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Albert Heijn

Gründung: 1887 - Supermarktkette

Albert Heijn
Der erste Albert Heijn Markt in Alkmaar. Heute ist hier ein Schuhgeschäft zu finden, Quelle: Sierag/cc-by-nc-sa

Die Ursprünge des bekanntesten niederländischen Supermarktes liegen in einem kleinen Krämerladen in Zaandam, wo die Familie Heijn Lebensmittel, Kaffee und Backwaren verkaufte. Unter Leitung von Albert Heijn sr. (1865-1945) breitete sich der Familienbetrieb aus. 1927 umfasste die Ladenkette bereits mehr als hundert Filialen. Albert Heijns Enkelsöhne Albert (1927) und Gerrit-Jan Heijn (1931-1987) bauten das Unternehmen des Großvaters zu einem multinationalen Konzern mit Supermärkten auf der ganzen Welt aus. Nach Ansicht des Journalisten und Historikers Mathijs Smit haben Albert und Gerrit-Jan Heijn einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des niederländischen Lebensstandards geleistet. Mit 750 Filialen ist Albert Heijn (AH abgekürzt) heutzutage die größte Supermarktkette der Niederlande.

Gründervater Albert Heijn begann 1918 in seinen zehn Geschäften in der Umgebung von Zaandam neben Kaffee und Keksen auch Produkte unter seinem eigenen Namen zu verkaufen. Das Unternehmen schaffte es, sich erfolgreich im gesamten Land auszubreiten. In fast allen großen Städten des Landes war ein Albert Heijn Laden zu finden, in dem allerhand Lebensmittel, von Süßigkeiten bis zu Waschmittel, zu kaufen waren. Als eines der ersten Lebensmittelgeschäfte der Niederlande verwandelte sich Albert Heijn nach dem Zweiten Weltkrieg in einen modernen Selbstbedienungssupermarkt. 1952 eröffnete Albert Heijn den ersten Selbstbedienungsladen der Niederlande.

Albert Heijn, der gleichnamige Enkelsohn von Albert Heijn, will sich eigentlich nicht dem Familienunternehmen anschließen, entscheidet sich jedoch nach Ende seines Studiums an der Universität Amsterdam und der Handelsschule in Nijenrode doch  - unter anderem aus gesundheitlichen Problemen – für die Arbeit im Unternehmen. Als Mitarbeiter der Hauptgeschäftsstelle des Familienunternehmens erlebt Albert die Umwandlung vom Lebensmittelladen zum modernen Supermarkt mit. 1962 wurde er Vorstandsvorsitzender. Sein jüngerer Bruder Gerrit-Jan wurde ebenfalls Mitglied des Vorstands. Zusammen waren sie für den weiteren Ausbau des Supermarktkonzerns zuständig. Albert Heijn stellte sich mit seinem Unternehmen auf den zunehmenden Wohlstand in den Niederlanden ein. Er führte immer mehr Luxusprodukte in seinen Geschäften ein: so war Albert Heijn der erste Supermarkt in den Niederlanden, in dem exotische Früchte, wie Mangos, verkauft wurden. Zudem stimulierte Albert Heijn durch das Sammeln von Rabattmarken den Kauf von Küchengeräten. „Wir wollten den Kunden auf dem Weg zunehmenden Wohlstandes vorausgehen,” so Albert Heijn. Das Unternehmen führte erfolgreiche Werbekampagnen durch, mit denen der Vorsprung gegenüber der Konkurrenz ausgebaut wurde. „Albert Heijn achtet auf die Kleinen“ ist ein bekannter Slogan, mit dem sich die Einkaufskette als preisbewusster Supermarkt präsentierte. Eben schnell beim ‘Appie (Heijn)’ vorbei gehen, wurde ein niederländischer Ausdruck.

Nicht jeder ist mit Albert Heijn zufrieden. Die Firma wurde wegen der Distribution von Kaffee aus dem kriegsgebeutelten Angola und der Art und Weise, wie Albert Heijn als Marktführer die kleinen Lebensmittelgeschäfte, die lange Zeit für die niederländischen Städte charakteristisch waren, zum Schließen zwang, kritisiert. Als echter Unternehmer sagte Albert einmal: “Kaffee aus einem großen Sack zu schöpfen ist einzigartig, aber zu teuer.”

Unter Leitung von Albert und Gerrit-Jan Heijn expandierte das von Albert Heijn errichtete Mutterunternehmen Ahold auch ins Ausland. Das Unternehmen wurde nun zu einem multinationalen Konzern mit Supermärkten auf der ganzen Welt. Neben dem Erfolg widerfuhr der Familie Heijn aber auch ein großes persönliches Drama. 1987 wurde die Familie von der gewaltsamen Entführung von Gerrit-Jan Heijn getroffen. Der Täter wurde gefasst, aber es stellte sich heraus, dass Heijn nicht mehr am Leben war. Er war kurz nach der Entführung ermordet und in einem Waldgebiet bei Renkum (Provinz Gelderland) begraben worden. Ende der 80er Jahre zog sich Albert Heijn aus der Leitung des Unternehmens zurück. 2003 geriet Ahold ins Gerede, als sich herausstellte, dass der Vorstand betrogen hatte. Topmann Cees van der Hoeven musste zurücktreten und wurde gerichtlich verurteilt. Trotz dieser Unruhen innerhalb des Mutterkonzerns schafften es die Supermärkte von Albert Heijn durch Preissenkungen - wodurch in den Niederlanden der so genannte „Supermarktkrieg“ entbrannte – ihren Marktanteil zu vergrößern.

Albert Heijn gehört heutzutage zu den bekanntesten Geschäftsunternehmen der Niederlande. Neben HEMA ist AH für viele Niederländer das typische Vorbild einer niederländischen Ladenkette. Zu den bekanntesten Eigenprodukten des Supermarktes gehören die Marken „Perla koffie“ – der bereits von Gründervater Albert in Zaandam geröstet wurde – „Zaanse biscuit“ und „Zaanse zoete drop“ (salzige Lakritze). AH profilierte sich als ein typisch niederländisches Geschäft mit Blick für niederländisches Volkstum: zum Königinnentag (30. April) gibt es beispielsweise orange gefärbtes Orangengebäck und zu Sinterklaas (5. Dezember) „Pepernoten“ (Pfeffernüsse) und Schokoladenbuchstaben zu kaufen. Die traditionell blaue Farbgestaltung der Ladeneinrichtung und das Logo (ein miteinander verbundenes a und h) gehören seit Jahr und Tag zu den festen Erkennungszeichen des Unternehmens. Im Freilichtmuseum “Zaanse Schans” im Zaanstreek kann der erste Laden von Albert Heijn (ein vom Unternehmen gesponsertes Replikat) besichtigt werden.

Autor: Lennert Savenije
Erstellt:
Dezember 2008


Links

Wichtige Links aus dem Bereich Wirtschaft finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen zum Supermarktkonzern Koninklijke Ahold finden Sie unter Ahold

Offizielle Homepage AH - Albert Heijn

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Wirtschaft finden Sie unter Bibliographie

Smit, J.: Het drama Ahold, Amsterdam 2004.


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