Das WirtschaftsSystem


V. Arbeitsmarkt


„Im letzten Jahr ist es verdammt schnell gegangen“. Michiel Vergeer reibt sich verwundert die Augen. Der Arbeitsmarktexperte des Centraal Bureau voor de Statistik (CBS) vergleicht die derzeitige Situation auf dem niederländischen Arbeitsmarkt mit den 70er Jahren. Der niederländische Jobmotor laufe auf Hochtouren und die Nachfrage nach Arbeitskräften ist in den Jahren 2006 und 2007 so  kräftig gestiegen, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Im Jahr 2006 sind mehr als eine Millionen Stellen geschaffen worden, von denen 195.000 nicht besetzt werden konnten.  Die ersten Warnungen wurden bereits ausgegeben: „Engpass auf dem Arbeitsmarkt“, titelte im Januar 2007 das NRC Handelsblad. Unternehmen finden nicht mehr genug qualifiziertes Personal, das ihre Aufträge bearbeiten kann und auch das Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS) rechnet für die kommenden zwei Jahrzehnte mit einem strukturellen Fachkräftemangel – weil die Berufsbevölkerung kleiner wird. Vor allem in den technischen Berufen fehle es dramatisch an Arbeitskräften.

Anzahl der Berufstätigen rekordverdächtig

Die Positivmeldungen vom Arbeitsmarkt überschlagen sich: Die Zahl der Berufstätigen stieg im Jahr 2007 von sieben auf 7,8 Millionen – ein Rekordniveau.  Welches im Jahr 2008 noch einmal um weitere 100.000 Arbeitsplätze erhöht wird, so das CBS. Die meisten Arbeitsplätze sind im Handel und bei den kaufmännischen Dienstleistungen entstanden (jeweils 220.000). Auch im Gesundheitswesen sind viele neue Jobs (117.000) geschaffen worden. „Vor allem viele Arbeitslose haben wieder eine Stelle gekriegt“, so Vergeer. Fast ein Drittel der vermittelten Stellen sei über Personalagenturen vermittelt worden.

Die neue Situation schafft Begehrlichkeiten: „Alle Signale stehen auf Grün“, freut sich FNV-Vorstand Wilna Wind. Die Tarifexpertin der größten Gewerkschaft des Landes forderte im September 2007 für das kommende Jahr eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 3,5 Prozent.

Rückgang der Arbeitslosigkeit

Durch die gute konjunkturelle Entwicklung hat auch die Zahl der Arbeitslosen deutlich abgenommen. Die Arbeitslosenquote wird 2008 nur noch vier Prozent betragen. Nach Schätzungen des Centraal Bureau voor de Statistik (CBS) werden dann nur noch 315.000 Menschen eine Arbeit suchen. Das sind Zahlen, die es zuletzt um die Jahrtausendwende gab. Im Jahr 2000 waren 270.000 Menschen arbeitslos und die Quote betrug 3,8 Prozent. Trotz dieser hervorragenden Ergebnisse hat sich die Situation der „Sorgenkinder“ kaum gebessert: Nach wie vor ist die Arbeitslosigkeit unter Ausländern, Älteren und gering Qualifizierten groß, so das Centraal Planbureau (CPB). Das Kabinett Balkenende rief daher im Juni 2007 eine Fachrunde aus Regierungsvertretern, Tarifpartnern und Kommunen ins Leben (Participatietop), um gerade die Randgruppen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Insgesamt steigt jedoch die Partizipation von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt: 82 Prozent der männlichen Berufsbevölkerung arbeitet, bei den Frauen sind es 66 Prozent. Dazu beigetragen hat auch die Neubeurteilung von Arbeitsunfähigen und die Einführung der Bewerbungspflicht für Langzeitarbeitslose. „Diese Maßnahmen hatten einen enormen Effekt“, so das CPB.

Auch das Arbeitsangebot, also die Zahl die Berufsbevölkerung, ist größer geworden. Im Jahr 2007 standen 7,55 Millionen Niederländer dem Arbeitsmarkt zur Verfügung – 2006 waren es 7,49 Millionen. Die Zunahme ist vor allem auf mehr arbeitende Frauen zurück zu führen, die vor allem einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen (2,5 Millionen). Die Arbeitsproduktivität der niederländischen Volkswirtschaft ist seit 2005 insgesamt rückläufig und betrug 2006 nur 1,2 Prozent. Am kräftigsten wuchs die Produktivität im Einzel- und Großhandel (plus 5,2 Prozent), sowie im Logistiksektor (plus 3,7 Prozent).

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2009


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