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Gewerkschaften


Die Niederlande kennen ein breites Netz gewerkschaftlicher Organisationen, deren Wurzeln sich konfessionell und ideologisch unterscheiden. Die größten Gewerkschaften sind die Federatie Nederlandse Vakorganisaties (FNV) und der Christelijk Nationaal Vakverbond (CNV), die zirka 78 Prozent aller Gewerkschaftsmitglieder vertreten.

Die größte und tonangebende Gewerkschaft ist die FNV unter Leitung der Vorsitzenden Agnes Jongerius. Die FNV hat 1,2 Millionen Mitglieder und entstand 1982 aus einem Zusammenschluss des sozialistischen Gewerkschaftsbundes NVV (Nederlandse Verbond van Vakbewegingen) und der katholischen KNV (Nederlands Katholiek Vakverbond). Die FNV organisiert 63 Prozent aller 1,9 Millionen niederländischen Gewerkschaftsmitglieder und schließt 1.300 Tarife ab. Die Hauptziele der FNV: kontrollierte Lohnentwicklung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen. „Unser Motto lautet: Jeder, der arbeiten möchte, hat Recht auf Arbeit. Unsere größte Aufgabe ist es, so viele Menschen wie möglich am Arbeitsprozess zu beteiligen“, so der FNV-Vorstand.

In den vergangenen Jahren hat es Fusionen innerhalb der FNV gegeben, in der heute 16 Gewerkschaften vereinigt sind. Innerhalb der FNV gibt es zwei große Gewerkschaftsblöcke: die 1998 gegründete FNV-Bondgenoten, ein Zusammenschluss der vier größten Einzelgewerkschaften aus Industrie, Logistik, Nahrungsmittel- und Dienstleistung und der Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst: Abvakabo. FNV-Bondgenoten hat 465.000 Mitglieder und schließt fast 800 Tarife ab. Zusammen mit Abvakabo, die 365.000 Mitglieder hat, bildet Bondgenoten das Schwergewicht innerhalb der FNV. Seit der Gründung hat es viele Tumulte gegeben: Die Führungsspitze war in Machtkämpfe verstrickt und es gab finanzielle Probleme. Ende 2002 schrieb die Gewerkschaft FNV-Bondgenoten pro Tag 250.000 Euro Verlust: Insgesamt 91 Millionen Euro 2002. Hauptursache war der Bau einer Gewerkschaftszentrale in Woerden für 71 Millionen Euro und der Bau von regionalen Niederlassungen.

Von 1992 bis 2005 war Lodewijk de Waal Vorsitzender der FNV und das Gesicht der Gewerkschaft. Er vertrat die FNV im SER und in der Stichting van de Arbeid. De Waal war verantwortlich für die Tarifpolitik im FNV-Dienstenbond (heute Bondgenoten) und wurde bereits 1988 dessen Vorsitzender. Heute wird FNV von Agnes Jongerius geführt, die nach Wim Kok, Hans Pont, Johan Stekelenburg und Lodewijk de Waal die erste Frau im höchsten Amt ist und von der Presse schon als „mächtigste Frau der Niederlande“ goutiert wird. Jongerius hat das Fach von der Pike auf gelernt. Sie war Mitglied im Vervoersbond FNV, wo sie in Rotterdam für die Binnenschifffahrt zuständig war. Seit 2003 war sie hauptverantwortlich für die Tarifpolitik bei FNV.

Mitglieder der FNV-Gewerkschaften: FNV Bondgenoten 465.000, ABVAKABO FNV 365.000, FNV Bouw 150.000, Aob (Lehrer) 74.000, FNV KIEM (Künstler und Medien) 46.500, FNV Horecabond (Gaststättengewerbe) 27.500, NPB (Polizei) 22.500, AFMP (Militär) 20.500, Kappersbond FNV (Friseure) 10.250, NVJ (Journalisten) 5.400, FNV Vrouwenbond 6.100, FWZ (Seefahrer) 6.000, FNV Sport 1.500, VVCS (Fußballspieler) 850.
Als protestantische Gewerkschaft wurde 1909 die CNV gegründet, die zirka 300.000 Mitglieder zählt. Der CNV hält als einzige Gewerkschaft an einer überkonfessionellen Grundlage fest. Programmatisch zeichnen sich beide Gewerkschaften durch eine starke Orientierung am Gemeinwohl aus.

Gut 30 Prozent aller Arbeiternehmer sind in den Niederlanden organisiert. Fast die Hälfte der 1,9 Millionen Gewerkschaftsmitglieder ist im Staatsdienst oder im staatlich getragenen Sektor tätig. 

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2008


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