Bio-Wirtschaft in den Niederlanden

I. Einführung

Das Bio-Vorurteil

Was Bio-Produkte angeht, scheinen die Niederländer immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Zunächst einmal aus dem Ausland, dort insbesondere Deutschland mit seinem angrenzenden Bundesland Nordrhein-Westfalen: Möglicherweise haben in den Neunzigerjahren die vielen zu wässrigen Export-Tomaten aus den Niederlanden, massenweise im Gewächshäusern gezüchtet, den Westdeutschen den Appetit auf niederländisches Gemüse dermaßen verdorben, dass sich bei vielen deutschen Konsumenten hartnäckig die Vorurteile halten, „Bio und Holland“ müsse ein Widerspruch sein.

Dass auch im eigenen Land die Hersteller und Vertreiber von gesundem Essen und Bio-Kultur gewaltig die Werbetrommel schlagen und zahllose Aktionen starten müssen, um die Landsleute von ihren Produkten zu überzeugen, ist nicht wirklich überraschend. Zulange haben wohl auch die Niederländer amerikanisches Fastfood, niederländisches Frittiertes und ihr „Eten uit de Muur“ (dt. Essen aus der Mauer) in ihre Lebenskultur aufgenommen und tief verinnerlicht.

Da viele niederländische Konsumenten geradezu unaufgeklärt in Sachen Bio und Nachhaltigkeit wirken, ist es auch kein Wunder, dass viele Lifestyle- und Fachmagazine mit Titeln wie „De kleine Aarde“ oder „Green.2“ oder „ClubGreen“ den Trend ergreifen und Volksaufklärung übernehmen. Allerdings fangen sie oft etwas banal beim kleinen Einmaleins der Bio-Kultur an und fragen zum Beispiel: „Was ist eigentlich biologisch?“ Weiterhin berichten sie über das richtige nachhaltige Energiesparen und füllen Hunderte von Seiten über ökonomisches Autofahren bis zu spirituellen Wasserwanderungen.

In den Niederlanden sind solche Themen neu und gelten als hipp und interessant – anders als in Deutschland, in denen Bio- und Gesundheitsfragen mittlerweile als Standard fast zu jedem Nachrichtenmagazin gehören. Die „grüne Bewegung“ in den Niederlanden ist jedoch auf dem Weg, ihren Rückstand im Vergleich zu anderen europäischen Ländern aufzuholen. Und wie man die Niederländer als zwar kleines aber recht dynamisches Land kennt, das gerne Initiativen ergreift, um das Zusammenleben zu verbessern, dürfte dieser Abstand auch bald kürzer werden, wenn nicht sogar andere Länder ein- und überholen. Zumindest in Teilbereichen. Zum Beispiel in der Automobilindustrie und der Einführung eines Mautsystems, im Bereich Landbau und soziales Engagement oder in der Art, Disco- und Ökokultur zu verbinden.


Autor: Martin Roos
Erstellt: Juni 2009