Die Betuweroute


IX.
Nord-Ost-Verbindung und Ijzeren-Rijn


Bis 1999 waren zwei Ausweichstrecken für den Güterverkehr zwischen dem Rotterdamer Hafen und Deutschland im Gespräch. Die so genannte Nord-Ost-Verbindung sollte das Güteraufkommen bei Zevenaar entlasten, indem ein Teil des Verkehrs über Oldenzaal gelenkt wird. Die Strecke Ijzeren Rijn (dt.: Eiserner Rhein), die von Antwerpen nach Roermond führt, sollte eine Parallelstrecke zur Betuweroute bilden.

Nord-Ost-Verbindung

Das niederländische Parlament stellte 1995 eine Anfrage an das Verkehrsministerium, um die Machbarkeit und Rentabilität einer Nord-Ost-Verbindung zu prüfen. Das Ministerium kam dem Wunsch in der Trajectnota/MER nach. Hierin wurden Nutzen und Notwendigkeit, alternative Strecken, Kosten und Rentabilität untersucht. Das Ministerium kam zum Ergebnis, dass eine Nord-Ost-Verbindung zu teuer sein würde – mit drei bis fünf Milliarden Gulden.

Über die Nord-Ost-Verbindung wurde heftig diskutiert. In der Bevölkerung war der nördliche Arm der Betuweroute sehr umstritten. Bis September 1999 registrierte das Ministerium fast 14.000 schriftliche Einwände. Ministerin Tieneke Netelenbos (PvdA) notierte damals: „Der Umfang der Einwände lässt erkennen, dass die Strecke umstritten ist. Jedwede Anpassungsmaßnahmen würden die jetzt schon hohen Investitionskosten weiter erhöhen. (...) Durch die mir vorliegenden Informationen und Einwände zweifele ich an einer neuen Strecke.“ Damit war die Nord-Ost-Verbindung vom Tisch. Nur 35 Züge am Tag würden ab 2015 die Strecke befahren – zu wenig.

Ijzeren Rijn

Der Ijzeren Rijn ist eine im 19. Jahrhundert gebaute Güterzugstrecke zwischen Antwerpen und Deutschland. Die Trasse verläuft über Weert und Roermond und führt via Dahlheim nach Mönchengladbach-Rheydt. Dort mündet sie in die Strecke Köln-Venlo. Die Strecke ist eingleisig und nicht elektrifiziert, hat aber relativ wenig Höhenunterschiede. Das ist für den Güterverkehr günstig. 1991 wurde der Verkehr eingestellt und zwischen Roermond und der Bundesgrenze stillgelegt.

Der Ijzeren Rijn war 1995 Gegenstand der parlamentarischen Diskussion. In der Notitie Betuweroute unterstrich Ministerin Netelenbos noch einmal die Argumente, die gegen eine Wiederbelebung der Strecke sprechen (siehe auch Kapitel V. Notitie Betuweroute):

  1. Deutschland habe immer darauf gedrängt, dass der Hauptstrom der Güter über Zevenaar die Grenze passiert, aufgrund der guten Verbindungen zum Ruhrgebiet.
  2. Das Schienennetz zwischen der Randstad und dem Ijzeren Rijn ist zu klein. Auf den Gleisen kann der Güterverkehr nicht abgewickelt werden.
  3. Auch der Ijzeren Rijn selbst hat nicht genügend Kapazitäten, um einen Großteil der Gütermengen abzuwickeln.

Das niederländische Verkehrsministerium sieht aus diesen Gründen im Ijzeren Rijn keine Alternative für die Betuwe.

Natürlich bleibt zu notieren, dass das Ministerium auch gar kein Interesse daran haben kann, eine Parallelstrecke zur Betuweroute in Betrieb zu nehmen, die nur als Konkurrenz gewertet werden kann. Für die Betuwe wird der niederländische Steuerzahler tief in die Tasche greifen müssen. Eine optimale Auslastung der Strecke ist daher für das Ministerium Pflicht.

Trotzdem wurde drei Jahre später noch einmal über den Ijzeren Rijn diskutiert. Auf Druck der Nachbarländer Deutschland und Belgien wurde die Option Ijzeren Rijn noch einmal diskutiert. Ab 1998 prüfte eine Arbeitsgemeinschaft aus Vertretern der Ministerien und der Bahnen, ob die Strecke hätte reaktiviert werden können. Im Mai 2001 sprachen sich die Gutachter für die Wiederaufnahme des Betriebes auf der historischen Trasse aus. Das niederländische Verkehrsministerium blieb skeptisch.

In Deutschland legte NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) im Frühjahr 2007 eine umfangreiche Studie vor, die fünf Streckenverläufe in Deutschland prüfte. Der Minister wollte gerne eine neue Strecke entlang der Autobahn A52 vom Schwalmtal nach Krefeld bauen. Auch hier zeigten sich die Niederländer skeptisch. Wenn schon der Eiserne Rhein gebaut werden solle, dann auch gerne via Venlo, so ihr Wunsch. In Venlo könnten Güter umgeschlagen werden.

Der Eiserne Rhein ist tot

Seit 2008 liegen die Planungen für den Eisernen Rhein jedoch gänzlich auf Eis, weil sich die Regierungen in Den Haag, Brüssel und Berlin nicht über eine Finanzierung hatten einigen können. Dass der Ausbau der Strecke in den nächsten Jahren sehr unwahrscheinlich sei, wurde auch in jüngerer Zeit wieder bestätigt: Im Januar 2011 erklärte der Viersener CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer: „Die Strecke ist auf 20 Jahre tot“. Das Bundesverkehrsministerium werde das Projekt Eiserner Rhein in den nächsten Jahren nicht anpacken. In dieselbe Kerbe hieb eine Studie der Katholieke Universiteit Leuven (Belgien) aus dem Sommer 2011, die zu dem Ergebnis kam, dass die durch die Reaktivierung der historischen Strecke entstehenden Kosten sich auf Jahre hinaus nicht rentieren würden.

Multimodale Transportzentrum (MTC)

Das Multimodale Transportzentrum (MTC) in Valburg bei Nimwegen galt lange Zeit für den Logistikstandort Niederrhein als Schreckgespenst, insbesondere für den Containerhafen in Emmerich und das Duisburger Trimodal Terminal (DIT). Das MTC war die gelderländische Antwort auf die Betuwelijn. Durch den Güterumschlagplatz hoffte man in der Region an der Güterstrecke mitzuverdienen, die ansonsten nur Probleme verursachte. Es sollten 7.000 Arbeitsplätze entstehen. Vorgesehen waren ein Containerterminal, ein Hafen und große Gewerbegebiete. Doch die Rechnung ging nicht auf. An einer Verladung von Schiff auf Straße oder Bahn bestand kaum Interesse. Im September 2002 stoppte das Verwaltungsgericht Raad van State das Vorhaben. Nach Meinung der Richter hatten die Projektentwickler nicht ausreichend deutlich machen können, warum ein so großer Hafen, ein 200 Hektar großes Industriegebiet und ein Güterumschlagplatz vonnöten sind. Das MTC verursache zu starken Lärm und sei ein heftiger Eingriff in die Betuwe-Landschaft. Anderthalb Jahre nachdem die MTC-Pläne begraben wurden, legte die Provinz Gelderland erneut einen Plan zur Errichtung eines Güterbahnhofes in Valburg vor – auf dem gleichen Gelände, auf dem einst das MTC entstehen sollte. Der Umschlagplatz soll auf zehn Hektar errichtet werden, in der Nähe der Autobahn 15. Hier sollen Container von LKW auf die Betuwelijn Richtung Deutschland geschickt werden.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt:
Dezember 2009
Aktualisiert: März 2013


Links

Wichtige Links im Bereich Wirtschaft finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen in unserem Archiv - Kurzbeitrag Wiederaufnahme des Eisernen Rhein

Oberhausener Bürgerinitiative gegen die Betuweroute Betuwe - so nicht

Informationen rund um die Betouweroute kennis.betuweroute.nl

Nld. Eisenbahninfrastruktur- untenehmen Keyrail

Niederländisches Ministerium für Infrastruktur und Umwelt Ministerie van Infrastructuur en Milieu

Nld. Bundesbahn Nederlandse Spoorwegen

Behörde des nld. Verkehrsministeriums, die sich um die Straßen- und Wegeinfrastruktur kümmert Rijkswaterstaat

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Algemene Rekenkamer: Beleidsinformatie Betuweroute, 27195,'s-Gravenhage 2000. Onlineversion

Algemene Rekenkamer: Aanleg Betuweroute Projectbeheersing en financiering, 28070,'s-Gravenhage 2001. Onlineversion

Algemene Rekenkamer: Risico-reservering voor de Betuweroute en de HSL-Zuid,'s-Gravenhage 2003.

Ministerie van Verkeer en Waterstaat: Voortgangsrapportage Betuweroute, Den Haag 1999. Onlineversion

Commissie Duivesteijn: Onderzoek naar Infrastructuurprojecten, o.O. 2005. Onlineversion

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