V. Grüne Ferien

In den südlichen Niederlanden in der Provinz Zeeland befindet sich auf der Halbinsel Walcheren mit ihren grünen Äckern, langen Sandstränden und malerischen Orten in den alleenumsäumten Vorstraßen von Oostkapelle eine kleine Bio-Oase – „Ter Linde“: Es ist der älteste Bio-Bauernhof der Niederlande, gegründet 1926, nur zwei Kilometer vom Strand entfernt. Er gehört wie der Bauernhof de Wilhelminahoeve zu „Loverendale“, einem biologischen Landbauanbieter (Ankauf und Instandhaltung von Grund und Gebäuden, Vertrieb von Demeter-Produkten). Auf dem insgesamt 170 Hektar großen Gebiet beider Höfe werden alle Sorten Gemüse angebaut. 70 Milchkühe traben über die Wiesen von Ter Linde und in den Ställen befinden sich durchschnittlich 40 Kälber.

Die Arbeit auf Ter Linde ist vielfältig. Zum einen gibt es Personal für den Acker-, zum anderen für den Gartenbau. Der Hof fühlt sich der Anthroposophie verbunden und möchte allen, die auf ihm arbeiten den Umgang mit Erde und den Produkten, die Erde hervorbringt, lehren. In Ter Linde wird zudem eigener biologischer Bauernkäse produziert – „rauwmelkse' kaas“ und im eigenen Laden auf dem Hof verkauft. Die Käufer der Bio-Produkte von Ter Linde sind zum einen Einheimische wie zum Beispiel die Chefköchin Annemiek van der Velde vom Hotel „Green White“, das nur einen Kilometer von Ter Linde entfernt liegt und ein exquisites Bio-Restaurant führt. Zum anderen kommen Touristen zum Hof nach Ter Linde, Besucher des betriebseigenen Restaurants und schließlich auch die Feriengäste der Minicamping-Anlage auf dem Terrain von Ter Linde. Der Gewinn aller Dienstleistungen von Ter Linde wird in den Landbau des Hofes reinvestiert.

Ter Linde gehört auf Walcheren neben dem Käsebauernhof „Mariekerke“ (Meliskerke), der Imkerei „Poppendamme“ (Poppendamme) und dem Käse- und Milchbauernhof „Schellach“ (Middelburg) zu den Vorzeigebetriebe, die die Produktion heimischer Zucht- und Ackerbetriebe unterstützt. Ter Linde ist aber der einzige Demeter-Bio-Betrieb, der zu den so genannten „grünen Höfen“ („groene vakantie“) zählt – ein Bauernhof also, auf dem Gäste Ferien machen und an den landwirtschaftlichen Abläufen teilhaben können. Insgesamt gibt es in den Niederlanden etwa 190 Bauernhöfe, die unter dem Logo „groene vakantie“ registriert werden.

Ein besonderes Kennzeichen von Ter Linde ist es, dass das landwirtschaftliche Personal auch von Menschen gestellt wird, die geistig gehandicapt sind oder in irgendeiner Weise soziale Anpassungsschwierigkeiten haben. „Auf die Behinderten wirkt sich der Umgang mit Natur und Tieren günstig aus“, heißt die Devise bei Ter Linde. Die gehandicapten Hilfskräfte sind zwischen 18 und 60 Jahre alt. Sie werden bei ihrer Arbeit von professionellen Landwirten und manchmal auch von Pädagogen betreut. Ter Linde ist mit diesem Programm kein einmaliges Unternehmen. Etwa 430 Bauernhöfe in den Niederlanden bieten die Möglichkeit, Behinderte, Demenzkranke, Drogenabhängige, Häftlinge, Problemjugendliche oder Langzeitarbeitslose an der Arbeit auf dem Hof zu beteiligen. Laut der Vereinigung „Landbouw en Zorg“ boomt dieser „grüne Pflegesektor“. Vor sechs Jahren waren es nur 75 Bauernhöfe, die Landbau, Viehzucht und Tagesbetreuung angeboten hatten. Für dieses und nächstes Jahr haben schon 120 ihr Interesse bekundet, 30 davon werden laut „Landbouw en Zorg“ konkret das Programm anbieten. Für die Betreuung gibt es einen staatlichen Zuschuss von 40 Euro pro Tag und betreuter Person. Ein Grund für das Engagement der Bauernhöfe ist zum anderen die Suche nach einem weiteren wirtschaftlichen Standbein, zum anderen aber auch ehrlich gemeintes soziales Engagement.


Autor: Martin Roos
Erstellt: Juni 2009