IX. Gefährliche Folgen des Klimawandels

Am Wasser zu leben ist schön. Aber auch teuer. Vor allem, wenn das Land, auf dem man wohnt, bis zu fünf Metern unterhalb des Meeresspiegels liegt. Bei der verheerenden Sturmflut von 1953 haben die Niederlanden zuletzt erlebt, welche furchtbaren Auswirkungen es hat, wenn das Land wie eine Badewanne voll Wasser läuft. Noch heute sprechen die Niederländer, die die Katastrophe direkt betraf und die sie überlebten, voller Furcht und Schock über diese Erfahrung. Besonders betraf es damals auch Zeeland. Weite Teile der Region standen unter Wasser. Das Deltaprojekt mit den gewaltigen Dämmen und Brücken, das in den Jahren nach der großen Sturmflut aufgelegt und umgesetzt wurde, sollte eine zweite Katastrophe möglichst für alle Zeiten verhindern. Angesichts des Klimawandels jedoch prophezeien Experten den Niederlanden und ihrer Küstenregion schon bald eine neue Katastrophe – es sei denn, die Deiche werden noch stärker als je zuvor ausgebaut.

Im September 2008 fasste deswegen die so genannte Deltakommission einen Beschluss: Die Niederlande müssen schnellstmöglich effektive Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser ergreifen, um angemessen auf die negativen Folgen der Klima-Veränderung, also steigender Meeresspiegel bei gleichzeitiger Absenkung des Bodenniveaus, zu reagieren. Seit etwa 2007 hatte sich diese Kommission mit dem Problem beschäftigt und die Wahrscheinlichkeit des Eintretens dieser Katastrophe durchgerechnet.

Ein großer Teil – ungefähr die Hälfte – der Niederlanden liegt weniger als einen Meter über dem Meer. Rund ein Viertel des niederländischen Staatsgebiets liegt jedoch unterhalb des Meeresspiegels. Die erste Deltakommission wurde nach der Flutkatastrophe von 1953 gebildet – sie erarbeitete den Plan für die Deltawerke, ein Schutzsystem gegen Hochwasser und Sturmfluten, das heute die Küste von Zeeland schützt.

Die Verantwortlichen der jetzigen Deltakommission machten unmissverständlich deutlich, dass Gefahr besteht. Die Lage sei ernst. Aber, wenn schnell gehandelt werde, könne von der Verlegung von niedrig gelegenen Wohngebieten abgesehen werden.

Der Bericht mit dem Titel „Zusammenarbeiten mit dem Wasser“ geht von einem Investitionsbedarf von jährlich 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro aus. Ein Grund für den umfangreichen Handlungsbedarf bei dem Schutz vor dem Wasser ist, dass der Meeresspiegel schneller steigt, als erwartet. Die Kommission nimmt ein Ansteigen um bis zu 1,30 Meter bis zum Jahr 2100 an. Neben der Hochwasserbedrohung sei damit auch die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser bedroht. Als wichtigste Schutzmaßnahme soll, neben der Erhöhung der Deiche, der Küstenstreifen durch künstliche Sandaufschüttungen deutlich, teilweise um bis zu einem Kilometer, verbreitert werden. Die Strategie für den Umgang mit dem Klimawandel muss in Zukunft auf Sicherheit und Nachhaltigkeit basieren, fordert die Kommission. Handlungsbedarf bestehe deswegen ab sofort, da die heutigen Schutzmaßnahmen definitiv nicht ausreichend seien. Die Finanzierung muss unabhängig von tagespolitischen Prioritäten und der Konjunkturentwicklung sichergestellt werden. Dazu soll die Einrichtung eines speziellen Fonds, der durch den Erlös der staatlichen Erdgasförderung gespeist wird, gesetzlich verankert werden. Trotz der ernsten Bedrohung zeigte sich die Deltakommission zuversichtlich, dass durch die angestrebten Maßnahmen auch die kommenden Generationen in den Niederlande sicher mit dem Wasser zusammenleben können.

Die niederländischen Küstenregionen nehmen diese Warnung sehr ernst. In der Provinz Zeeland beispielsweise wurde bereits mit den Arbeiten begonnen. Einige Küstenstreifen sind sogar schon verstärkt und für die Zukunft gerüstet. Bis mindestens Ende 2009 sollen die Ausbauarbeiten an den Dämmen und Küsten des Landes fortgesetzt werden.


Autor: Martin Roos
Erstellt: Juni 2009