ist hier eine Nummer größer als im Rest des Landes, wo durchschnittlich nur zwölf Prozent der Oberfläche verbaut sind. Keine andere Metropol-Region in Europa ist dermaßen dicht besiedelt. Im Schnitt leben 1224 Menschen auf einem Quadratkilometer. Das Wohnungsbauministerium VROM geht davon aus, dass die Einwohnerzahl der Randstad auch in den kommenden Jahren schneller wachsen wird, als der Rest des Landes. Vor allem in kleineren Randgemeinden in der Nähe der Großstädte sei mit Zuzügen zu rechnen.

Trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung ist auch die soziale Armut in dieser Region am größten. Die Zahl der Arbeitslosen, der alten Menschen, der Ausländer und schlecht Ausgebildeten ist in Amsterdam und Utrecht am höchsten. Auch die Zahl der Sozialhilfeempfänger ist in Amsterdam und Rotterdam zwei bis drei Mal höher als im Rest des Landes, so das Städtebauministerium VROM.

Eines der Hauptprobleme der Randstad ist zweifellos der tägliche Verkehrsinfarkt. Die OECD hält die Stauproblematik in der Randstad für gravierend. Die Situation sei nicht mit jener der Ballungsgebiete Brüssel-Antwerpen oder Rhein-Ruhr zu vergleichen. Die Lage sei viel ernster, auch weil die niederländische Bahn, die NS, zu den unterentwickelsten aller Meteropol-Regionen gehört, so die OECD.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2009


Links

Wichtige Links im Bereich Wirtschaft finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen in unserem Dossier Wirtschaftspolitik 1940 - 2006

Akteure

Informationen zu Organisationen und Unternehmen im Bereich Wirtschaft Organisationen A-Z

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie


Impressum | Datenschutzhinweis | © 2018 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel: +49 251 83-28516 · Fax: +49 251 83-28520
E-Mail: