IV. Innovation im Gartenbau

Wer im Glashaus sitzt...
...kann die größte Gartenbauregion Europas werden. Venlo hat das vor. Hektar um Hektar wird überdacht.

Bas van Leeuwen ist schwer beschäftigt. Für den Gartenbauer aus Grubbenvorst beginnt langsam die Saison und sein Geschäft mit Cherry-Tomaten florierte in den letzten Jahren prächtig. In ganz Europa vertreibt er seine kleinen, roten Früchtchen und in der Rhein-Maas Region gehört er mittlerweile zu den größten Produzenten. Vor drei Jahren hat er mit seinem Vater Aad in neue Gewächshäuser investiert und 7,5 Hektar unter Glas gesetzt. Damals waren sie die ersten, die in Grubbenvorst neu gebaut haben und damit den Startschuss für Europas größte Gartenbauregion gaben.

Bas und Aad van Leeuwen sind heute nicht mehr alleine. Im kleinen Grubbenvorst haben sich mittlerweile sieben Gartenbauer zusammengeschlossen, die gemeinsam 150 Hektar mit Gewächshäusern zubauen werden. Bis zum Jahr 2012 soll sich diese Fläche noch verdoppeln.

In der Region rund um Venlo hat man viel vor. Bis zur Gartenbauausstellung Floriade im Jahr 2012 sollen hier die Gartenbaubetriebe aus dem Boden sprießen und auf 1000 Hektar - das ist eine Fläche von zehn mal zehn Kilometern - Gemüse und Obst, Blumen und Stauden unter Glas anbauen. „Greenport Venlo“ heißt das Projekt, mit dem die Grenzregion zum Zentrum des Gartenbaus werden möchte.

Die Ambitionen sind gewaltig. Eine Milliarde Euro sollen in den kommenden sechs Jahren zwischen Gennep, Venray und Venlo im grünen Sektor investiert werden. Neue Gartenbauunternehmen sollen sich ansiedeln, samt dazu gehörigem Handel und Vertrieb. Produktion, Absatz, Forschung und Entwicklung werden so eng miteinander verzahnt, um Vorteile für alle zu schaffen. Bas van Leeuwen erklärt, was die Bündelung der Gartenbauern für seinen Betrieb bedeutet: „Vorteile ergeben sich vor allem aus der gemeinsamen Planung der Infrastruktur. Die Wasserversorgung, die Energiezufuhr und die Elektroinstallationen können wir zusammen planen, einkaufen und somit Geld sparen“.

Konkurrenz mit den Kollegen gebe es nur um die knappen Anbauflächen. „Ansonsten ergänzen wir uns“, sagt van Leeuwen. Der Verkauf der Tomaten geschieht über das nahe gelegene Auktionshaus ZON Fresh Park.

Für den Vertrieb haben sich vor Ort Logistikunternehmen angesiedelt. „Greenport Venlo“ ist ein Plan für die Entwicklung einer ganzen Region und setzt sich aus mehreren Teilprojekten zusammen, die bereits ausgeführt sind oder noch geplant werden. Die traditionellen Gartenbaubetriebe konzentrieren sich in Grubbenvorst und Horst und entlang der Autobahn A 67. Im  Projektgebiet „Trade Park Noord“ haben sich bereits einige Handels- und Vertriebsgesellschaften niedergelassen. So soll es auch in Zukunft weiter gehen. Lebensmittel- und Logistikbetriebe sind erwünscht.

Herzstück des Greenports soll ab 2011 der Greenpark Venlo werden, in dem Unternehmen, aber auch wissenschaftliche Einrichtungen, Forschung und Entwicklung betreiben und junge Unternehmen eine Chance bekommen sollen. „Für uns ist es wichtig, Innovationen zu bündeln. Netzwerke zu schaffen, die für Investoren interessant sein können“, sagt Jan Linssen, Direktor des Projekts Greenpark. Dabei richte man sich nicht so sehr an den klassischen Garten- und Landschaftsbauer, sondern an Unternehmen, die einen Mehrwert liefern, die landwirtschaftliche Produkte weiter verarbeiten. Etwa die Lebensmittel- oder Verpakkungsindustrie, Logistikunternehmen und Unternehmen aus der Informationstechnologie.

Bis zur Floriade, der internationalen Gartenschau im Jahr 2012, soll vieles fertig sein. Die Region Venlo wird für die Infrastruktur 35 Millionen Euro ausgegeben und weitere 35 Millionen Euro wird die Floriade mit ihren großen Gartenanlagen und Ausstellungsflächen verschlucken. Die Gebäude und Parks sollen später von Unternehmen genutzt werden. Für den reibungslosen Übergang sind der Deutsche Sven Stimac von der Floriade und sein holländischer Kollege Jan Linssen vom Greenpark zuständig. Sie entwickeln gemeinsam die Infrastruktur des 66 Hektar großen Greenparks, der ab 2008 umgesetzt wird. „Die Floriade ist für uns ein riesiges Marketinginstrument, um auf die Entwicklungen in dieser Region weltweit aufmerksam zu machen“, sagt Sven Stimac.


Autor: Andreas Gebbink
Erstellt:
Januar 2008