VII. Umweltschutz und Recycling

Die niederländischen Wälder sollen noch grüner, die Böden noch reiner, die Luft noch sauber werden. „In einem dicht besiedelten Land wie den Niederlanden ist der Naturschutz besonders wichtig“, lässt das niederländische Außenministerium verlauten. Der Staat, so heißt es, kauft wertvolle naturnahe Flächen an und gewährt privaten Naturschutzorganisationen finanzielle Unterstützung, damit auch sie schutzwürdige Flächen erwerben können. So schließt der niederländische Staat mit Landwirten Verträge ab, in denen diese sich verpflichten, auf ihrem eigenen Land oder auf den von Naturschutzorganisationen angekauften Flächen Maßnahmen zur Sicherung der Natur zu ergreifen.

Bereits 1990 legte das Naturschutzministerium einen Plan vor, der darauf abzielte, der Natur in den Niederlanden wieder den ihr gebührenden Platz einzuräumen. Von zentraler Bedeutung dieser neuen Politik ist das ökologische Verbundsystem, ein zusammenhängendes Netz geschützter Gebiete, das Pflanzen und Tieren für die Zukunft eine Lebensgrundlage bieten soll. Ziel ist es, bis 2018 die Fläche der Naturschutzgebiete auf 700.000 Hektar zu erweitern. 19 Nationalparks gibt es zurzeit in den Niederlanden. Darunter befinden sich das Süßwasser-Gezeitengebiet Biesbosch bei Dordrecht und die Flugsandfelder der Loonse und Drunense Duinen. Genauso originell wie beliebt ist der Nationalpark im Wattenmeer: die dort gelegene Insel Schiermonnikoog steht in ihrer Gesamtheit unter Landschaftsschutz. Die ältesten Nationalparks sind die Hoge Veluwe und der Veluwezoom.

Auch die niederländischen Häfen und Küstenregionen setzen sich mittlerweile verstärkt für eine saubere Umwelt ein – und das nicht nur aus touristischen Motiven. So zeichnete im Mai 2009 eine internationale Jury 110 niederländische Strände und Yachthäfen mit dem begehrten Gütesiegel „Blauwe Vlag“ (Blaue Flagge) aus. Das internationale Qualitätskennzeichen und Umweltprädikat, das 1987 durch eine holländische Initiative eingeführt wurde, vergab die Jury an 41 holländische Strände und 69 Yachthäfen – eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 30 Prozent. 2008 wurden die Niederlande mit 85 Flaggen ausgezeichnet. Die „Blauwe Vlag“ wird allein an Häfen verliehen, die nachweislich sauber und sicher sind. Nur wenn sich ein Hafenbetreiber klar für eine gesunde Umwelt und ein sauberes Umfeld einsetzt, hat er Chancen, das begehrte Symbol zu erhalten. Sollte sich die Situation wieder verschlechtern oder sollte es Verstöße gegen die Richtlinien der „Blauwe Vlag“ geben, wird die Fahne wieder weggenommen. Die Häfen kontrollieren die Einhaltung der Vorgaben einmal jährlich.

Naturschutz ist aber auch in den Niederlanden nicht nur eine Aufgabe des Staates, der Verbände oder Institutionen, sondern fängt beim einzelnen Bürger an. Die niederländischen Haushalte produzieren etwa neun Millionen Tonnen Abfall pro Jahr – durchschnittlich also circa 1,5 Kilo pro Person. Von diesem Müllberg wird inzwischen etwa die Hälfte recycelt. Getrennt wird traditionell in Glas, Papier und biologischen Abfälle. Der Rest wird verbrannt. Die Müllverbrennungsanlagen erzeugen dadurch wieder Energie, die die jeweilige Stadt für ihre Wärmeversorgung nutzt. Auch Verpackungsmaterial wird getrennt gesammelt. Bis zu acht verschiedene Recycling- und Müll-Labels sind auf den niederländischen Produkten im Umlauf: Für kompostierbare und chemische Produkte, für Glas, Papier, Kunststoff, Aluminium und Stahl.


Autor: Martin Roos
Erstellt: Juni 2009