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Anton Herman Gerard 'Anthony' Fokker

* Java, 6. April 1890 - † New York, 23. Dezember 1939 - Luftfahrtpionier und Flugzeughersteller

Anthony Fokker
Anthony Fokker in seiner "Spin", Quelle: NA (913-4395)

Auch wenn er das Flugzeug nicht erfand, kann der Niederländer Anton Herman Gerard ‘Anthony’ Fokker (*1890 - 1939) mit Recht als einer der größten Luftfahrtpioniere der Geschichte bezeichnet werden. Der auf Java geborene Sohn eines niederländischen Kaffeehändlers drückte der weiteren Entwicklung der Fliegerei seinen Stempel auf. Nach seiner Schulzeit in den Niederlanden – die er übrigens nicht beendete – wurde er in Berlin und später in Schwerin Direktor seiner eigenen Flugzeugfabrik. Seine innovativen Entwicklungen machten die deutschen Kampfflugzeuge im Ersten Weltkrieg zu den fortschrittlichsten der damaligen Zeit.

Fokker interessierte sich bereits zu junger Lebzeit für Luftfahrt und Technik. Bereits im Alter von 20 Jahren, 1910, baute er sein erstes selbst entworfenes Flugzeug. „Als ich ein Junge war, war ganz Europa nach Flugzeugen verrückt. Die Namen von Bleriot, den Gebrüdern Voisin, Framan und Delagrange und Santos-Dumont waren in aller Munde. 1908 war Wilbur Wright nach Frankreich gekommen und hatte einen Weltrekord erzielt, indem er es schaffte mit seinem Zweidecker 31 Minuten und 25 Sekunden in der Luft zu bleiben.  Eine enorme Leistung!” berichtete er später über jene Zeit, in der er erstmals mit der Fliegerei in Berührung kam. Sein Vater – Fokker stammte aus einem besseren Milieu – stempelte seine Ambitionen Pilot zu werden zunächst als „eine irrsinnige Idee“ ab. Aber Fokker setzte sich durch: „Die Natur hat mir nun mal einen Geist gegebenen, der wunderbarerweise aus Widrigkeiten viel Kraft schöpft.” In den Niederlanden bestand damals noch wenig Interesse für seine Erfindungen, weshalb Fokker beschloss sich dauerhaft in Deutschland, wo er seinen Flugschein machte, niederzulassen. In Johannisthal nahe Berlin errichtete Fokker das Unternehmen Aeroplanbau – später siedelte es  nach Schwerin in Pommern um.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, produzierte Fokker Jagdflugzeuge für das deutsche Heer. Der von Ingenieuren seiner Firma entwickelte Synchronautomatismus, der es ermöglichte mit einem Maschinengewehr aus einer Propellermaschine zu schießen, machte die deutschen Flugzeuge zu den Fortschrittlichsten des Kampfschauplatzes. Der berühmte deutsche Flieger Manfred von Richthofen flog eine rot eingefärbte Fokker, der er seinen Spitznamen „Roter Baron” verdankte. Die Fokker DR 1, mit ihren drei markanten, übereinander angebrachten Flügeln, wurde zu einer Ikone des Kampfes während des Ersten Weltkrieges. Nach dem Krieg kehrte Fokker in die Niederlande zurück. Mit finanzieller Unterstützung reicher Privatpersonen, zu denen auch die Familie Fentener van Vlissingen gehörte, verlegte Fokker sein Unternehmen in die Niederlande, wo es als niederländische Flugzeugfabrik durchstartete. In den Wirren der deutschen Kapitulation im Jahr 1918 gelang es ihm, eine große Anzahl Fokker-Flugzeuge des deutschen Heers in die Niederlande zu schmuggeln. Bis zum Zweiten Weltkrieg sollten diese Fokker-Maschinen Bestandteil der niederländischen Luftwaffe bleiben.

In den 20er und 30er Jahren gehört Fokkers Fabrik zu den größten Flugzeugproduzenten der Welt. Fokker hatte die Niederlande da bereits wieder verlassen. Bereits 1922 hatte er mit der Ausdehnung seines Unternehmens in den Vereinigten Staaten begonnen und baute nun neben Jagdflugzeugen auch Verkehrsflugzeuge. Nach der Wirtschaftskrise im Jahr 1929 musste Fokker sein amerikanisches Unternehmen verkaufen. 1931 ließ er, mit 41 Jahren, von einem Ghostwriter eine Biografie mit dem Titel “De vliegende Hollander” verfassen. Dieser Ehrenname, der sich auf eine Legende des 17. Jahrhunderts bezieht, ist bis heute mit der niederländisch Luftfahrt und insbesondere mit der nationalen Luftfahrtgesellschaft KLM verknüpft geblieben.

Fokker starb 1939 in New York an den Folgen einer auf den ersten Blick harmlosen Nasenoperation. Die nach ihm benannte Flugzeugfabrik war, in abgespeckter Weise, bis 1996 aktiv. Der Konkurs des Fokker-Unternehmens wurde in den Niederlanden sehr bedauert.

Autor: Lennert Savenije
Erstellt: Dezember 2008


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Wirtschaft finden Sie unter Bibliographie

Fokker, A./ Gould, B.: De Vliegende Hollander, Amsterdam 1931.

Links

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Informationen zu Fokker (mit viel Bildmaterial) geschiedenis.nl


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