Wirtschaft- Kurzbeitrag



Schlechte Deutschkenntnisse = schlecht für Handel


Schlechte Deutschkenntnisse kosten Holland sehr viel Geld, meint Paul Sars. „Wir müssen uns mehr anstrengen, um die Gunst der Deutschen zu gewinnen“, sagt Professor Paul Sars von der Uni Nimwegen. Er macht sich Sorgen über die schlechten Deutschkenntnisse seiner Landsleute. Galt es jahrelang als selbstverständlich, dass Niederländer einigermaßen Deutsch sprechen, ist die deutsche Sprache heute nur bei wenigen noch bekannt. „Diese Entwicklung schadet unserer Wirtschaft“, sagt Paul Sars. „Nach Schätzungen der niederländischen Exportwirtschaft kosten uns die schlechten Deutschkenntnisse jedes Jahr sechs Milliarden Euro.“ Bei einem Exportvolumen von 56 Milliarden Euro in Richtung Deutschland eine nicht zu vernachlässigende Größe.

Paul Sars geht hart mit seinen Landsleuten ins Gericht: „Was den Umgang mit Deutschland betrifft, sind die Niederländer ziemlich naiv. Sie glauben immer noch, dass sich seit der deutschen Wiedervereinigung für sie nichts verändert hat. Aber Deutschland ist zu einer Weltmacht geworden und die Niederlande sind nur noch ein Nachbar unter vielen“, so Sars. Der kleine Nachbar müsse verstärkt um die deutsche Aufmerksamkeit buhlen.

Auch wenn die Zahl der Studenten in Nimwegen in diesem Jahr von elf auf 20 gestiegen ist, sei dies kein Grund zu Entwarnung. „Niederländer überschätzen sich, was ihre Fremdsprachenkenntnisse betrifft, maßlos. Einer Umfrage der Uni-Nimwegen zufolge glaubte ein Großteil der Befragten, dass sie problemlos einen deutschen Geschäftsbrief formulieren könnten. Schließlich sehe man ja ab und zu deutsches Fernsehen. Nun, das Ergebnis war vernichtend“, erzählt Sars. Selbst in niederländischen Qualitätszeitungen fällt auf, dass deutsche Wörter fast immer falsch geschrieben werden.

Stimmungswandel unter den Studenten

Gleichwohl registriert Sars unter den jungen Studenten einen Stimmungswandel: „Das Interesse für Deutschland scheint zurückzukommen. Es ist längst nicht mehr altmodisch, in Deutschland Urlaub zu machen. Ja es ist sogar ein bisschen cool“, so Sars. Im kommenden Jahr wird an den weiterführenden Schulen die zweite Fremdsprache zur Pflicht. „Und davon könnte das Fach Deutsch profitieren.“

Die Niederlande und Deutschland unterhalten nach wie vor sehr intensive Handelsbeziehungen. Deutschland ist der wichtigste Absatzmarkt für die Niederlande. Jedes Jahr werden Waren und Dienstleistungen im Wert von 56 Milliarden Euro exportiert und gut 40 Milliarden importiert. Daher wundert es Sars, warum so wenige die deutsche Sprache lernen wollen. Niederländische Unternehmen würden händeringend Fachpersonal mit guten Sprachkenntnissen suchen.

Sars kommt es so vor, als hätten die Niederländer Deutschland in der Vergangenheit schlichtweg vergessen. Um das Verhältnis zu Deutschland nachhaltig zu verbessern, schlägt Sars fünf Aktionspunkte vor: Zum einen möchte er die deutsche Sprache verstärkt in den Unterricht der weiterführenden Schulen einbauen. „Dabei geht es vor allem auch um das Verhältnis zwischen den Niederlanden und NRW, das wichtigste Bundesland für uns.“ Ferner sollten Austauschprogramme an Schulen intensiviert werden. Als Dekan der Geisteswissenschaften hat er den Donnerstag zum Deutschlandtag an der Uni-Nimwegen erklärt. Am Donnerstag gibt es keine Vorlesungen oder Seminare - die Gruppe Deutschlandstudien fährt mit einem Pendelbus nach Duisburg und hört sich dort Vorlesungen an.

In Vorbereitung ist ein großer Kongress für mittelständische Unternehmen vom Niederrhein, der den Austausch von Informationen zum Ziel hat. „Ich möchte, dass jeder Student mal ein Praktikum in einem deutschen Unternehmen gemacht hat“, so Sars.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2008


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