XIII. Nachhaltige Party

Normalerweise ist Feiern eine Umweltsünde. 1,9 Kilogramm CO2 kostet ein Discoabend im Durchschnitt pro Person. Dazu kommen 50 Liter Wasser und 2,15 Kilowattstunden Strom. Im „Watt“ in Rotterdam ist das anders. Hier können die Besucher die ganz Nacht mit gutem Umweltgewissen durchtanzen. Denn „Watt“ ist der erste ökologische Tanzclub der Welt, sagen die Gründer – ein Zusammenschluss aus Stiftungen und privaten Unternehmen.

Im „Watt“ werden nämlich pro Abend nur 1,3 Kilogramm CO2 verbraucht. Das sind 30 Prozent weniger als sonst. Wasserverbrauch und Abfall werden um die Hälfte reduziert. Michel Smit, Chef der Firma Sustainable Dance Club, will das Konzept in Rotterdam testen und dann in der ganzen Welt vermarkten. Die Energie entsteht im wahrsten Sinne des Wortes beim Tanzen: Die Bodenplatten, auf denen abgerockt wird, geben bei jedem Schritt leicht nach. Darunter sind Generatoren versteckt, die diese Bewegungen in Strom verwandeln. Jedes Modul kann angeblich bis zu 20 Watt produzieren – je nach Kondition der Tänzer. Kommt weniger Bewegungsenergie beim Generator an, leuchten die Platten nicht grün, sondern rot und blau.

Zudem hat der Club einen riesigen, für 1.500 Zuschauer geeigneten Konzertsaal und ein angeschlossenes Restaurant – früher haben in dem Club auch schon mal Größen wie Amy Winehouse und Nirvana gespielt. Auch der Konzersaal ist heute selbstverständlich nachhaltig gestaltet. Die Heizung funktioniert mit heißer Luft, die in dem Raum gesammelt wird. Die Plastikbecher an den Bars werden recycelt. Im Restaurant werden fast nur Bio-Produkte verwendet, die möglichst aus der direkten Umgebung kommen sollen, um Transportkosten und damit auch CO2 zu sparen. Auch die Toiletten sind umweltschonend: Sie funktionieren nicht nur mit Regenwasser, sondern die Spülkästen sind auch noch durchsichtig. So sieht der Benutzer genau, wie viel Wasser er beim Spülen verbraucht.

Diskotheken, die künftig in die Riege der „Sustainable Dance Clubs“ – also nachhaltigen Tanzclubs – aufgenommen werden wollen, müssen ähnliche Konzepte vorweisen können. Sie haben die Auflage im Vergleich zu herkömmlichen Clubs mindestens 30 Prozent Strom und CO2 sowie 50 Prozent Wasser und Abfall sparen. Na dann: Let’s dance.


Autor: Martin Roos
Erstellt: Juni 2009