X. Gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen

Profit machen und umweltbewusst wirtschaften muss sich auch für niederländische Unternehmen nicht mehr ausschließen. „Maatschappelijk Verantwoord Ondernemen“ – „MVO“ heißen die Buchstaben, nach denen die Unternehmen ihr wirtschaftliches Handeln heute ausrichten und mit denen sie ihre Produkte labeln wollen. Das bedeutet für ihr wirtschaftliches Handeln: Profit machen, gleichzeitig umweltbewusst und nachhaltig sein und die Menschen und Kunden des Unternehmens mit Würde behandeln – kurzum „netjes zakendoen“, ordentlich arbeiten und wirtschaften. Das beginnt beim Einkauf über Produktion und Vertrieb bis zum Personalmanagement. Marketingziel ist das gute Image – um letztlich auch im Rekruiting im Kampf um die besten Absolventen und Führungskräfte, aber auch beim Konsumenten zu punkten.

Denn Konsumenten sind durchaus für eine Veränderung aufgeschlossen: Einer aktuellen Studie zufolge sind fast die Hälfte der Niederländer bereit, für Produkte, die den Normen gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung entsprechen, mehr zu bezahlen. Allerdings sind sich die niederländischen Verbraucher oft gar nicht bewusst, was MVO-Produkte sind und was nicht. Ein Beispiel für MVO liefert Campina. Mit der Stiftung „Milieu en Natuur“ und dem „Wereld Natuur Fonds“ setzt sich das Unternehmen für den besseren Erhalt der Wälder ein.

Frank Heemskerk, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der Niederlande, möchte MVO zu einem Exportprodukt machen – letztlich zu einer internationalen Marke. Zunächst hofft er aber, dass große Unternehmen wie Unilever in dieser Sache eine Vorreiterrolle übernehmen, damit kleinere Unternehmen auch in den Niederlanden folgen. Ob die kleinen Betriebe aber tatsächlich so rückständig und aufklärungsbedürftig sind, ist die Frage. Bezeichnenderweise ist es nämlich oft so, dass gerade die kleinen Firmen viel mehr MVO-Aktivitäten zeigen und umsetzen als große internationale Konzerne.

Sicher ist aber, dass die derzeitige Wirtschaftskrise kein Unternehmen daran hindert, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein als Fundament ihres Handelns zu installieren. Denn es geht hier nicht um Zahlen, sondern um einen innere Einstellung zur Zukunft der Wirtschaft. Staatssekretär Heemskerk lässt daher auch nicht locker: Ab 1. Januar 2010 müssen börsennotierte Unternehmen ihre Verantwortung in Sachen Nachhaltigkeit veröffentlichen – dies gehört zum neuen Code Corporate Governance.


Autor: Martin Roos
Erstellt: Juni 2009