V. Wirtschaftsüberblick: Niederlande

Im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen wird beim Blick auf die niederländischen Beschäftigungszahlen (Tabelle 8) zunächst der geringere Prozentsatz von Beschäftigten im produzierenden Gewerbe deutlich. In dieser Branche waren in den Niederlanden im Jahr 2007 nur knapp 17 Prozent der Angestellten beschäftigt – ein Wert, der sich seit dem Beginn dieses Jahrhunderts nochmals um ganze 3 Prozent verringert hat. Stark ist hier hingegen traditionell der Dienstleistungsbereich und darin auch die Handelsbranche, in der 2007 allein 16,5 Prozent der Beschäftigten tätig waren. Als tragende Säulen für die niederländische Wirtschaft können die Sektoren Dienstleistung, Handel, Industrie und Landwirtschaft eingestuft werden. Der industrielle Zweig setzt sich dabei aus der Verarbeitung von Rohstoffen und mineralen Brennstoffen, der chemischen Industrie wie auch der Elektronik-, Metall, Nahrungs- und der Genussmittelbranche zusammen.[1]

Containerfrachter auf dem Nordseekanal bei IJmuiden
Containerfrachter auf dem Nordseekanal bei IJmuiden
© jchanders
Tabelle 8: Erwerbstätigkeit nach Wirtschaftsbereichen
Anteile an der Gesamtwirtschaft, für 2007 vorläufige Zahlen, Rest auf 100 % nicht angegeben, Quelle: CBS: Statistisch jaarboek 2009, S. 14.
2007
2000 Differenz
Land- und Forstwirtschaft; Fischerei
1,5 % 1,5 % ±0 %
Produzierendes Gewerbe 24,4 % 31,4 % -7 %
Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden 0,4 % 1,1 % -0,7 %
Verarbeitendes Gewerbe 18,3 % 23,5 % -5,2 %
Energie- und Wasserversorgung 1,0 % 1,0 % ±0 %
Baugewerbe 4,7 % 6,0 % -1,3 %
Dienstleistungsbereich 74,2 % 67,0 % +7,2 %
Handel, Gastgewerbe und Verkehr 26,3 % 25,8 % +0,5 %
Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistung 17,8 % 12,6 % +5,2 %
Öffentliche und private Dienstleister 30,0 % 28,6 % +1,4 %


Bei der Betrachtung der Außenhandelszahlen wird die Rolle der Niederlande als Handelsnation noch deutlicher. Demnach wurden im Jahr 2007 Güter im Wert von insgesamt 347,5 Milliarden Euro aus den Niederlanden heraus exportiert. In das Land hinein kamen im gleichen Zeitraum Importgüter im Wert von 307,3 Milliarden Euro. Im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen ist dies bei der Ausfuhr ein fast doppelt so hoher Wert und bei der Einfuhr ein Mehrwert um etwa den Faktor 1,7. Ursächlich für die großen Unterschiede ist die Rolle des großen Seehafens in Rotterdams als Umschlagort für Massengüter aller Art. Der Blick auf die Importzahlen in NRW und den Niederlanden aus Staaten außerhalb der Europäischen Union macht dies deutlich: Während in Nordrhein-Westfalen rund 35 Prozent aus nicht-EU-Ländern importiert wird, sind es in den Niederlanden etwa 43 Prozent. Hier wird die Rolle der Niederlande als internationale Drehscheibe für den Güterverkehr deutlich.[2] Erst jüngst erhöhten sich das Importvolumen um 5,6 Prozent und das Ausfuhrvolumen der Niederlande um 6,4 Prozent, was die Deutsch-Niederländische Handelskammer der erneute Ausweitung des Reexportes als Funktion der Niederlande als Distributionsdrehscheibe zuschreibt. Damit sie ihren Status als Exportspezialist in einem sich weiterhin exponierenden Europa nicht nur beibehalten, sondern auch weiter ausbauen kann, arbeitet man dort unentwegt an neuen infrastrukturellen Maßnahmen und investiert etwa in den Bau und die Erweiterung des Straßen-, Schienen- oder Wasserstraßennetzes.[3]

Zwischen Deutschland und den Niederlanden besteht schon seit etlichen Jahren eine enge Wirtschaftbeziehung, was auch an der Platzierung Deutschlands als wichtigster Handelspartner sowohl im Im- wie im Export deutlich wird. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern zählte mit einem Umfang von 143 Milliarden Euro im Jahr 2007 zu den größten Austauschbeziehungen weltweit. Konkret wurden 2007 Exportgüter im Wert von 81,9 Milliarden Euro aus den Niederlanden nach Deutschland ausgeführt (Tabelle 9). Weit abgeschlagen folgen Belgien (41,4 Mrd. Euro), Großbritannien (31,4 Mrd. Euro), Frankreich (28,5 Mrd. Euro) und Italien (17,2 Mrd. Euro) auf den Plätzen 2 bis 5. Zu den wichtigsten ausgeführten Gütern zählten 2007 in den Niederlanden Maschinen und Fahrzeuge mit einem Gesamtwert von 131,1 Milliarden Euro, gefolgt von elektronischen Erzeugnissen mit 65,6 Milliarden Euro und Maschinen für Büro und Datenverarbeitung mit 34,9 Milliarden Euro. Betrachtet man nur den Export nach Deutschland, dann machten im Jahr 2007 Lebensmittel mit 7,12 Milliarden Euro den größten Anteil. Ihnen folgten Erdöl und Erdgas mit einem Umsatz von 6,35 Milliarden Euro, Elektronikgüter für 4,47 Milliarden Euro, Chemieprodukte in der Gesamtsumme von 4,14 Milliarden Euro und landwirtschaftliche Waren im Wert von 3,38 Milliarden Euro.

Tabelle 9: Warenexport aus den Niederlanden – Wichtigste Handelspartner und Exportgüter
Angaben in Mrd. Euro, Quelle: DNHK: Wirtschaftsprofil Niederlande, S. 6f.
2007
Wichtigste Handelspartner
Deutschland 81,9
Belgien 41,4
Großbritannien 31,4
Frankreich 28,5
Italien 17,2
Wichtigste Exportgüter
Maschinen und Fahrzeuge 131,1
Elektronische Erzeugnisse 65,6
Büro- und datenverarbeitende Maschinen 34,9
Exportgüter nach Deutschland
Lebensmittel 7,12
Erdöl, Erdgas 6,36
Elektronik 4,47
Chemie 4,14
Landwirtschaftliche Waren 3,38


Neben dem größten Exportpartner fällt Deutschland mit einem Einfuhrvolumen von 61,8 Milliarden Euro auch die Rolle des wichtigsten Importlandes der Niederlande zu (Tabelle 10). Wiederum mit weitem Abstand folgen Belgien (33,0 Mrd. Euro), China (26,3 Mrd. Euro), die USA (24,1 Mrd. Euro) und Großbritannien (19,5 Mrd. Euro) auf den folgenden vier Plätzen. In die Niederlande wurden 2007 zuvorderst Maschinen und Fahrzeuge als Importgüter im Wert von 118,5 Milliarden Euro eingeführt. Bedeutend waren ebenfalls elektronische Erzeugnisse mit einem Umsatz von 60,4 Milliarden Euro und Maschinen für Büro und Datenverarbeitung mit einem Importvolumen von 31,2 Milliarden Euro. Aus Deutschland traten im Jahr 2007 dem Umsatz nach geordnet vor allem Maschinen (5,52 Mrd. Euro), Kraftwagen (5,44 Mrd. Euro), Lebensmittel (4,91 Mrd. Euro), Eisen und Stahlgüter (2,29 Mrd. Euro) sowie Kunststoffe (2,12 Mrd. Euro) den Weg in die Niederlande an.

Tabelle 10: Warenimport in die Niederlande – Wichtigste Handelspartner und Importgüter
Angaben in Mrd. Euro, Quelle: DNHK: Wirtschaftsprofil Niederlande, S. 6f.
2007
Wichtigste Handelspartner
Deutschland 61,8
Belgien 33,0
China 26,3
USA 24,1
Großbritannien 19,5
Wichtigste Importgüter
Maschinen und Fahrzeuge 118,5
Elektronische Erzeugnisse 60,4
Büro- und datenverarbeitende Maschinen 31,2
Importgüter aus Deutschland
Maschinen 5,52
Kraftwagen 5,44
Lebensmittel 4,91
Eisen und Stahlgüter 2,29
Kunststoffe 2,12

[1] Vgl. Deutsch-Niederländische Handelskammer: Wirtschaftsprofil Niederlande, S. 5, Online.
[2] Vgl. Centraal Bureau voor de Statistiek: Statistisch jaarboek 2009, S. 130, Online.
[3] Vgl. Deutsch-Niederländische Handelskammer: Wirtschaftsprofil Niederlande, S. 5, Online.

Autor:
Robert van der Veen
Erstellt:
November 2009