III. Handelspartner Niederlande

In den Niederlanden lebten Ende 2012 16.730.632 Einwohner auf einer Fläche von etwas mehr als 41.500 Quadratkilometern. Mit 402 Einwohnern pro Quadratkilometer bewegt sich die Niederlande hinsichtlich der Bevölkerungsdichte somit auf einem ähnlichen Niveau wie der östliche Nachbar Nordrhein-Westfalen. Allerdings muss man nicht vergessen, dass durch Gebiete wie das IJsselmeer, das Wattenmeer oder das Rhein-Maas-Schelde-Delta auch etwa 20 Prozent des Landes aus Wasser bestehen. Die Netto-Oberfläche  beträgt somit also nur noch rund 33.000 Quadratkilometer und gleicht damit jener Nordrhein-Westfalens. Mit einer Dichte von 1.000 Einwohnern pro Quadratkilometern erreicht die so genannte „Randstad“, das Ballungszentrum in den Provinzen Nord- und Südholland sowie Utrecht mit dem Städteband Dordrecht-Rotterdam-Den Haag-Amsterdam-Utrecht, die höchsten Werte: Hier leben rund 40 Prozent der Gesamtbevölkerung.[1]

Die Niederlande wurden im 17. Jahrhundert als Republik der Vereinigten Niederlande zur kolonialen, wirtschaftlichen und maritimen Großmacht und entwickelten sich zu einer der größten See- und Wirtschaftsmächte dieser Zeit weiter. Während dieser Periode errichteten die Niederländer Kolonien und Handelsposten auf der ganzen Welt – niederländische Stützpunkte gab es beispielsweise in Südafrika, Südamerika und Südasien.[2] Durch diesen „goldenen“ Zeitabschnitt profitiert das Land auch heute noch und ist in kultureller Hinsicht von ihm geprägt. Innerhalb der kleinen Niederlande existieren zwischen den Regionen heute jedoch sehr große kulturelle, wirtschaftliche wie auch landschaftliche Unterschiede. Etwas überspitzt könnte man das Land gleichzeitig als Norden Südeuropas, als Süden Nordeuropas, als Westen Mitteleuropas oder als Osten Westeuropas klassifizieren. Die Randstad ist heute zum logistischen Herz der Niederlande geworden. Dessen Schwerpunkt bildet Europas viertgrößter Flughafen Amsterdam-Schiphol mit einem Umschlag von 1,5 Millionen Tonnen an Gütern und 51 Millionen Passagieren im Jahr 2012 genauso wie der Rotterdamer Hafen als einer der größten Seehäfen weltweit, der laut eigenen Angaben aus dem Jahr 2013 jährlich einen Güterumschlag von 450 Millionen Tonnen zu verzeichnen hat. Dank des Hafens konzentriert sich in Rotterdam die Erdöl verarbeitende und die chemische Industrie mit bekannten Namen wie BP, Esso, Texaco, Shell und dem Nahrungsmittel- und Pflegeproduktehersteller Unilever. Die Infrastruktur in der Randstad ist modern, die Arbeitskräfte sind hochqualifiziert und das Investitionsklima ist günstig. Und auch im Dienstleistungsbereich ist die Region ein wichtiges Zentrum für Handelshäuser, Banken, Börsen, Versicherungsgesellschaften und anderen Organisationen aus dem Import- und Exportbereich.

Neben der Randstad ist der Norden der Niederlande mit seinen Provinzen Groningen, Friesland und Drenthe großteils landwirtschaftlich geprägt. Den tragenden Industriezweig bildet hier die Nahrungs- und Genussmittelindustrie mit Firmen wie Campina, Melkunie Numico und Sarah Lee. Daneben haben sich im Norden auch viele kleine und mittelständische Unternehmen angesiedelt. In den östlichen Provinzen Overijssel und Gelderland liegt der Schwerpunkt auf Ackerbau, Viehzucht und der fleischverarbeitenden Industrie. Aber auch andere Industriezweige wie der Chemie-Multi Akzo Nobel oder der Reifenhersteller Vredestein sind in dieser Region mit ihren Werken angesiedelt. Der Süden der Niederlande mit den Provinzen Noord-Brabent, Limburg und Zeeland wird von Unternehmen des Waren produzierenden Gewerbes bestimmt. Hierzu zählen vor allem die elektrotechnische Industrie mit Firmen wie Philips (Elektronik), ASML (Halbleiter) und Océ (Digitaldruck- und Dokumentenmanagement) sowie die Chemieindustrie mit Akzo Nobel und DSM (Chemie, früher Bergbau).


[1] Vgl. CBS, Online.
[2] Vgl. Driessen, Christoph: Geschichte der Niederlande. Von der Seemacht zum Trendland, Regensburg 2009

Autor:
Robert van der Veen
Erstellt:
November 2009