Bahn investiert in die Grenzregion: mehr Mobilität für Güter und Personen

Die grenzüberschreitenden Verbindungen im Nahverkehr zwischen Nordrhein-Westfalen, den Niederlanden und Belgien werden seit 1996 kontinuierlich ausgebaut. Diese Trendwende - vor 1996 standen die Zeichen auf Stillegung und Streckenrückbau – ist laut NRW-Ministerium für Verkehr, Energie und Landesplanung (MVEL) (inzwischen ist nennt es sich Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW - MBV) eine Reaktion auf die steigende Nachfrage aus der Bevölkerung der Grenzregionen. Vor allem die wachsende berufliche Mobilität der Bürger sei entscheidend für die Tatsache, dass das Angebot der Bahn in den Grenzregionen bis 2003 um 32 Prozent ausgeweitet wurde.

Wettbewerbsfähige Alternative zum Straßenverkehr

Die konsequente Wiederbelebung des Schienenverkehrs ist nicht nur ein Ergebnis der steigenden Nachfrage. Das MVEL nennt in einer Untersuchung vom November 2003 zwei weitere Gründe für ihre neue Verkehrspolitik: zum einen möchte man das Land weiter in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz einbinden (Thalys), zum anderen soll die Schiene eine wettbewerbsfähige Alternative für den Güterverkehr werden und somit langfristig die überfüllten Autobahnen der Region entlasten.

Fünf Züge pendeln regelmäßig

Mitte der 1990er Jahre gab es lediglich eine grenzüberschreitende Verbindung im Nahverkehr. Ende 2003 sind es bereits fünf Strecken – eine nach Belgien und vier in die Niederlande. Die Nahverkehrszüge pendeln regelmäßig zwischen Münster, bzw. Dortmund und Enschede; zwischen Aachen und Lüttich; zwischen Hamm und Venlo; Arnheim und Emmerich und zwischen Stolberg und Heerlen. Zahlreiche neue Verbindungen sind in Planung: darunter Kleve und Nimwegen und Mönchengladbach und Roermond. Da die Nachfrage kontinuierlich steigt, geht das Land von einer baldigen Verwirklichung seiner Pläne aus. Die Verbindung Mönchengladbach-Roermond steht in 2007 und wird durch den RegionalExpress ausgeführt. Die öffentlichen Verkehrsmittel zwischen der Route Kleve-Nimwegen, beschränken sich jedoch nach wie vor auf den Busverkehr.


Optimierung des Personenfernverkehrs

Der Personenfernverkehr ist ebenfalls ein viel versprechender Wirtschaftsfaktor für die Grenzregion, da NRW das “Transitland“ Europas ist. Laut offizieller Planung wird das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz bis 2020 fertig gestellt sein. In der nordrhein-westfälischen Grenzregion sind zwei Strecken – Frankfurt-Brüssel und Frankfurt Amsterdam – in dieses Schienennetz einbezogen. Von der Optimierung des Fernverkehrs versprechen sich die Politiker vor allem einen Zuwachs unter Geschäftsreisenden und Touristen.


2020 doppeltes Güterverkehrsaufkommen denkbar

Ein Ausbau der bestehenden Infrastruktur ist auch für den Güterverkehr unumgänglich. Experten vermuten, dass sich das Aufkommen im grenzüberschreitenden Güterverkehr bis 2020 verdoppeln wird. Vor dem Hintergrund dieser Erwartungen macht sicht das Land NRW
für den Ausbau des Eisernen Rheins und der Betuwe-Linie stark. Mit diesen beiden Projekten soll die Schienenverbindung zwischen dem Ruhrgebiet und den großen Seehäfen in Rotterdam und Antwerpen den zukünftigen Belastungen angepasst werden.
 

Güterversand im Wagenlandungsverkehr aus NRW
Quelle:  IT.NRW 


Jahr
insgesamt
davon
nach
NRW
nach anderen
Bundesländern
grenzüber-
schreitender
Verkehr
in 1.000 Tonnen
1995
105.235 77.059 21.382 6.794
1996
99.986 72.591 20.570 7.825
1997
103.249 74.303 20.628 8.318
1998
95.564 67.864 19.514 8.186
1999
81.992 57.369 16.954 7.669
2000
81.695 56.248 16.946 8.501
2001
74.647 50.387 16.248 8.012
2002
73.233 49.711 15.596 7.926
2003
76.170 51.994 15.754 -
2004
76.002 50.041 15.602 -
2005
73.969 47.245 16.131 -
Güterempfang in NRW nach Hauptverkehrsbeziehungen
Quelle:  IT.NRW


Jahr
insgesamt

davon
aus
NRWs
aus anderen
Bundesländern
grenzüber-
schreitender
Verkehr
in 1.000 Tonnen
1995
92.241 77.059 8.830 6.352
1996
86.415 72.591 7.585 6.239
1997
90.640 74.303 8.672 7.665
1998
86.282 67.864 9.167 9.251
1999
75.477 57.639 9.013 9.095
2000
77.246 56.248 9.962 11.035
2001
72.337 50.387 11.070 10.880
2002
70.335 49.711 10.736 9.888
2003
72.773 51.994 9.883 -
2004
73.578 50.041 11.379 -
2005
70.225 47.245 11.286 -

 

Incodelta: die Zukunft des Güterverkehrs zwischen Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit

In den Niederlanden wird erwartet, dass sich das Güterverkehrsaufkommen in den kommenden zwanzig Jahren nahezu verdoppelt (Studie, 'Komen tot slimme stromen', März 2000). Das Straßennetz ist dem Verkehr dauerhaft nicht mehr gewachsen, es fehlen neue Gewerbegebiete und die Belastung, der die Natur ausgesetzt ist, hat bereits zu irreparablen Schäden geführt.

Neue Impulse für den Güterverkehr

Aus diesem Problembewusstsein heraus entstand 1998 die südniederländische Initiative “Incodelta“. Deren Ziel ist es, neue Impulse zur Entwicklung und Umsetzung von Ideen für die Zukunft des Güterverkehrs beizutragen. In einzelnen Arbeitsgruppen ermitteln Fachleute beispielsweise das Verkehrsaufkommen der Lastkraftwagen über einen bestimmten Zeitraum. Auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse entstehen in der Folge konkrete Maßnahmen zur Optimierung der Infrastruktur. Die Verantwortlichen kümmern sich in erster Linie um die zukünftige Wirtschaftlichkeit des Güterverkehrs. Sie berücksichtigen aber auch die Bedeutung von offenen Fragen zur Wohnsituation, zur allgemeinen Raumordnung und zur Lage der Umwelt in der Region.

Pilotprojekt zur effizienteren Koordination von Schiff- und Bahnverkehr

Eine engere Zusammenarbeit mit der Flämischen Gemeinschaft in Belgien und mit Nordrhein-Westfalen gehört zu den fünf strategischen Punkten der Initiative. Zu den zahlreichen Teilprojekten der Initiative zählt auch die ‘Samenwerking tussen Intermodale Knooppunten in Zuid-Nederland en België’ (SIKZNEB), die in Kooperation mit dem belgischen „“Dienst voor de Scheepvaart“ und dem “NV Zeekanaal België“ aufgebaut wurde. Mit Hilfe einer neuen Schaltzentrale sorgt ein unabhängiger “Regisseur“ für einen effizienteren Transport leerer Container und eine bessere Auslastung von Schiff- und Bahnverkehr. Insgesamt beteiligen sich an diesem Pilotprojekt 24 Unternehmen aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland.


Autor: Oliver Breuer
Erstellt: 2004
Aktualisiert: August 2007