II. Handelspartner Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen als einem der sechzehn teilsouveränen Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland lebten Ende 2013 rund 18 Millionen Einwohner auf einer Fläche von etwas mehr als 34.000 Quadratkilometern. NRW ist damit nicht nur das bevölkerungsreichste, sondern mit 515 Einwohnern pro Quadratkilometer auch das am dichtesten besiedelte deutsche Bundesland.[1]

Als Wirtschaftsstandort hat sich Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahrzehnten grundsätzlich verändert. Sprach man in den Nachkriegsjahren von NRW noch als Land von Kohle und Stahl, begann ab den späten 1950er Jahren allmählich das Zechensterben: Seit der Kohlenkrise 1958 konnte die Bergbauindustrie nicht mehr mit ihrem Konkurrenzprodukt Erdöl oder den Abbaugebieten in den USA und anderen Staaten konkurrieren. Die Ölkrise von 1973 und die Strukturkrise der Stahlindustrie machten das Ruhrgebiet als größten Ballungsraum Deutschlands aufgrund seiner einseitigen wirtschaftlichen Struktur ohne eigenen Dienstleistungsbereich, ohne wissenschaftliche Institutionen und ohne kleine und mittelständige Unternehmen zu einem Notstandsgebiet. Durch die über lange Jahre andauernde schwere Umweltbelastung der Bergbau- und Stahlindustrie hatte das Ruhrgebiet darüber hinaus auch noch mit den zahlreichen Altlasten zu kämpfen. Als neue wirtschaftliche Zentren Deutschlands bildeten sich unterdessen die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern heraus. In Nordrhein-Westfalen verschoben sich in Folge des Strukturwandels die wirtschaftlichen Schwerpunkte aus dem Ruhrgebiet in Richtung der großen Städte entlang der Rhein- und Ruhrschiene wie Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg, wo sich die Kraftwagen- und Chemieindustrie – aber auch Forschungs- und Entwicklungsprojekte – ansiedelten.

So gründete man im Jahr 1960 des Opel-Werk Bochum I auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dannenbaum. Ab 2010 soll dort der neue Opel Astra gefertigt werden – in 15 anstatt 24 Stunden pro Wagen und mit entsprechend weniger Personal. Ein ähnlicher Wandel hat auch im Bereich der Wissenschaft stattgefunden: Fünf Jahre nach der Werkseröffnung von Opel öffnete die 1962 gegründete Ruhr-Universität Bochum als Teil der Deutschen Forschungsgemeinschaft prominenter deutscher Hochschulen ihre Türen für Wissenschaftler und Studierende. Im September 2009 arbeiten auf dem Bochumer Campus 4.800 Angestellte und waren rund 33.000 Studierende immatrikuliert. Neben diesen beiden Beispielen für den nordrhein-westfälischen Strukturwandel wurden in den vergangenen Jahrzehnten viele Industriegebäude und -gelände zwischen Rhein und Ruhr saniert und renoviert. Stellvertretend dafür steht das ehemalige Hüttenwerk Duisburg-Meiderich der Firma Thyssen oder die Zeche Zollverein in Essen. Beide stehen heute unter Denkmalschutz und sind durch Fahrrad- und Wanderwege miteinander verbunden. An anderen Stellen sind hochmoderne Betriebs- und Dienstleistungsgelände entstanden: So diente in Oberhausen die Grundlage eines Hüttenwerks für den Bau der Shoppingmeile CentrO und die Verlagerung der Oberhausener Innenstadt in die „Neue Mitte“. Der neben dem CentrO stehende – und 1929 als Kokergasspeicher erbaute –  Gasometer ist heute das Wahrzeichen der Stadt Oberhausen und steht als Ausstellungshalle sinnbildlich für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Im Jahr 2010 übernahm das Ruhrgebiet mit RUHR.2010 sogar für ein Jahr die Rolle der Kulturhauptstadt Europas – eine Entwicklung, die man sich im Jahr 1946 kaum hätte vorstellen können.


[1] Vgl. Landesdatenbank NRW, Online.

Autor:
Robert van der Veen
Erstellt:
November 2009
Aktualisiert: Dezember 2013