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Wim Duisenberg

* Heerenveen, 9. Juli 1935 - † Faucon, 31. Juli 2005 - Ökonom, Politiker und erster Präsident der Europäischen Zentralbank

Wim Duisenberg
Wim Duisenberg im Jahr 1973, Quelle: NA (926-3683)

"Mister Euro" wurde Wim Duisenberg genannt, nachdem er als erster Präsident der Europäischen Zentralbank für die Einführung des Euros als neue europäische Münzeinheit im Jahr 2002 verantwortlich gewesen war.

Duisenberg, der am 9. Juli 1935 im friesischen Heerenveen geboren wurde, legte sich während seines Studiums in Groningen auf internationale wirtschaftliche Beziehungen fest. 1965 promovierte er an der Groninger Universität in den Wirtschaftswissenschaften. Kurz darauf verließ er die Niederlande: Duisenberg übernahm eine Stelle bei dem Internationalen Währungsfonds in Washington DC.

Nach drei Jahren in den USA kehrte Duisenberg in die Niederlande zurück. Er folgte einem Ruf der Universität Amsterdam und übernahm dort eine Professur in der Volkswirtschaftslehre. Auch diesmal ließ der umtriebige Ökonom sich allerdings nicht lange binden: als die sozialdemokratische Partei (PvdA) 1973 unter Leitung Joop den Uyls die Regierung übernahm, wurde der Sozialdemokrat Duisenberg Finanzminister. Dieser neue Posten war überaus anspruchsvoll, denn die neue Regierung war mit großen Plänen angetreten. Führende Regierungsmitglieder wollten eine stärkere Nivellierung der Löhne bewirken und setzten außerdem auf eine Wiederbelebung keynesianischer Finanzpolitik. Duisenberg, der gleichzeitig mit den wirtschaftlichen Folgen der Ölkrisen konfrontiert wurde, plädierte hingegen für eine vorsichtigere Finanzpolitik. Er bezog unter anderem Stellung gegen eine zu starke Ausdehnung des öffentlichen Bereichs, konnte sich aber in der Regierung häufig nicht durchsetzen.

Als die Formierung eines zweiten Kabinets Den Uyl 1977 misslang, folgte Duisenberg seinem politischen Führer in das Parlament. Bereits nach einem Jahr suchte er sich aber eine neue Herausforderung: er wand sich dem Bankwesen zu. 1978 wurde er zunächst Vizepräsident der niederländischen Rabobank, 1981 dann Direktor der "Nederlandsche Bank", der niederländischen Zentralbank. Hier zeichnete er sich während seiner sechzehnjährigen Amtszeit durch seine vertrauenerweckende Art und seine zurückhaltende Finanzpolitik aus. Er hielt an der Kopplung des niederländischen Guldens mit dem Kurs der Deutschen Mark fest. Auch in der Rentenpolitik orientierte er sich an den Entscheidungen der Deutschen Zentralbank.

Duisenbergs solide Amtsführung fand nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in anderen europäischen Ländern Beachtung. Als im Rahmen der wirtschaftlichen Integration Europas die Europäische Zentralbank gegründet wurde, war Duisenberg daher ein wichtiger Kandidat für das Präsidentenamt dieser Bank. Auch die französische Regierung erhob jedoch Anspruch auf diesen Posten, weshalb es zu einem Kompromiss kommen musste. Duisenberg trat 1998 als erster Präsident der Europäischen Zentralbank mit einem französischen Stellvertreter an, nach mindestens vier Jahren würde er zugunsten des Franzosen Jean-Claude Trichet zurücktreten. Der offizielle Amtswechsel erfolgte 2003.

Aufsehen erregte 2002 die Nachricht, dass am Haus Duisenbergs eine palästinensische Fahne zu sehen war. Diese hatte Duisenbergs zweite Ehefrau, Gretta Duisenberg (geb. Nieuwenhuizen), eine Vorkämpferin der palästinensischen Sache, aufgehängt. Duisenberg distanzierte sich nicht öffentlich von dem Engagement seiner Frau, die Fahne wurde aber abgehängt, um die Aufmerksamkeit der Medien zu lindern.

Nach seinem Rücktritt als Präsident der Europäischen Zentralbank übernahm Duisenberg verschiedene kleinere wirtschaftliche Ämter, wie beispielsweise als Kommissar mehrerer Betriebe. Am 31. Juli 2005 starb er plötzlich in seinem Haus im französischen Faucon. Die nationale und internationale Öffentlichkeit zeigte sich betroffen. Duisenberg wurde nach einer Gedenkfeier im Amsterdamer "Concertgebouw" in Amsterdam beigesetzt.

Autor: Peter van Dam
Erstellt: Juli 2008


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Wirtschaft finden Sie unter Bibliographie

Haas, B. de/Lotringen, C. van: Mister EURO. Een biografie van Wim Duisenberg, Amsterdam 2005.

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Biographie Duisenbergs Who is Who


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