Handel, Transport und Infrastruktur


I. Einführung

Containerterminal
Containerterminal im Rotterdamer Hafen, Quelle: jchanders

Die Industrienation Deutschland ist seit vielen Jahren mit Abstand der größte Handelspartner der Niederlande. In den vergangenen zehn Jahren hat der Güterhandel zwischen beiden Nationen konstant zugenommen: Der Import aus Deutschland hat sich während dieses Zeitraums beinahe verdoppelt und stand 2008 bei 65 Milliarden Euro. Die Ausfuhr nahm von 1998 an geringfügig weniger zu und kam für das Jahr 2008 auf einen Wert von 89 Milliarden Euro. Das Handelsvolumen zählt mit insgesamt ca. 154 Milliarden Euro zu den größten internationalen Austauschbeziehungen weltweit.[1]

Wichtig für die deutschen Wirtschaftsbeziehungen mit den Niederlanden ist vor allem der direkte Nachbar der Niederlande – das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW). Ein Blick auf die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen NRW und den Niederlanden genügt, um das besondere Verhältnis der beiden vom Einwohner- und Flächenverhältnis vergleichbaren Staaten zu verdeutlichen: So exportierte NRW im Jahr 2008 Waren und Dienstleistungen im Wert von 29,8 Milliarden Euro in das Nachbarland – das ist mehr als ein Drittel des gesamten deutschen Exports in die Niederlande. Beim Import zeigt sich ein ähnlich starkes Bild des gegenseitigen Handelsbeziehungen beider Partnerländer: Hier nahm NRW im Jahr 2008 Waren und Dienstleistungen im Wert von 18,5 Milliarden Euro aus den Niederlanden ab (Schaubild 1). Der Güteraustausch mit den Niederlanden ist für NRW damit deutlich größer als etwa jener mit den fünf neuen deutschen Bundesländern.[2]

Schaubild 1: Die zehn wichtigsten Ausfuhr- und Einfuhrländer NRWs im ersten Halbjahr 2013

Ein Ausfuhr Nrw
Quelle: IT.NRW

Im Vergleich zur Industrienation Deutschland mit seinem wirtschaftsstärksten Land NRW können die Niederlande – unter anderem auch aufgrund ihrer guten geographischen Lage – dagegen traditionell als Handelsnation und der natürliche Vorhafen Deutschlands und Nordrhein-Westfalens charakterisiert werden. Seine vergleichsweise späte Industrialisierung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts war dabei eine Folge der Kolonialzeit, die einen maritim-industriellen Komplex in der Tradition der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC, 1602-1789) entstehen ließ. Die VOC, ein Industrie- und Handelsunternehmen mit zahlreichen eigenen Schiffswerften, kann heute überspitzt als erster europäischer Multinational bezeichnet werden. Weniger bekannt ist dahingegen das zweite goldene Zeitalter der Niederlande von 1870 bis 1940, in dem sich die Niederlande mit vielen Nobelpreisträgern und industriellen Innovationen als Land des Wissens einen Namen machten.[3]

Beide Länder – sowohl die Niederlande als auch Nordrhein-Westfalen – sind heute durch eine eng vernetzte Infrastruktur verbunden und rücken stets näher zusammen. So dient zum Beispiel der Duisburger Binnenhafen durch seine Kooperation und Verflechtung mit den Seehäfen von Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen (ARA-Häfen) und der Anbindung der Verkehrsträger Bahn, Schiff und LKW als wichtigster Hinterland-Knotenpunkt und konnte seine Marktführerschaft beim kombinierten Verkehr weiter ausbauen. Die in den großen europäischen Häfen eingetroffenen Güter suchen sich dabei über die vielen Verbindungen der geschaffenen Verkehrsinfrastruktur ihren Weg in die entlegensten Winkel Europas. Abgesehen einmal von der Innovation eines globalen Telekommunikationsnetzes waren vor allem die Schiffbarmachung des Rheinstromgebietes als Nebenprodukt von verbesserter Entwässerung und Hochwasserschutz, aber auch die Verbindung der Häfen mit Donau und Seine und schließlich die neuen Eisenbahntunnel an Gotthard und Lötschberg als Verbindungsweg in den Süden Europas die Vorbedingungen für die starken Handelsbeziehungen von Deutschland und NRW mit den Niederlanden.


[1] Vgl. CBS: Duitsland, de belangrijkste handelspartner. Artikel vom 30. Juni 2009, Online.
[2] Vgl. IT.NRW: Niederlande weiterhin wichtigster Handelspartner der NRW-Wirtschaft. Pressemitteilung vom 22. Oktober 2009, Online.
[3] Vgl. Willink, Bastiaan: De Tweede Gouden Eeuw. Nederland en de Nobelprijzen voor natuurwetenschappen 1870-1940, Amsterdam 1998.

Autor:
Robert van der Veen
Erstellt:
November 2009
Aktualisiert: Dezember 2013


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Beukering, C.H.J. van: Der deutsch-niederländische Handel und die deutsche Agrareinfuhr in den Jahren 1920-1940, Mainz 1953 (zugl. Diss. Mainz 1953).

Hellema, Duco: Neutraliteit & Vrijhandel. De geschiedenis van den Nederlandse buitenlandse betrekkingen, Utrecht 2001.

Klemann, Hein A.M.: Tussen Reich en Empire. De economische betrekkingen van Nederland met zijn belangrijkste handelspartners: Duitsland, Groot-Britannië en België en de Nederlandse handelspolitiek 1929-1936, Amsterdam 1990.

Paridon, Kees van/Greup, E.K./Ketting, A.: De handelsbetrekkingen tussen Nederland en de Bondsrepubliek Duitsland, Den Haag 1982.

Wielenga, Friso/Klemann, Hein A.M. (Hrsg.): Deutschland und die Niederlande. Wirtschaftsbeziehungen im 19. und 20. Jahrhundert, Münster 2009.

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