Friesische Sprache und Kultur - ein Streifzug durch die Provinz Fryslân

Die Provinz Friesland, seit 1997 offiziell “Fryslân“ genannt, hatte 2002 630.000 Einwohner. Sie unterschiedet sich von den anderen 11 niederländischen Provinzen durch eine zweite, eigene Landessprache, die neben dem Niederländischen anerkannt wird. In den letzten 20 Jahren haben die Bemühungen, die friesische Sprache und Kultur zu erhalten und vor niederländischen Einflüssen zu bewahren, deutlich zugenommen.

Was unterscheidet Friesland nun genau von den anderen Provinzen? Und welche Institutionen setzen sich professionell ein für den Erhalt friesischer Sprache und Kultur?

Die friesische Sprache

Der Begriff „friesische Sprache“ bezieht sich auf drei Varianten des Friesischen. Nord- und Ostfriesisch (Saterländisch) werden in Deutschland gesprochen; beide Varianten gelten allerdings nur als Dialekte der deutschen Sprache. Die dritte Variante, Westfriesisch, wird in Fryslân gesprochen und ist eine eigenständige Sprache. Sie gehört neben Niederländisch, Deutsch und Englisch zu den westgermanischen Sprachen. Obwohl das Westfriesische sehr viele angelsächsische Elemente aufweist, ist heutzutage der Einfluß des Niederländischen viel größer. Die Hauptgründe hierfür sind der Einfluß der Medien und die Globalisierung. Da Niederländisch die dominante Sprache ist, wird das Friesische in Wortwahl, Grammatik und Intonation durch niederländische Einflüsse geprägt. Nicht die gesamte Provinz ist zweisprachig: Het Bildt im Nordwesten, De Stellingwerven im Südosten und die Gegend um Kollum in Nordosten kennen nur niederländische Dialekte mit friesischen Elementen, ansonsten wird dort nur Niederländisch gesprochen.

Eigenständige Sprache oder Dialekt?

Das Westfriesische kennt zwei Hauptdialekte: Waldfriesisch (Wâldfrysk), welches im östlichen Teil der Provinz angesiedelt ist, und Kleifriesisch (Klaaifrysk). Dieses wird im nördlichen Teil in der Gegend von Leeuwarden gesprochen und gilt als Standarddialekt. Weitere Dialektunterschiede findet man nördlich von Dokkum und auf den westfriesischen Inseln sowie im Südwesten bei Hindeloopen und Stavoren. In den größeren Städten wie Leeuwarden, Sneek, Drachten und Bolsward gibt es die Variante des „Stadtfriesischen“. Dies ist Friesisch mit starken niederländischen Einflüssen. Doch auch in den Dörfern, die früher ausschließlich friesisch geprägt waren, hat das Niederländische Einzug gehalten. Dieser Effekt hat allerdings das Interesse am Erhalt des Friesischen geweckt. Verschiedene Institutionen haben es sich zur Aufgabe gemacht, durch wissenschaftliche, kulturelle und auch sportliche Aktivitäten einen Beitrag zu leisten. 1997 verstanden 94% der damals 615.000 Bewohner Friesisch, 74% sprechen die Sprache fließend, 65% können Friesisch lesen, aber nur 17% der Bevölkerung beherrschen die Sprache schriftlich. (Quelle: Berie foar it Frysk, Leeuwarden)

Institutionen

Es gibt verschiedene Instanzen, die die friesische Sprache zu fördern und zu erhalten versuchen, hier sind in erster Linie die Fryske Akademy und die Afûk zu nennen, ebenso die Frysk Nasjonale Partij (FNP). Aus dem Namen geht bereits hervor, dass diese Partei bemüht ist, den eigenen Charakter der Provinz zu erhalten. Die Fryske Akademy ist seit der Gründung 1938 das wissenschaftliche Zentrum Frieslands und arbeitet u.a. eng mit den Universitäten des Landes zusammen, an denen man friesische Philologie studieren kann, in erster Linie Groningen, Leiden und Amsterdam. Die Provinz Fryslân hat keine eigene Universität. Die Mitarbeiter der Fryske Akademy erforschen die friesische Geschichte, Soziologie, Sprache, Wirtschaft und Politik, die in zahlreichen Veröffentlichungen zur Verfügung gestellt werden, sowohl national als auch international. Die „Algemiene Fryske Underrjochtskommisje“ (Afûk) wurde 1924 ins Leben gerufen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den friesischen Unterricht an Schulen, Universitäten und der Erwachsenenbildung zu intensivieren. Ziel ist es, dass Friesisch genauso gut wie Niederländisch beherrscht werden kann. Die Afûk hat zahlreiche Lehrbücher und Informationsbroschüren veröffentlicht. Omrop Fryslân“ ist der regionale Fernseh- und Radiosender und sendet regelmäßig friesischsprachige Programme. Die Themen sind ebenfalls regional angesiedelt und gehen selten über die Provinzgrenzen hinaus. Es gibt keine friesische Tageszeitung, allerdings erscheinen im „Friesch Dagblad“ und im „Leeuwarder Courant“ regelmäßig friesische Artikel. Friesische Bücher hingegen haben in den letzten zwei Jahrzehnten einen Aufschwung zu verzeichnen, sowohl Kinder-und Jugendbücher als auch Poesie und Prosa.

Friesische Kultur

Neben der friesischen Literatur sind auch Theaterstücke auf Friesisch sehr beliebt. Die Theatergruppe „Tryater“ ist selbst über die Provinzgrenzen hinaus bekannt geworden. Auch friesische Musik ist in den letzten Jahren sehr populär geworden und es gibt ein breites Genre von Schlager über Popmusik bis hin zu den neuesten Musiktrends. Friesischen Bands wie „De Kast“ und „Twarres“ gelang es, zu Ende der 1990er Jahre in den gesamten Niederlanden mit friesischen Liedern in die Charts zu kommen. Auch im Sportbereich sind typisch friesische Sportarten zu nennen: Fierljeppen (Weitspringen mit einem langen Holzstab, meist über einen Fluss), Skûtsjesilen (Segeln mit Frachtschiffen aus dem 19. Jahrhundert) und die berühmte Elfstedentocht (Elfstädtetour). Diese wird im klassischen Sinne im Winter auf Schlittschuhen absolviert über eine Distanz von 220 km. Die letzte Tour fand 1997 statt. Die Tour kann aber ebenso mit dem Fahrrad oder zu Fuß gemacht werden. 

Autorin: Stephanie Tewaag
Erstellt:
Januar 2004