II. Marktanteil

Noch leidet der Verkauf biologischer Lebensmittel in den Niederlanden nicht unter der derzeitigen Wirtschaftskrise. Im Gegenteil. Der Organisation für biologischen Landbau und Ernährung „Biologica“ zufolge wuchs im vergangenen Jahr der Markt mit 12,4 Prozent auf 583,4 Millionen Euro – das sind 12,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Damals waren es 518,9 Millionen Euro Umsatz. Vor allem auch im letzten Quartal 2008, als die Rezession immer stärker zu fühlen war, stieg der Umsatz biologischer Lebensmittelprodukte stark an.

In den Niederlanden war der Verkauf von Bioprodukten lange Zeit eine Domäne von Bauern und Fachhändlern. Doch mit zunehmender Popularität von Bio-Produkten europaweit wurde „Bio“ auch in den Niederlanden gesellschaftsfähig. Heute werden biologische Nahrungsmittel wie selbstverständlich über die unterschiedlichsten Anbieter vertrieben. Entsprechend verteilt sich das Konsumwachstum im Jahr 2008 auf verschiedene Kanäle. Bei Supermärkten gab es im vergangenen Jahr bei biologischen Nahrungsmitteln einen Jahresumsatz von 256,6 Millionen Euro (eine Steigerung um 11,3 Prozent zum Vorjahr), in den Fachgeschäften 234,6 Millionen Euro (plus 8,7 Prozent) und bei den Vertragshändlern 46,1 Millionen Euro (plus 96,8 Prozent). Bei den „sonstigen“ Verkaufskanälen ging das Wachstum auf 46,2 Millionen Euro zurück (minus 5,8 Prozent).

Insgesamt stieg der Konsum in den Niederlanden bei Nahrungsmitteln um 6,9 Prozent auf 27,4 Milliarden Euro – die Bioprodukte legten 2008 im Wachstum also in den meisten Vertriebskanälen weit überdurchschnittlich zu. Der Marktanteil biologischer Produkte am Nahrungsmittelmarkt 2008 lag bei 2,1 Prozent. Das ist eine Steigerung um 0,1 Prozent zum Vorjahr. Für die ehrgeizigen Niederländer kein Ruhmesblatt.

Noch etwas langsamer gestaltet sich der Wandel in der niederländischen Landwirtschaft. Der Umfang des biologischen Landbaus, in dem Landwirte keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel oder Kunstdünger einsetzen, ist im Vergleich zu Italien, Spanien oder Deutschland immer noch sehr bescheiden, auch wenn ein gewisser Anstieg zu verzeichnen ist. Die niederländische Regierung hatte lange Zeit das Ziel, bis 2010 auf einen Schnitt von zehn Prozent biologischen Landbaus an der gesamten Landwirtschaft zuzusteuern. Da die Biolandwirtschaft es allerdings nicht schaffte und auch heute nur bei einem Anteil von gut zwei Prozent liegt, wurde diese Planung inzwischen verworfen. Inzwischen liegt das angepeilte Ziel der niederländischen Regierung bei jährlich fünf Prozent Wachstum der biologischen Anbauflächen im Land. Um diese Entwicklung weiter zu fördern, will das Landwirtschaftsministerium die Absatzstrukturen verbessern, die Preise für biologische Produkte wettbewerbsfähig machen und damit die Wirtschaftlichkeit der Betriebe steigern.


Autor: Martin Roos
Erstellt: Juni 2009