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Douwe Egberts

Sitz: Utrecht - Gründung: 1753 - Lebensmittelindustrie

Seit 250 Jahren versorgt Douwe Egberts die Niederlande mit dem Nationalgetränk. Napoleon war noch nicht geboren, da haben die Niederländer schon Douwe Egberts Kaffee getrunken. Zugegeben, nicht alle, sondern nur ein paar. Die, die im friesischen Joure gewohnt haben. Denn dort hatte ein gewisser Egbert Douwes einen kleinen Krämerladen. Er verkaufte dort Kaffee, Tee und Tabak: Kolonialwaren aus Asien. Das ging genüsslich. Der 1753 gegründete Laden krebste lange Zeit so vor sich hin. Heute, 250 Jahre nach der Gründung, ist Douwe Egberts, kurz DE, der größte Kaffeehersteller in den Niederlanden und hat sich als „nationale Marke“ etabliert.

Nederland gleich Koffieland

Es gibt kaum eine Nation, die so viel Kaffee verbraucht wie die niederländische. 149 Liter pro Kopf, pro Jahr. Drei Tassen am Tag müssen sein: Im Büro, in der Werkstatt, am Bahnhof, zwischen den Seminaren an der Uni, „gezellig“ im Cafe. Wer ein Päuschen macht, der greift zu Becher oder Tasse, stellt sich an den Automaten: „Kopje koffie?“ Klar, immer doch. „In der Weltrangliste der Kaffeenationen stehen wir auf Platz 5. Nur die Skandinavier trinken noch mehr“, sagt Viola Peulen. Sie arbeitet bei Douwe Egberts, kümmert sich um das Marketing. „Guter Kaffee“, so sagt Viola Peulen, „gehört in den Niederlanden schon fast zu den einklagbaren Arbeitsbedingungen.“

"Aroma rood"

Über dem Fabrikgelände in Utrecht Nord-West hängt ein permanenter Kaffeeduft. „Lekker“ riecht das. Wer von der Zentrale mit Kopfbedeckung und weißem Kittel durch die Straßen des Unternehmens geht, der kann schon Lust bekommen auf eine kleine Tasse Kaffee. Hier in Utrecht werden 70 000 Tonnen im Jahr produziert, weltweit 600 Millionen Euro umgesetzt und noch immer ist die alte Hausmarke „Douwe Egberts Aroma Rood“, original in der dunkelroten Verpackung, das Flaggschiff des Unternehmens. Für diesen Kaffee nahm man als Deutscher in den 80er Jahren lange Wege in Kauf, fuhr über die Grenze und hat heimlich die „zu verzollende Ware“ rübergemacht - pfundweise.

Auch wenn der Trend zu den „neuen Kaffeesorten“, wie Cappuccino oder Espresso geht, Aroma Rood, der kräftige Röstkaffee mit der herrlichen Schaumschicht, bleibt die Marke von Douwe Egberts: „Der Konsument greift blind ins Regal“, sagt Viola Peulen. 65 Prozent Marktanteil hat Douwe Egberts in den Niederlanden, das gilt für Kaffee und Tee. Denn mit der Marke „Pickwick“ gehört auch auf dem Teemarkt der Branchenseller zum Hause DE.

Dass ganz Holland einmal seinen Kaffee trinken wird, daran hat Egbert Douwes natürlich nicht denken können. Der Namensgeber, der bis 1806 das Unternehmen geleitet hat, war auch nicht der Vater des enormen Erfolgs. Der kam viel später mit Cornelis Johannes de Jong, der „zweite Gründer von Douwe Egberts“, wie Viola Peulen sagt. De Jong erweiterte das Unternehmen 1919 von Joures nach Utrecht und machte DE zu einem modernen Konzern. Kaffeehäuser etablierten sich im Land und wurden zum prägenden Bild. In Amsterdam wurden in den 50er Jahren Espressobars eröffnet. Immer war Douwe Egberts Vorläufer und stellte die braunen Bohnen zur Verfügung.

Global Player auf dem Kaffeemarkt

Konzernzentrale DENach 1945 wuchs der Konzern schnell. Niederlassungen in Europa und Amerika machten Douwe Egberts zum Global Player auf dem Kaffeemarkt. Es entstanden Ende der 90er Jahre eigene Douwe Egberts Cafés. Seit 1953 trägt DE das Prädikat „königlich“. Und nicht zuletzt führte Douwe Egberts 1924 das älteste „Sparzegel“-Programm in den Niederlanden ein. Ein Erfolgsschlager. Heute gibt es Rabattmarken in fast jedem Warenmarkt.

Anno 2006 geht es dem Unternehmen prächtig. Die Kaffeemarke „Senseo“, die 2001 eingeführt wurde, hat voll eingeschlagen und eine Revolution in der Kaffeeindustrie eingeleitet. Für eine spezielle Philips-Kaffeemaschine verkauft Douwe Egberts Kaffeepads, jeweils für eine Tasse Kaffee. Anno 2007 hat Douwe Egberts sechs Millionen Senseo-Kaffeemaschinen verkauft. Die Werbekampagne für Senseo musste nach ersten drei Wochen abgebrochen werden, weil man mit der Produktion nicht nachkam. Seit dem Jahr 2006 besitzt Douwe Egberts keine Patentrechte mehr auf ihre Kaffeepads.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2008


Links

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Weitere Informationen befinden sich im Dossier Wirtschafts- und Finanzkrise

Offizielle Homepage Douwe Egberts

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Wirtschaft finden Sie unter Bibliographie

Schürings, Ute: Kaffee und protestantischer Arbeitsethos, in: Schürings, Ute / Michels, Georg / Müller, Bernd (Hrsg.): Zwischen Pommes und Praline. Mentalitätsunterschiede, Verhandlungs- und Gesprächskultur in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Nordrhein-Westfalen, Münster 2003.


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