Das WirtschaftsSystem


XXV. Immobilien - Hausse


Seit 1986 sind die Immobilienpreise in den Niederlanden stark gestiegen. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Hauses war 2006 fast vier Mal so hoch wie 1996. Ein Reihenhaus kostete im September 2006 durchschnittlich 235.000 Euro. Besonders deutliche Preissteigerungen gab es in der Stadt Amsterdam und in den Ballungszentren der Randstad und dem KAN-Gebiet. In Amsterdam stieg der durchschnittliche Kaufpreis einer Eigentumswohnung von 56.000 Euro auf 236.000 Euro. Die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt nahm in der zweiten Hälfte der 90er Jahre bizarre Züge an. Es wurde von der „gekte op de huizenmarkt“ gesprochen. Die bis heute angehalten hat.

Die Studie „Sectorstudie bouw“ von der ING-Bank macht deutlich, dass die Preissteigerungen deutlich höher waren als die Einkommens- und Zinsentwicklung erwarten lassen durfte. Die Hypothekschulden steigen zudem schneller als die Wertsteigerung der Immobilien.

Die Nederlandsche Bank ließ erkennen, dass die Aktienkursentwicklung auch ausschlaggebend für die Immobilienpreise ist. Die günstige wirtschaftliche Entwicklung in den 90er Jahren hat zu deutlichen Einnahmesteigerungen geführt. In den Zeiten der Aktieneuphorie haben Niederländer ihre Immobilien mit Aktien finanziert. Heute sind viele Haushalte hoch verschuldet und die Finanzierung steht auf wackeligen Beinen. 95 Prozent aller Eigentumswohnungen werden durch eine Hypothek finanziert. 3,8 Millionen Niederländer haben ein eigenes Haus und fast 3,3 Millionen eine Hypothek.

Seit 1993 dürfen Doppelverdiener beide Gehälter für die Hypothek einsetzen - hiervon wird rege Gebrauch gemacht. Zudem brauchen Hypotheken nicht getilgt zu werden - wer die Zinsen zahlt, ist aus dem Schneider. Geleitet von den niedrigen Zinsen, rechnen viele Niederländer den fiktiv höheren Wert ihres Hauses (overwaarde) in die Hypothek ein. 2006 hatten 44 Prozent eine ablösefreie  Hypothek und 23 Prozent eine so genannte Sparhypothek, bei der auch getilgt wird.

540 Milliarden Hypothekschuld

2006 betrug die gesamte Hypothekschuld aller Niederländer 540 Milliarden Euro, so das Centraal Bureau voor de Statistik. Die Hypothekschulden haben sich zwischen 1996 und 2006 mehr als verdreifacht. (1996 = 160 Milliarden Euro). „Das Verhältnis zwischen Hypothekschulden und dem Bruttoinlandsprodukt ist nirgends in Europa so hoch wie in den Niederlanden“, schreibt Bart Meijer vom CBS. Betrug die Hypothekschuld 1998 im Verhältnis zum BIP noch 60 Prozent, waren es 2003 schon 80 Prozent, so Meijer.

Der Staat gibt seit 2001 mit der Möglichkeit, die Hypothekzinsen von den Steuern abziehen zu können, ein willkommenes Steuergeschenk. Allerdings wird verstärkt darüber nachgedacht, die „Hypothekrenteaftrek“ wieder aufzuheben. 3,1 Millionen Immobilienbesitzer nahmen 2004 diese Leistung in Anspruch und sparten durchschnittlich 11.600 Euro.

Zudem sind die Hypothekzinsen sehr niedrig. Zwischen 2001 und 2005 sind sie deutlich in den Keller gegangen: Von 5,9 Prozent auf 3,8 Prozent. 2006 sind die Zinsen wieder leicht gestiegen, aber sie bleiben auf einem sehr niedrigen Niveau.

30 Monate Wartezeit für Mietwohnung

Ein großes Problem ist nach wie vor die zu geringe Zahl an Wohnungen. 2003 betrugen die Wartezeiten für eine Mietwohnung in den Niederlanden 30 Monate, sechs Monate länger als zwei Jahre zuvor. In den Großstädten müssen Wohnungssuchende bis zu acht Jahre warten. Wer noch keine Wohnung in Amsterdam besitzt, muss sehr viel Geduld haben. Beim Makler kann er sich eintragen lassen und dann heißt es: Bitte kommen Sie in 14 Jahren noch einmal wieder.

Es werden zu wenig Wohnungen gebaut. Im Jahr 2003 sind 60.000 neue Wohneinheiten hinzugekommen, die niedrigste Rate seit 1953. Seit den 90er Jahren ist der Wohnungsbaumarkt in den Niederlanden liberalisiert und die Wohnungsbaukooperativen wurden privatisiert. Dabei verwundert die geringe Anzahl an neuen Wohnungen: Denn hohe Preise sollten eigentlich eine höhere Produktion nach sich ziehen. Für viele Bauträger bilden umfangreiche Bauvorschriften nach wie vor große Hindernisse.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2009


Links

Wichtige Links im Bereich Wirtschaft finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen in unserem Dossier Wirtschaftspolitik 1940 - 2006

Akteure

Informationen zu Organisationen und Unternehmen im Bereich Wirtschaft Organisationen A-Z

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie


Impressum | Datenschutzhinweis | © 2018 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel: +49 251 83-28516 · Fax: +49 251 83-28520
E-Mail: