VIII. Die Strecke


Die Betuweroute ist eine 160 Kilometer lange Güterbahnstrecke, die vom Rotterdamer Hafen (Maasvlakte) bis zur deutschen Grenze bei Zevenaar verläuft. Die Betuwelijn besteht aus zwei Teil-Abschnitten. Zum einen die so genannte Havenspoorlijn, ein 48 Kilometer langes Teilstück zwischen dem Container-Umschlagplatz Maasvlakte bis zum Rangierbahnhof Kijfhoek, und zum anderen eine 112 Kilometer lange Strecke, die größtenteils längs der Autobahn A15 (Rotterdam-Valburg) verläuft.

Karte der gesamten Güterverkehrsstrecke: Havenspoorlijn und eigentliche Betuweroute
Karte der gesamten Güterverkehrsstrecke: Havenspoorlijn und eigentliche Betuweroute
© Wikimedia Commons/gemeinfrei

Der Bau der Betuweroute umfasste nicht nur die Anlage einer neuen Schienenstrecke. Mit der Betuweroute waren umfangreiche Investitionen in Containerterminals und Rangierbahnhöfen verbunden. Zudem wurden fünf Tunnelanlagen gebaut, die zusammen 18 Kilometer lang sind. Für diese Tunnel wurde 1997 ein eigenes Sicherheitskonzept entwickelt, das so genannte Groene boekje (dt.: Grünes Büchlein). Darin enthalten: automatische Feuermeldeanlage, Gasspürsystem, ein umfassendes Netz an Löschleitungen sowie Leitvorrichtungen, die bei einer Entgleisung das Umkippen verhindern, die Tunnelröhren sind voneinander getrennt. Bei Barendrecht wurde eine Überdachung für neun Gleise finanziert.

Die Betuweroute ist eine der teuersten und die modernsten Güterstrecken in Europa. Die Strecke beginnt im äußersten Westen Rotterdams, in der Maasvlakte. Dort, wo die großen Überseeschiffe ihre Ladung löschen, werden die Container künftig direkt auf die Schiene verladen. In der Maasvlakte wurde dafür ein so genanntes Rail Service Zentrum gebaut, ein Gelände für den Umschlag von Containern. Das Zentrum ist das Herz der Betuweroute, denn das Zentrum soll die Umschlagkapazität deutlich erhöhen.

Für die Betuweroute wurde auch die Eisenbahnbrücke Dintelhaven neu gebaut. Die eingleisige Eisenbahnbrücke wurde durch eine zweigleisige Stahlbogenbrücke mit einer Spannweite von 270 Metern ersetzt.

Eines der teuersten Einzelprojekte ist der Bau des Botlektunnel im Rotterdamer Hafen. Da über die Oude Maas keine Brücke gebaut werden konnte, entschieden sich die Planer für eine zweigleisige Tunnellösung. 1997 begann der Bau der drei Kilometer langen Strecke. Beim Waalhaven wurde ein weiteres großes Rail Service Zentrum eingerichtet. Durch den Bau der Betuweroute werden im Hafen bei Pernis mehr Container für den Umschlag von Wasser auf die Straße oder Schiene eintreffen. Die Kapazität des Umschlagplatzes wurde erhöht und das Gelände entsprechend angepasst.

In Barendrecht wurde sicherlich eines der imposantesten Bauwerke errichtet. Eine Überdachung birgt neun Schienen unter sich. Darunter die Betuweroute und die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke von Amsterdam nach Paris, auch der Bahnhof von Barendrecht wurde überdacht. Auf dem Dach entstanden 300 Parkplätze und ein Stadtpark wurde angelegt, der so groß ist wie 13 Fußballplätze.

Der Rangierbahnhof Kijfhoek hat eine Schlüsselposition innerhalb der Logistik der Betuweroute. Hier werden die Container sortiert und auf die Strecke Richtung Deutschland geschickt. Auch bei Valburg – zwischen Arnheim und Nimwegen gelegen – sollte ein Verlade-Terminal entstehen. Der Bau wurde aber vom Verwaltungsgericht Raad van State als ein zu großer Eingriff in die Natur gewertet und in der geplanten Größe untersagt. Das Terminal wurde aus der Planung herausgenommen.

Um die Lärmbelästigung einzudämmen und die Umwelt zu schonen, wurden bei Papendrecht, Gorinchem, Doornenburg und Zevenaar Tunnel gebaut: Der Tunnel unter dem Pannerdenschen Kanal bei Doornenburg verläuft unter dem  Naturgebiet De Gelderse Poort. Bei Zevenaar-Babberich endet dann die Strecke, die in Deutschland ab 2014/2015 mit einem dritten Gleis weitergeführt werden soll.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt:
Dezember 2009
Aktualisiert: März 2013