VI. Ausblick: Mehr Tempo, mehr Skepsis?

Die Niederlande sind Deutschland und anderen Nachbarländern auf vielen Feldern der Digitalisierung einen Schritt voraus. Auch im weltweiten Vergleich schneiden sie gut ab. Wie eingangs bereits erwähnt, hat das Weltwirtschaftsforum 139 Länder darauf untersucht, inwieweit es ihnen gelingt, die Informations- und Kommunikationstechnologie für Wohlstand und Produktivität zu nutzen. Im Gesamtindex gehören die Niederlande mit Platz 6 zur Spitzengruppe. Gleichzeitig ist dort auch zu lesen: „Obwohl die Bedingungen in absoluten Zahlen stabil sind oder sich noch leicht verbessern, bewegen sich andere Länder schneller fort.“

Eine aktuell gute Ausgangsposition bedeutet also nicht, dass sich das Land im Wettbewerb mit anderen zurücklehnen kann. Die Regierung hat das offenbar erkannt, wie zahlreiche Aktionspläne zu einzelnen Themen, aber auch die allgemeine Digitalisierungsstrategie zeigen. Auffällig ist, dass die Auflage 2.0 der Strategie den Schwerpunkt aber auch stark auf die Gefahren und Risiken legt, die mit der Digitalisierung einhergehen. Als eine der zentralen Aufgaben benennt die Regierung daher auch den den Aspekt der Cyber Security. „Aus den Gefährdungsszenarien ergibt sich nämlich, dass die Verletzlichkeit und Bedrohungen im digitalen Bereich zunehmen werden“, heißt es in der Digitalisierungsstrategie.[1] Seit 2018 dient die Nederlandse Cybersecurity Agenda als Basis für konkrete Maßnahmen, für die die Regierung insgesamt 95 Millionen Euro im Haushalt bereitstellen will. So sollen mehr Experten für das Thema zum Beispiel beim Nationalen Cyber Security Zentrum oder bei den Geheimdiensten eingestellt werden. Ein Digital Trust Center soll Betrieben helfen, die Sicherheit ihrer eigenen Daten zu verbessern.

Eine Herausforderung besteht auch darin, einen Ausgleich zwischen immer intensiverem Datenaustausch und den Rechten der Bürger zu finden. Das Thema Datenschutz schien in den Niederlanden lange eine geringere Rolle zu spielen als zum Beispiel in Deutschland. Doch das ändert sich inzwischen. Dass sich in einer Volksbefragung 2018 eine knappe Mehrheit gegen das sogenannte sleepwet (Schleppnetzgesetz) aussprach, das die Abhörrechte der Geheimdienste ausweiten sollte, ist nur ein Beispiel dafür. Auch im Alltag achten offenbar immer mehr Niederländer darauf, was mit ihren Daten passiert. Eine Studie des Statistikamts Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS) ergab 2018, dass 68 Prozent der Befragten den Zugriff von Smartphone-Apps auf ihre persönlichen Daten blockieren oder einschränken.[2] Junge Menschen sind in diesem Zusammenhang besonders vorsichtig: Unter den 16- bis 25-Jährigen blockieren oder beschränken sogar 79 Prozent den Datenzugriff. Im Vergleich mit den anderen EU-Staaten gehören die Niederländer damit sogar zur Spitzengruppe: Nur in vier Ländern (Frankreich, Deutschland, Schweden und Luxemburg) sind die Bürger noch vorsichtiger. An der großen Technikaffinität der niederländischen Bevölkerung ändert das nichts – aber Datenschutz wird in Zukunft sicherlich eine größere Rolle spielen.


[1] Nederlandse Digitaliseringsstrategie 2.0, Seite 24 https://www.rijksoverheid.nl/documenten/rapporten/2019/07/05/nederlandse-digitaliseringsstrategie-2.0.
[2] Centraal Bureau voor de Statistiek: Meeste Nederlanders beschermen gegevens op Smartphone https://www.cbs.nl/nl-nl/nieuws/2019/06/meeste-nederlanders-beschermen-gegevens-op-smartphone.

Autor: Fabian Busch
Erstellt: 2019