Binnenschifffahrt: gemeinsame Wettbewerbsfähigkeit wichtiger als Konkurrenzdenken

NRW-Infrastrukturminister Dr. Axel Horstmann präsentierte am 4. Februar 2004 in Düsseldorf das neue „Wasserstraßenverkehrs- und Hafenkonzept NRW“. „Ich bin zuversichtlich, dass wir mit unserem Konzept das infrastrukturelle, intermodale Angebot der Häfen in NRW für die Partner in Belgien, den Niederlanden und an der deutschen Nordseeküste noch besser darstellen“ sagte Horstmann im Düsseldorfer Landtag. Die Beziehungen NRWs zu den so genannten ARA-Häfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam sind bereits sehr intensiv: auf sie entfielen 2000 rund 55 Prozent des gesamten nordrhein-westfälischen Containeraufkommens. Vor allem Duisburg kooperiert sehr erfolgreich mit den drei großen Seehäfen im Westen Nordrhein-Westfalens.


Zwischen Kooperation und Konkurrenz

Die Niederlande und Belgien sind aber nicht nur wichtige Geschäftspartner der nordrhein-westfälischen Binnenschifffahrt, sondern ebenso starke Konkurrenten. Der Güterverkehr in den Niederlanden wird zu 35 Prozent (2001) per Schiff abgewickelt; in Belgien sind es zehn Prozent (1997), in NRW 25 Prozent (2000). Ein Beispiel aus dem Wachstumsmarkt Verkehr/ Logistik: Die Provinz Gelderland und die Städte Arnhem/ Nijmegen planen ein multimodiales Güterverkehrszentrum in Valburg (MTC), das aufgrund seiner enormen Größe (über 300 Hektar) in NRW die Sorge aufkommen lässt, es könnten regionale Überkapazitäten entstehen, da auf deutscher Seite bereits Verkehrszentren in Düsseldorf, Duisburg und nahe Emmerich bestehen. Im Interesse der NRW-Regierung läge daher der Aufbau eines dezentralen, grenzüberschreitenden Güterverkehrszentrums Arnhem/ Nijmegen und Emmerich. Das wichtigste Beratungsorgan der niederländischen Regierung, der Raad van State,  entschied kurz darauf, dass das MTC nicht gebaut werden dürfte. Naturbestimmungen und die Sicherheit der Bewohner wären nicht gebührend in Anmerkung gekommen.


Verbesserter Hochseezugang ist nächster gemeinsamer Programmpunkt

Weitere Kooperationsmaßnahmen stehen indes zwischen den Fluss- und Seehäfen an. Zukünftig soll im Rahmen einer internationalen Hafenkonferenz zusammen mit Vertretern der ARA-Häfen über einen verbesserten Hochsee-Zugang der deutschen Güterschifffahrt verhandelt werden. Das eine umfangreichere Zusammenarbeit der großen Häfen Duisburg, Rotterdam und Antwerpen interessant ist, zeigen zudem die Bemühungen um die Reaktivierung des „Eisernen Rhein“ und der Bau der „Betuwe-Linie“.


Maßnahmen zur Stärkung gemeinsamer Wettbewerbsfähigkeit

Im Jahr 2001 unterzeichneten die Niederlande und NRW in Amsterdam eine Vereinbarung, in der sie die wesentlichen Punkte ihrer gemeinsamen Güterverkehrspolitik festhielten: Entspannung im Straßenverkehr zwischen Ruhrgebiet und dem städtischen Ballungszentrum „Randstad“, ein gemeinsames Auftreten innerhalb der Europäischen Union, eine bessere Abstimmung der Preispolitik und die Suche nach umweltschonenderen Transportmöglichkeiten. Betrachtet man die Handlungsmöglichkeiten, sind dies alles Argumente für den Ausbau der Binnenschifffahrt. Die damalige niederländische Verkehrsministerin Tineke Netelenbos regte in einer Rede anlässlich des „Zweiten Logistik Forum“ in Duisburg 2001 den Bau neuer Tiefseehäfen entlang der nordwesteuropäischen Küste an. Zur Stärkung der Binnenschifffahrt haben die Niederlande begonnen, die Fahrwassertiefe der Waal zu erhöhen. In NRW gibt es ähnliche Überlegungen, den Rhein zwischen Duisburg und der niederländischen Grenze auszubauen. Für die Stärkung der gemeinsamen Wettbewerbsfähigkeit halten Fachleute beider Länder Maßnahmen wie diese für unerlässlich. Auch 2007 fand in Duisburg das Logistik Forum statt; Schwerpunkt war diesmal die operative Logistik, insbesondere für die Schnittstellengestaltung zwischen Industrie, Handel und Dienstleistern sowie seine zunehmende Internationalisierung.


Rhein ist mehr als ein symbolisches Bindeglied

Dem Rhein als Bindeglied zwischen Binnen- und Seehäfen kommt eine immer größere Bedeutung zu. Dementsprechend werden die Hafenanlagen erweitert. Über das größte Hafengebiet verfügt Antwerpen mit mehr als 14.000 ha, gefolgt von Rotterdam mit 10.500 ha. Das Hafengebiet von Amsterdam umfasst eine Größe von mehr als 2800 ha, Duisburg bringt es auf 1350 ha. Im Jahr 2000 betrug der Gesamtumschlag im Rotterdamer Hafen über 322 Millionen Tonnen (2006: 378,2 Millionen). Antwerpen brachte es auf mehr als 130 Millionen (2006: 167,4 Millionen), Amsterdam auf 64 Millionen (2006: 84,3 Millionen) und in Duisburg belief sich der Gütergesamtumschlag auf knapp 50 Millionen Tonnen (2006: 49,7 Millionen). Neben Container-Ware werden hauptsächlich Mineralöle und chemische Erzeugnisse, Eisen und Stahl sowie Kohle transportiert.

 

Güterversand aus nordrhein-westfälischen Häfen
Quelle: IT.NRW


Jahr
insgesamt
davon
innerhalb
NRWs
aus anderen
Bundesländern
grenzüber-
schreitender
Verkehr
in 1.000 Tonnen
1995
49.486 8.280 17.594 23.612
1996
48.737 8.972 16.732 23.033
1997
48.429 9.479 15.316 23.634
1998
46.675 9.452 14.626 22.597
1999
46.196 8.612 13.617 23.967
2000
45.991 8.209 12.405 25.377
2001
44.444 7.166 10.444 26.834
2002
44.887 7.107 10.195 26.982
2003
42.626 8.169 8.891 25.565
2004
45.200 8.958 8.986 27.257
2005
45.821 8.891 8.194 28.737

 

Güterempfang in nordrhein-westfälischen Häfen
Quelle:  IT.NRW


Jahr
insgesamt

davon
innerhalb
NRWs
aus andern
Bundesländern
grenzüber-
schreitender
Verkehr
in 1.000 Tonnen
1995
71.603 8.280 6.183 57.140
1996
68.717 8.972 5.584 54.161
1997
75.112 9.479 5.519 60.114
1998
78.592 9.452 5.544 63.596
1999
71.911 8.612 5.432 57.867
2000
78.374 8.209 5.122 65.043
2001
74.283 7.166 5.072 62.045
2002
74.474 7.707 5.053 61.713
2003
75.431 8.169 - 62.638
2004
80.001 8.958 - 65.670
2005
79.257 8.891 - 64.442

Autor: Oliver Breuer
Erstellt: 2004
Aktualisiert: August 2007