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Albert Heijn

*Zaandam, 25. Januar 1927 – † Hereford, 13. Januar 2011 – Unternehmer und Vorsitzender der Supermarktkette Albert Heijn (AH)

Albert Heijn

Albert Heijn im Jahr 1984, Quelle: NA (932-9426)

Albert Heijn gilt als Vater des niederländischen Supermarktes. Von 1962 bis 1989 war er der Vorsitzende des wohl bekanntesten Supermarktunternehmens der Niederlande und revolutionierte nicht nur das Prinzip des Einkaufens. Heijn gehörte auch zu den Mitentwicklern des Barcodes und machte die Selbstbedienung in Supermärkten – die zu damaliger Zeit als revolutionär galt und zahlreichen anderen Betrieben und Unternehmen als neues innovatives Einkaufsmodell diente – salonfähig.

Heijn wurde 1927 im niederländischen Zaandam geboren, wo er in einem gut situierten Umfeld aufwuchs. Hierfür hatte vor allem sein gleichnamiger Großvater, Albert Heijn sr. (1865-1945), gesorgt, der nicht nur von einer guten Erbschaft profitiert sondern durch seine Verbindung mit Neeltje de Ridder auch reich geheiratet hatte. So konnte Heijn sr., welcher 1887 mit dem ersten Lebensmittelladen zunächst nur ein kleines Familienunternehmen gegründet hatte, seinen Söhnen und dessen Kindern einen gewissen Luxus bieten. Der kleine Laden expandierte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts enorm, sodass Heijn sr. in den 1920er Jahren über 75 Geschäfte in den Niederlanden verfügte und beinahe 400 Angestellte beschäftigte. Die Familie Heijn konnte sich nicht nur ein Wochenendhaus in Amsterdam, sondern auch ein Sommerhaus an der niederländischen Küste im Ort Bergen aan Zee leisten. Albert Heijns Mutter soll die Kinder zudem nach der neusten Pariser Mode gekleidet haben und die Familie besaß mehrere amerikanische Sportwagen der Marke Buick.

Doch so gut Heijn auch finanziell und materiell versorgt war, war seine Kindheit dennoch nicht einfach. Albert Heijn erkrankte schon früh an Kinderlähmung. War er bis dahin ein sehr aufgeweckter und unternehmenslustiger Junge, so konnte er sich nach seiner Erkrankung nicht mehr seinen Lieblingsbeschäftigungen Judo, Schlittschuhlaufen, Schwimmen und Segeln widmen. Mit 17 Jahren musste Heijn aufgrund einer Lähmungserscheinung sogar ein ganzes Jahr das Bett hüten, schloss aber trotz seiner schweren Krankheit die Schule erfolgreich ab. Hatte Heijn während seiner Jugend eher wenig Interesse an einer Beteiligung im Familienunternehmen gezeigt, welches inzwischen unter der Leitung von Vater und Onkel noch weiter gewachsen war, entschied er sich nach seinem Schulabschluss dennoch zu einem Wirtschaftsstudium an der Universität von Amsterdam, welches er allerdings bereits zwei Jahre später abbrach. Für Heijn, der sich mehr für Praxis interessierte, verlief das Studium zu theoretisch. Stattdessen besuchte er ab 1946 die Wirtschaftsuniversität Nyenrode, welche ihm später (1992) einen Ehrendoktortitel verleihen sollte.

Mit seinem Diplom in der Tasche ging Heijn 1949 zunächst nach London und danach in die Schweiz. Dort wollte er neue Erfahrungen sammeln. Schon zwei Jahre später heiratete Heijn nicht nur seine erste Ehefrau, Herma Schipper, sondern wurde auch in das Familienunternehmen vollkommen involviert: Sein Vater überließ die ihm Leitung eines Supermarktes, in welchem das Prinzip der Selbstbedienung getestet werden sollte. Das Prinzip wurde ein voller Erfolg. Am ersten Tag hatte der Laden einen Umsatz wie andere Märkte in einer ganzen Woche. Heijn sagte später einmal selbst: „Schon morgens standen die Menschenreihen wartend vor der Tür. Viele hatten sogar ihre besten Kleider angezogen.“

Heijn entpuppte sich als wahres Führungsgenie, weshalb er 1962 zum Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens ernannt wurde und zusammen mit seinem Bruder Gerrit Jan die Ladenkette, die inzwischen 215 Märkte umfasste, übernahm. In den Jahren, in denen er als Vorstandsvorsitzender tätig war, suchte er immer wieder nach Verbesserungen und neuen Konzepten. So führte Heijn nicht nur den Einkaufswagen in den Supermärkten ein, sondern war auch an der Entwicklung des Barcodes beteiligt. Heijn setzte sich für seine Idee ein, dass dieser uniforme Artikelcode aus 13 Ziffern bestehen sollte, was letztlich in 60 Ländern der Welt anerkannt wurde. Aber Heijn galt nicht nur als engagierter Geschäftsmann, er war auch ein charismatischer Leiter mit einer warmen Ausstrahlung, der stolz auf seine Herkunft und seinen Beruf als Lebensmittelhändler war. Er selbst soll sich immer als „kruidenier“ (dt. Krämer) bezeichnet haben. Kunden und Mitarbeiter standen bei ihm stets an erster Stelle.

War sein berufliches Leben von großem Erfolg geprägt, so gestaltete sich Heijns Privatleben weniger rosig. Seine Ehefrau Herma litt an starken Depressionen und wurde alkoholabhängig. Die Scheidung erfolgte in den 70er Jahren. Heijn verliebte sich daraufhin zunächst in eine langjährige Freundin der Familie, Loes Keller – doch auch diese Ehe sollte nicht lange halten. Nachdem sich Albert Heijn in eine ehemalige Mitarbeiterin des Familienunternehmens, Olga van der Poel, verliebt hatte, nahm sich Loes Keller 1982 das Leben. Zwei Jahre danach heiratete Heijn Olga van der Poel. Die Ehe sollte bis zu Olgas Tod sechs Jahr später halten. Bis heute ist man sich nicht ganz sicher, ob die Ehe mit Olga van der Poel der Auslöser war oder überhaupt eine Rolle gespielt hatte – doch ein unabhängiger Berater urteilte, dass statt Albert sein Bruder Gerrit Jan den Vorstandsvorsitz übernehmen sollte. Für Albert war dies ein hartes Urteil. Doch noch härter traf ihn die Entführung seines Bruders Gerrit Jan im Jahr 1987. Obwohl die Familie die Bedingungen des Geiselnehmers erfüllte, wurde 1989 die Ermordung seines Bruders bekanntgegeben. Später stellte sich heraus, dass Gerrit Jan unmittelbar nach seiner Entführung ermordet worden war. Albert Heijn, der in der Zwischenzeit wieder als Vorstandsvorsitzender tätig gewesen war, trat noch im selben Jahr, am 1. September 1989, von seinem Posten zurück.

In den darauffolgenden Jahren litt Heijn zunehmend an den Folgen seiner langjährigen Erkrankung. Das Post-Polio-Syndrom ist eine Folgeerscheinung der Kinderlähmung und tritt mehrere Jahrzehnte nach der Infektion auf. Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Atembeschwerden und teilweises Muskelversagen machten ihm zu schaffen. Dennoch unterhielt Heijn bis zu seinem Tod zusammen mit seiner vierten Frau, Monique Everwijn Lange, die er 1992 geheiratet hatte, einige Geschäfte, eine Brasserie, ein Restaurant und ein Bed-and-Breakfast. Heijn verstarb am 13. Januar 2011 im Schlaf in seinem Haus in Pudleston Court in seiner Wahlheimat England. Schon zehn Jahre zuvor hatte er festgelegt, was auf seinem Grabstein geschrieben stehen sollte. In Anlehnung an den englischen Ausdruck „We´re getting there“ (dt. „Wir schaffen das“) sollte auf seinem Grabstein stehen: „I got there“ (dt. „Ich habe es geschafft“).

Autor: Agnes Sieland
Erstellt: Januar 2011


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Wirtschaft finden Sie unter Bibliographie

Smit, J.: Het drama Ahold, Amsterdam 2004.

Links

Wichtige Links aus dem Bereich Wirtschaft finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen zur Supermarktkette Albert Heijn finden Sie unter Organisationen A-Z

Weitere Informationen zur Firma Ahold in unserer Rubrik Organisationen A-Z

Offizielle Homepage AH - Albert Heijn


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